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Weser und Werra – ein sprachhistorischer Prozess

Ein Fluss ohne Quelle?

Wo Werra sich und Fulda küssen, sie ihren Namen büßen müssen, und hier entsteht durch diesen Kuss deutsch bis zum Meer: der Weserfluss.“ So lautet die Inschrift auf dem Weserstein aus dem Jahr 1899 auf dem Tanzwerder in Hannoversch Münden.

veröffentlicht am 02.01.2015 um 06:00 Uhr

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Autor:

Olivia Sievers

Untypisch für den Strom „Weser“ ist, dass er seinen Namen nicht an der Quelle erhält, sondern erst durch den Zusammenfluss von Werra und Fulda – „Wo Werra sich und Fulda küssen…“. Somit wäre die Weser ein Unikum unter den Flüssen. Was steckt dahinter?

Der Weserspruch ist eine Legende, nicht mehr und nicht weniger. Durch sie wird der Eindruck vermittelt, Weser und Werra seien zwei verschiedene Namen. Dass dies nicht der Fall ist, zeigt die sprachliche und sprachgeschichtliche Entwicklung.

Weser und Werra sind Flüsse mit identischem Namensursprung. Historische Belege (vor allem nach Rüdiger Sperber 1966) zeigen, dass Weser und Werra ursprünglich einen Namen getragen haben: Wisara. Weser und Werra wurden noch im ersten Jahrtausend nach Christus namentlich nicht unterschieden. Die Werra wurde als eigentlicher Quellfluss der Weser angesehen.

Die Namensgeschichte belegt, dass die Werra der eigentliche Weseroberlauf ist, da die Namen Weser und Werra etymologisch identisch sind. Jürgen Udolph schreibt in dem Buch „Die Weser. Einfluss in Europa“, dass erst später, nach historischen Quellen etwa seit dem elften Jahrhundert, sich allmählich für den Unterlauf der Wisara die Form Wirra, Werra durchsetzte. Udolph erklärt, man sei sich in der sprachwissenschaftlichen Diskussion im Großen und Ganzen einig, dass die Namen Werra und Weser auf demselben Worte (Wisara) beruhen.

Zugrunde liegt ein Wandel von „Wesera“ – „Werera –, der dann zu Werra führte: „sr“ wurde „r“. Weseraha – Werraha – Werra. Hier hat also ein sprachhistorischer Prozess zu einer Differenzierung geführt.

Nach Udolph ist aus heutiger Sicht der Name der Weser wie folgt zu erklären: Er geht auf eine Grundform Wisuri, Genitiv Wisujos (=Visurgis in den antiken Quellen; zum Beispiel Tacitus) zurück, gehört zu der indogermanischen Wurzel ueis/uis- „zerfließen, fließen (oft in Flussnamen), lat. virus „zähe Flüssigkeit, Schleim, Saft, Gift“, althochdeutsch wisa, dt. Wiese. An diese Basis, die Wurzel, ist ein Bildungselement getreten, das als Suffix bezeichnet wird. Im Fall der Weser ist es ein „r“.

Schon Edward Schröder wies im Jahre 1944 auf den allgemein verbreiteten Fehler hin, der zu der Aufschrift auf dem Weserstein in Hann. Münden geführt hat: „[es] ist zu erwähnen, daß es unrichtig ist, wenn in den Schulen gelehrt wird, die Weser fließe aus Werra und Fulda zusammen. Werra und Weser sind vielmehr dasselbe Wort (Wesera)… .“



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