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Der Tod spricht über seine Sicht der Dinge

Eigentlich wollte er mal Arzt werden

Was ist das Schönste an Ihrer Arbeit als Entertainer? Lachen Sie mit oder über die Lebenden? Schön, dass man den Tod inzwischen als Entertainer wahrnimmt. Meine Image-Kampagne trägt erste Früchte, sehr schön. Man muss vor allem über sich selbst lachen können. Auch als Tod.

veröffentlicht am 22.04.2014 um 06:00 Uhr

Was ist Ihre Hauptaufgabe als Tod? Den Pöbel zu belustigen oder über das Leben zu lachen? Tatsächlich lachen die Zuschauer in meinem Programm meist über mich und mein Leben als Tod. Ich denke, nur so funktioniert es auch. Das Thema ist ja erst mal ein recht Heikles. Daher ist meine Aufgabe vor allem ein Anti-Angst-Training für jedermann.

Sie behaupten, dass Sie einen harten Arbeitsalltag hätten. Wegen des Lampenfiebers oder fiel Ihnen zuletzt das Schreiben an Ihrem Buch „Mein Leben als Tod“ so schwer? Naja, seit ich auch noch auf der Bühne stehe und als Autor tätig bin, bleibt viel Arbeit liegen. Die Überbevölkerung der Erde kommt ja nicht von ungefähr. Aber ich denke, das ist es wert.

Ihr Beruf steht in Deutschland außer Konkurrenz. Könnten Sie sich vorstellen, auch einen Handwerksberuf auszuüben oder im Dienstleistungsgewerbe zu arbeiten? Ich wäre früher auch gerne mal Arzt oder Feuerwehrmann geworden, aber das sind beides keine Berufe, die man zu irgendeiner Epoche einem Sprössling meiner Sippe gerne anvertraut hätte. So musste ich dann damit leben lernen, Tod zu sein.

Wie fühlt es sich an, der Tod zu sein? Haben Sie überhaupt Gefühle oder sind Sie eiskalt? Es heißt so schön: Irren ist menschlich. Der Tod ist es aber auch. Mehr als die meisten vermuten und wahrhaben wollen. Natürlich habe ich auch Gefühle und ein sehr großes Herz.

Wenn Sie einen Tag in den Himmel dürften, würden Sie die Engel von der Bühne aus unterhalten oder mit Ihnen feiern? Ich kann Ihnen sagen, Himmel, Hölle, Paradies oder Verdammnis, das sind alles Kategorien aus dem Diesseits. Die leben meist nur noch von ihrem legendären Namen. Auf der anderen Seite ist alles sehr individuell und frei auf die Bedürfnisse der Gäste ausgelegt. Wenn sie Engel brauchen, um sich wohlzufühlen, bekommen wir aber auch die organisiert.

Was hält Sie denn noch auf der Erde? Die unbegrenzten Möglichkeiten des Internets oder die Lebenden und ihr Drang zur Selbstüberschätzung? Irgendeiner muss den Job ja machen. Nicht auszudenken, wenn auf einmal alle steinalt werden würden. Die Welt würde in Sekundenschnelle platzen. Deshalb ist abhauen keine Option für mich, auch wenn es manchmal stressig ist. Und im Prinzip ist die Menschheit ja ganz nett. Wenn sie nur endlich mal lernen würde, sich lieb zu haben.

Wo fühlen Sie sich am Wohlsten? Auf dem Sofa vorm Fernseher oder unter den Lebenden auf der Bühne? Haha, bei einem Fernsehprogramm mit Bauer sucht Frau, DSDS oder Tatort mit Till Schweiger ist so ziemlich jede andere Freizeitgestaltung eine sinnvolle Option.

Sie tragen beständig einen dunklen Umhang. Vertragen Sie kein Tageslicht oder wollen Sie ihr wahres Aussehen verschweigen? Mein Gevatter hat immer gesagt: Wer Name und Gesicht ablegt, auch Eitelkeit zu Grabe trägt. Es ist doch auch irgendwie beruhigend, dass dieser ganze Persönlichkeitswahn spätestens beim Tod sein Ende hat.

Sie haben ein Buch geschrieben. Richtet es einen Appell an seine Leser oder ist es Ihre Biografie? Beides. Zum einen versuche ich Licht ins Dunkle zu bringen, Angst zu nehmen und einen Schwank aus meinem Privatleben zum Besten zu geben, zum anderen möchte ich auch eine Option aufzeigen, wie in anderen Kulturen mit dem Tod und Sterben umgegangen wird. Ich will auch zeigen, wie man sich diesem Thema mit Humor nähern kann, ohne pietätlos zu werden.

Nehmen wir an, Sie könnten die Zeit zurückdrehen. Was würden Sie an Ihrer Vergangenheit ändern wollen oder akzeptieren Sie sie so, wie sie ist? Nichts würde ich ändern wollen. Jede Erfahrung und jedes Erlebnis hat dazu beigetragen, dass ich nun auch der Tod bin, der ich heute bin. Und ich finde da hätte es wesentlich schlimmer kommen können. Erst letzte Woche habe ich gehört, dass es inzwischen einen Fanclub von mir in Österreich gibt. Welcher Tod konnte das vorher schon von sich behaupten?

Interview: Fabian Gräflich

Der Tod auf der Bühne: Am 24. April wird er in der Aerzener Domänenburg zu Gast sein. Seinen Namen verrät der Comedian nicht.

d2mBerlin

Der Tod ist auf Tour und macht am 24. April in Aerzen halt, um in der Domänenburg seine „Death Comedy“ zu präsentieren. Die Veranstaltung ist ausverkauft, deshalb ist es umso schöner, dass sich Gevatter Tod die Zeit für ein Interview genommen hat. So kann er mit Missverständnissen um seine Person aufräumen und seine Sicht auf das Weltliche schildern.



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