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Vor 90 Jahren begann der Hochverratsprozess gegen Hitler

„Dramatische Auftritte, Publikum, Beifall“

Der Hitler-Putsch beginnt wie ein schlechter Hollywood-Film: Am Abend des 8. November 1923 stürmen Adolf Hitler und seine Mitverschwörer Alfred Rosenberg und Ulrich Graf, begleitet von SA-Schlägern, den Bürgerbräu-Keller in München. Hitler nimmt noch einen Schluck Bier, wirft den Krug auf den Boden, springt auf einen Tisch, zieht eine Pistole und schießt in die Decke, um sich Gehör zu verschaffen; „Die nationale Revolution ist ausgebrochen. Die bayerische Regierung und die Reichsregierung sind abgesetzt.“

veröffentlicht am 24.02.2014 um 00:00 Uhr

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Die Regierung Ebert in Berlin, das ist für ihn die „Regierung der Novemberverbrecher“. Der zweite Akt des Hitler-Putsches beginnt in den später Vormittagsstunden des 9. November. Erich Ludendorff hat entschieden: „Wir marschieren.“ Nach dem Vorbild des „Marschs auf Rom“ der italienischen Faschisten um Benito Mussolini sollen die in Bayern stehenden Reichswehrverbände zusammen mit antidemokratischen Wehrverbänden nach Berlin marschieren und dort die Macht im Deutschen Reich übernehmen. Doch die Bilanz des Marsches zur Feldherrenhalle ist für die Putschisten eine ernüchternde: 15 Tote und viele Verletzte, vier Polizisten kommen ums Leben. Hitler wird zwei Tage später festgenommen, auf den Prozess freut er sich, „Dramatische Auftritte, Publikum, Beifall“, formuliert es Joachim Fest.

Und so kommt es auch, denn der Prozess wird Hitler in seinem Prozess eben nicht gemacht. Er beginnt am 24. Februar 1924. Angeklagt sind neben Hitler und Ludendorff noch acht weitere Putschisten, die Anklage lautet auf Hochverrat. Der redegewandte Hitler schafft es, die Richter und die Staatsanwaltschaft von der Richtigkeit seiner Handlung zu überzeugen und stilisiert sich aufgrund seiner rhetorischen Fähigkeiten vom Angeklagten zum Ankläger hoch.

Hier begann der erste Akt des Hitler-Putsches: der Bürgerbräukeller in München. Das Bild zeigt eine Versammlung der NSDAP aus dem Jahr 1923. Bundesarchiv

In der Urteilsverkündung werden ihm „rein vaterländischer Geist und edelster Willen“ bescheinigt. Hitlers Rechnung geht auf, er wird zur Führungsperson der gesamten nationalen Bewegung.

Die Urteilsverkündung vom 1. April 1924 ergibt geringe Strafen für die des Hochverrats Angeklagten: Gegen Adolf Hitler, Friedrich Weber, Hermann Kriebel und Ernst Pöhner wird jeweils die Mindesthaftstrafe von fünf Jahren Festungshaft verhängt – allerdings mit der sicheren Aussicht auf Bewährung nach sechs Monaten. Das Land braucht der Deutsch-Österreicher Hitler nicht zu verlassen; das Gericht verzichtet darauf, ihn – wie es eigentlich zwingend vorgeschrieben ist – des Landes zu verweisen. Die Begründung der Richter: Bei einem Manne, „der so deutsch denkt und fühlt wie Hitler“, könne man davon absehen. Neun Monate verbüßt Hitler in Landsberg in komfortabler Umgebung und schreibt „Mein Kampf“.

Von 1937 bis 1945 wird Landsberg am Lech mit der Gefängniszelle neben München, der „Stadt der Bewegung“, und Nürnberg, der „Stadt der Reichsparteitage“, von den Nationalsozialisten als dritte zentrale Stätte des Nationalsozialismus angesehen. Ab 1933 vermarktet sich die Lechstadt mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln als „Hitlerstadt“ oder „Stadt des Führers“, als „nationalsozialistischer Wallfahrtsort“ und „Geburtsstätte der Ideen des Nationalsozialismus“. Mit großem Erfolg: Der „Hitlertourismus“ bringt wirtschaftlichen Aufschwung; allein 1938 besuchen 100 000 „Volksgenossen“ Landsberg und die Hitlerzelle.

Auch wenn der Versuch Hitlers, die Macht im Staat zu erobern, eher kläglich gescheitert ist, so lässt sich der Novemberputsch bestens ausschlachten. Hitlers Bekanntheitsgrad ist enorm gestiegen, vor allem aber lässt sich der Putsch mythologisch verklären.

Die dabei umgekommenen 16 Nationalsozialisten werden in der Folgezeit zu „Gefallenen“ und „Opfern“ für das Vaterland sowie „Blutzeugen der Bewegung“ verklärt. Dann beginnt das große Schlachten. rnk



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