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Von verschwundenen Pistolen, Schießsportanlagen und Problemen am anderen Ende des Laufs

Die tut doch nix

Ein fröhliches „Bang Bang!“ ins Weserbergland, heute wird hier scharf geschossen! Es geht nämlich um Waffen. Beziehungsweise Waffen und ihre Besitzer. Bewaffnete also. Genauer gesagt: Schusswaffen-Bewaffnete und solche, die es plötzlich nicht mehr waren.

veröffentlicht am 07.09.2019 um 10:00 Uhr

Juni

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Verlegerin / Chefredakteurin zur Autorenseite

Sie kennen das, liebe Leserin, lieber Leser: Eben hatte man die Pistole noch in der Hand, einmal umgedreht, einen Moment nicht bei der Sache gewesen, stattdessen vielleicht an den Abwasch gedacht – und weg ist sie. So was passiert. Wir sind alle nur Menschen, auch bei der Polizei Hameln. Da kann schon mal was abhandenkommen. Bestimmt wird es mit der verschwundenen HK P2000, über die wir kürzlich berichteten, laufen, wie es in solchen Fällen doch immer läuft. Irgendwann findet sich alles wieder an. Der Ehering im Blumenbeet, das Kleingeld im Fusselsieb der Waschmaschine oder Bielefeld in der Sofaritze. Weg können sie ja schließlich nicht sein…

Wozu also die künstliche Aufregung? Überhaupt, Aufregung: Halb Hameln regt sich gerade auf über ein geplantes Schießsportzentrum am Stadtrand. Abgelegene Ecke, schöne Landschaft, mittendrin ein alter Schießstand. Ein Bayer will dort ballern lassen, wo früher schon die Briten ballerten. Unterschied: Er möchte damit Geld verdienen. Uiuiui… Menschen, die von nah und fern anreisen und ganz ungeniert ihre Schießeisen auspacken? Was sind das überhaupt für Leute? Halb Hameln ist in Sorge, dass unser beschauliches Städtchen zum Ballermann für potenzielle Dschihadisten, Rechtsterroristen und andere finstere Gestalten werden könnte. Will man so was in der Nachbarschaft?

Auch Schützen und Jäger schütteln an dieser Stelle entschieden den Kopf und ein gewisser Polizist errötet eventuell. Keiner will das! Also, das mit den Anschlägen, den Amokläufen und ganz allgemein mit dem Menschen Totschießen. Hat aber alles nichts mit nichts zu tun und schon gar nicht mit der Waffe. Die ist nämlich ein Sportgerät und tut dem Rücken gut.

Auch mit einer Hantel wurden schon Menschen getötet. Trotzdem kommt niemand auf die Idee, sich vor Fitnesstrainern zu fürchten. Zum allergrößten Teil sind das nämlich sehr anständige Leute, die es nicht verdient haben, mit grausamen Hantelmördern in einen Topf geworfen zu werden. Wegen ein paar dummer Zwischenfälle mit Flexibändern und Yogamatten würde man doch auch nicht gleich auf die Barrikaden gehen, wenn in der Nachbarschaft ein neuer Kraftsport-Tempel eröffnet werden soll.

Was dem Tierfreund der Hund, ist dem Schieß- und Jagdsportler die Waffe: Das Problem sieht er vor allem am anderen Ende der Leine. Die Knarre an sich tut doch nix. Die will nur spielen. Dass sie zum Töten erfunden wurde wie der Kampfhund zum Zubeißen und schon deshalb Symbolwert besitzt; dass sie ihrem Träger Überlegenheit und Macht verleiht und sich unbewaffnete Menschen aus diesem Grund schnell ein wenig unwohl fühlen, wenn sie auf bewaffnete treffen, wird dabei leicht und manchmal auch leichtfertig übersehen.

Sorgen (wie auch Risiken) muss man nicht groß-, aber ebenso wenig kleinreden. Waffen sind gefährlich. Eine verschwundene Pistole ist ein Problem. Und ja: Es gibt unter Waffenfreunden auch solche, die man sogar unbewaffnet nicht zum Nachbarn haben möchte. So viel Ehrlichkeit muss sein, damit sich ein besorgter Mensch mit seinen Sorgen wenigstens ernstgenommen fühlen kann. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein friedvolles Wochenende und empfehle der Polizei Hameln, noch einmal gründlichst die Sofaritze zu inspizieren.



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