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10. Januar 1927: „Metropolis“ feiert Premiere und fällt krachend durch

Die Stadt von morgen

Im November 2005 wird das gezeichnete Metropolis-Filmplakat in London für rund 600 000 Euro verkauft, es ist der höchste bis dato gezahlte Preis für ein solches Filmplakat.

veröffentlicht am 09.01.2017 um 11:23 Uhr

Metropolis – die Superstadt der Zukunft mit ihrer Häuserschlucht. Foto: Archiv
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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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Das hätte am 10. Januar 1927 niemand für möglich gehalten, als „Metropolis“ Premier feiert und bei Kritikern und Publikum durchfällt. Schauplatz ist eine futuristische Großstadt mit ausgeprägter Zweiklassengesellschaft. Heute gilt der Film als eines der bedeutendsten Werke der Filmgeschichte. Bereits nach seiner Uraufführung wurde der Film verändert, gekürzt – bisweilen verstümmelt – und in alle Welt verstreut. Bis heute existieren verschiedene, oft gänzlich unvereinbare Interpretationen des legendären Science-Fiction-Prototypen nebeneinander.

Zwei Jahre arbeite Regisseur Fritz Lang nach seinem Welterfolg mit den Nibelungen an seiner Saga über die gigantische Stadt Metropolis, in der zwei voneinander klar getrennte Gesellschaften leben: Eine Oberschicht lebt in absolutem Luxus. Im „Klub der Söhne“ genießt die Jugend der Elite in ihren Türmen und in „Ewigen Gärten“ paradiesische Verhältnisse und lebt für Sportveranstaltungen und rauschhaftes Vergnügen, während die Arbeiterklasse, die an riesigen Maschinen für den Gewinn der Reichen schuftet, ebenso tief unterhalb der Stadt haust wie die anderen darüber. Dazwischen, aber unter der Erde, befinden sich die für beide Klassen unentbehrlichen Maschinen.

Der Film ist ein kommerzieller Flop, was auch daran liegt, dass das entworfene soziale Bild keinem damals akzeptierten Klischee entsprach: Statt eine humanere und zivilisiertere Gesellschaft herbeizuführen, kehren mit technischen Neuerungen der Zukunft die Sklavenheere vergangener Zeiten zurück. Die gigantischen Maschinen bringen der niederen Klasse ein unwürdigeres Leben als zuvor. Und: Die Menschenmasse ist leicht manipulierbar, und sogar die mittelalterliche Hexenverbrennung wird wieder praktiziert. Die Maschine zwingt dem Menschen ihren Rhythmus auf, er wird zum Teil der Maschine.

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Für die Aufnahmen wurden mehr als 600 Kilometer Film belichtet, was mehr als 350 Stunden Spielzeit entspräche. Langs Perfektionismus, aber auch schlechtes Wetter verteuerten die Produktion: Mit Produktionskosten von rund fünf Millionen Reichsmark ist Metropolis in seiner Zeit der teuerste Film der deutschen Filmgeschichte.

Das Filmteam verbringt pro Tag 14 bis 16 Stunden unter schlechten Bedingungen im Studio; viele fallen wegen Krankheit aus. Insgesamt kommen 27 000 Komparsen zum Einsatz, gedreht wird an 310 Tagen und in 60 Nächten.

„Metropolis“ macht seine beiden Hauptdarsteller über Nacht zu Stars: Hier Gustav Fröhlich, der 1902 in Hannover geboren wurde und 1919 ein Volontariat bei der Niedersächsischen Landeszeitung in Celle begann, dort Brigitte Helm, deren Karriere begann wie ein Illustrierten-Roman. Die Mutter schickte dem Regisseur Fritz Lang 1924 ein Bild ihrer Tochter, der berühmte Regisseur machte mit ihr eine Probeaufnahme, und die gänzlich Unbekannte bekam die weibliche Hauptrolle in dem teuersten Film der deutschen Filmgeschichte.

Im Jahr 2008 prüft die Chefin des Filmmuseums Buenos Aires ein 16-Millimeter-Negativ, nachdem sie Berichte über die ungewöhnliche Länge des Films erhalten hat: Es ist die ursprüngliche, verloren geglaubte Langfassung des Films. Mit der Welturaufführung dieser rekonstruierten Fassung von „Metropolis“ am 12. Februar 2010 in Frankfurt und Berlin kehrt die nahezu vollständige Ur-Version von Langs monumentalem Stummfilmklassiker auf die Kinoleinwand zurück: Auch nach fast 80 Jahren bleibt „Metropolis“ für Millionen die Stadt von morgen.



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