weather-image
19°
×

Machen Sie mal einen Ausflug – in die virtuelle Welt

Die Revolution vor Augen

Die neuen 20er Jahre beginnen für mich ziemlich gut – um nicht zu sagen: Es kann gar nicht besser laufen. Prächtig. Eine andere Zeitrechnung beginnt. Neue Aufgaben stehen an. Ich fühle mich mutig und sicher – obwohl ich mich auf bislang unbekanntem Terrain bewege.

veröffentlicht am 04.01.2020 um 09:00 Uhr

Lars Lindhorst

Autor

Redaktionsleiter zur Autorenseite

Nichts Geringeres als die Erschaffung neuer Welten steht zum Jahreswechsel für mich an. Ohne falsche Bescheidenheit: Aller Anfang gelingt hervorragend. Mein Gefühl ist überwältigend: Keine Hürde ist groß genug, um nicht gemeistert zu werden. Kein Fels liegt auf dem Weg, der nicht übersprungen werden kann. Meine Gefühle machen mich groß, mehr noch: Ich durchwandere fast gottgleich jedes noch so finstere Tal, nehme es mit noch so unbequemen Herausforderern auf, erobere das ganze Universum und rette ganz nebenbei noch den winzigen Planeten Erde. Dimensionen, die sich mir bisher nicht erschlossen haben – aber, so viel weiß ich nun, diese Erfahrung wird meinen Blick auf die Welt entscheidend verändern!

So eine VR-Brille ist echt der Hammer! Das Weihnachtsgeschenk für einen Freund bringt mich dazu, die Realität mit völlig anderen Augen zu sehen. Wortwörtlich. „Virtual Reality“ – die computergenerierte „virtuelle Realität“ – ist der neueste Schrei der Digitalisierung. Mit einem klobigen Kasten auf dem Kopf lassen sich eben jene fremde Welten neu erschließen – in 3D, mit allen Details und Facetten. Die ganze Ausrüstung kostet zwar so viel wie ein kleiner Familienurlaub, doch was soll’s, es lohnt sich ja: Ich laufe über Planeten, die es noch gar nicht gab, komme ins Schwanken – weil meine Füße fest auf dem Bodenstehen, meine Augen dem Gehirn aber sagen, dass ich in voller Bewegung bin. Fast verliere ich das Gleichgewicht. Aber hey, es ist ja nur ein Spiel, mache ich mir währenddessen immer wieder klar. Überwältigende Welten.

Bereits am Neujahrsabend muss ich erkennen, dass nicht alle Facetten der virtuellen Welt, so schön sind, wie man sie sich vorstellt. Auf einige Details kann ich gut und gern verzichten. Meiner Spinnen-Phobie hilft es wirklich nicht weiter, wenn ich in den immer finsterer werdenden Tälern auch noch von achtbeinigen Monstern angegriffen werde. Sie springen mir direkt ins Gesicht, lassen niemals locker, vermehren sich aus dem Nichts heraus. Mit dieser Art Herausforderung habe ich wirklich nicht gerechnet.

Nach einer halben Stunde hat die Virtual Reality Geist und Körper fest im Griff: Puls 180, schwitzige Hände, wacklige Knie. Ich weiche inzwischen diesen Universalmonstern auch physisch aus. Fast hätte der Weihnachtsbaum dran glauben müssen, die Deckenlampe hat es gerade noch so geschafft. Echt überwältigend diese Weltenrettung – und inzwischen bin ich davon überzeugt, dass nur noch Medikamente mein Gehirngewitter stoppen können.

Lass gut sein, sagt eine Freundin fürsorglich, es gebe ja auch Sport-Spiele, die sich bestens für eine VR-Brille eignen. „Da musst du dich nicht so aufregen.“ Ah ja? Bestens! Spinnen können schon mal keinen Sport. Ein kleines Tennismatch vorm Schlafengehen; ein stählendes Work-Out nach dem Frühstück, Fußballspielen mit den Kindern – alles möglich in diesen virtuellen Welten und attraktiv sogar für diejenigen, die dem Neujahrsvorsatz „Mehr Sport treiben“ doch nicht ganz so viel Gutes abgewinnen können. „Cyber Gym“ – ich komme.

Nach reiflicher Überlegung bin ich überzeugt: Diese VR-Welten bedeuten eine Revolution im Wohnzimmer. Angst brauchen wir davor gewiss nicht zu haben – schließlich wird Virtual Reality sogar Ehen retten können! Dann zum Beispiel, wenn es um den Familienurlaub geht: Vorbei sind alle Diskussionen darüber, dass er unbedingt in die Berge will, während sie sich einen Strandurlaub in der Sonne wünscht, und dem Kind der Urlaubsort total egal ist, solange es irgendwo ein tropisches Spaßbad gibt. Familienzwist wird es in Zukunft nicht mehr geben – der VR-Brille sei Dank! Denn daheim auf dem Sofa kann nun jeder mit der eigenen VR-Brille dorthin fahren, wohin es ihn beliebt. Es kostet genauso viel; macht aber viel zufriedener – und ist zudem ökologisch unbedenklich. Flugscham? Diesen Begriff streiche ich jetzt aus meinem Wortschatz. CO2? Nicht mehr mein Problem. Ich male mir auch aus, dass es niemals mehr Streit über das Fernsehprogramm geben wird. Wer will noch Pilcher oder Traumschiff sehen, wenn in der eigenen Virtual Reality doch auch lauter Liebe, Lust und Leidenschaft stecken?

Alles ist vorstellbar in diesen virtuellen Welten – zweifellos eine interessante Zukunftsvision. Dieses neue Jahrzehnt wird uns das Unmögliche ermöglichen – und wir dürfen darauf zu Recht gespannt sein.

Aber Vorsicht, liebe Kinder, überlasst Euren Eltern nicht die alleinige Macht im Wohnzimmer: Ihr werdet sonst niemals mehr in einem echten Spaßbad planschen! Und ein gut gemeinter Rat für die Erwachsenen zum Schluss: Sich ein bisschen Liebe, Lust und Leidenschaft für die nicht-virtuelle Realität zu bewahren, wird trotz allem nicht schaden – auch das kann Ehen retten.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2020
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt