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Man kann zu Hause nicht nur arbeiten und schwitzen, sondern auch feiern

Die Home-Party

Ich war neulich dort, ich gestehe es. Mittendrin statt nur dabei. Am Tisch zwar und nur mit den meinen, nicht am Tresen eng neben Halbfremden – aber trotzdem: Wenn die Schwipslaune verflogen ist und der Normalverstand wieder einsetzt, dann fragt man sich schon, ob man ganz dicht war oder noch ganz dicht ist. So mittenmang zwischen anderen Leuten – ja klar, alles nette Menschen, keiner sieht aus wie ein Verbrecher, niemand hat ein Coronaschild um den Hals baumeln – aber trotzdem: Warum lässt man sich plötzlich auf so etwas ein?

veröffentlicht am 15.08.2020 um 08:00 Uhr

Thomas Thimm

Autor

Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

Ganz einfach: Weil man sich danach sehnt, wieder ein ganz normales Leben zu führen. Mal die Mutter in den Arm nehmen, mal mit dem ganzen wilden Haufen an Freunden und Bekannten zusammenglucken und die Nacht durchfeiern, mal rausgehen und einen Zug durch die Gemeinde machen, mal wieder in irgendein verwegenes Ausland verreisen, mal wieder ohne Maske shoppen oder wenigstens einkaufen gehen, und und und … Danach sehnen wir uns doch alle. Da wir aber – allermeistens jedenfalls – vernünftig sind, gesund bleiben wollen, vor allem aber aus Respekt andere schützen, laufen wir mit Maske auf Abstand herum, arbeiten brav im Homeoffice, benutzen in einem Monat so viel Desinfektionszeugs wie die ganzen 50 Jahre davor nicht und knutschen nun auch nicht jede, die wir kennen und die uns über den Weg läuft. Ist ja sowieso irgendwie besser. Aber so isses doch.

Und dann geht man einmal in eine Kneipe, und ja, sie war voll, also voll im Sinn von ganz schön gefüllt – und dann ist einem im Nachhinein irgendwie doch unwohl. Gut, wir haben es überlebt, wir machen es so schnell auch nicht wieder.

Aber über den Urlaub im nächsten Jahr, da wird man ja wohl schon nachdenken dürfen. Wir erobern uns schließlich auch mit jeder Destination ein kleines Stückchen unseres normalen Lebens zurück. Und deshalb fahre ich wieder in den Skiurlaub. Ich höre den einen oder anderen schon fragen: „Aber doch wohl nicht etwa nach …?“

Doch. Man muss kleine Berggemeinden unterstützen, wo man kann. Und schließlich ist das auch ein bisschen wie nach Hause zu kommen und gute Freunde zu treffen. Das machen wir in unserem hiesigen Zuhause ja nun auch. Da kommen dann mal die 6 Joker auf eine Runde Weißburgunder. Da trifft man sich mit den wilden Jungs vom Berge zum runden Geburtstag. Da kommt mal die Ari mit der Auri und dann auch mal der Rest der Familie. Und da kommt mal der Uwe und hängt mit dir bei einem kühlen Bierchen im warmen Garten ab. Schön, dass es euch alle gibt und dass ihr auch alle mal vorbeischaut. Sonst würde man ja auch rammdösig werden können, bei 30 und mehr Grad im Homeoffice schwitzen und arbeiten, keinen Kollegen mehr sehen, keinen Freund, keinen Bekannten, nee, ganz ehrlich, das wär doch nix.

Oder wie Uwe es in seiner unnachahmlichen Art nach dem dritten Pils ausdrückte: „Ey, hör’ ma’. Is’ doch gar nich’ so schlecht bei dieser Hitze. Der Planet brennt, aber wir ham ’n echt kaltes Bier. Da sitzte hier im Garten und machst nich’ nur Homeoffice, sondern nu’ och noch so ’ne Art Homeparty. Fließender Übergang sozusagen. Habt ihr auch ’n Job für mich?“



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