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„Discovery“ lässt „Star Trek“ wieder abheben

Die Gegenwart fliegt mit

So kennen wir es seit Captain Kirk: Ein Kapitän – ein Raumschiff. Der Kapitän ist – in der Regel – der Mutigste, der Cleverste und der Weiseste. Haudegen oder Uno-Generalsekretär mit Phaserpistole – je nach Zeitgeist. Die neuste Fernsehserie aus dem „Star Trek“-Universum, „Star Trek: Discovery“, bricht gleich zu Beginn mit solchen Erwartungen.

veröffentlicht am 15.01.2018 um 08:35 Uhr

Neu im „Star Trek“-Universum: Michael Burnham (gespielt von Sonequa Martin-Green, ober) ist zentrale Figur auf der „Discovery“. Foto: jöh/dpa
Frank Henke

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Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite
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Der erste Captain, eine Frau, überlebt die ersten zwei Folgen nicht. Die eigentliche Hauptfigur, die erste Offizierin Michael Burnham (gespielt von Sonequa Martin-Green), meutert gegen eben diese Kapitänin und wird zu lebenslanger Haft verknackt. Der später eingeführte „Discovery“-Kapitän erscheint zunächst dubios. Was für ein Start.

Die CBS- und Netflix-Serie „Discovery“ spielt etwa ein Jahrzehnt vor der ursprünglichen Enterprise-Fernsehserie. Weshalb die kinoreifen Spezialeffekte und die moderne Science-Fiction-Optik mit ein paar hübschen Retro-Details – die Kommunikatoren, die Phaser – garniert wird. Michael Burnhams Ziehvater ist niemand Geringerer als der leibliche Vater des unerreichten Mr. Spock – die Galaxis ist ein Dorf.

Trotzdem: Einen großen erzählerischen Anschluss, eine stimmige Verbindung von den „Discovery“-Abenteuern der Crew von Kapitän Gabriel Lorca (Jason Isaacs) zu den angestaubten Low-Budget-Reisen von Kirk und Co. dürfte kaum entstehen – „Star Trek“ ist nicht „Star Wars“. Doch warten wir’s ab …

Der Anfang: William Shatner (r.) als Captain James T. Kirk, Leonard Nimoy als Spock. Foto. dpa
  • Der Anfang: William Shatner (r.) als Captain James T. Kirk, Leonard Nimoy als Spock. Foto. dpa

Dem „Krieg der Sterne“-Weltraummärchen hatten Enterprise und Co. schon immer eigene Qualitäten entgegenzusetzen. „Star Trek“ sei immer dann am besten gewesen, „wenn es sich mit den Problemen der Gegenwart beschäftigt hat“, sagte Captain-Kirk-Darsteller William Shatner in einem Interview. Zu Zeiten des Kalten Krieges saß ein Russe mit auf der Enterprise-Brücke. Als sich Lieutenant Uhura und Captain Kirk 1968 küssten, war dies der erste Kuss einer Schwarzen und eines Weißen in der US-Fernsehgeschichte. „Star Trek“ war oft ein Stück weiter als unsere irdische Gesellschaft.

Auch die Discovery hat diesbezüglich Neues zu bieten. Wieder einen ersten Kuss – diesmal den zweier Männer. Nicht neu im Fernsehen, aber neu in „Star Trek“. Ein Opfer offenbar (auch) sexueller Misshandlung – ein männliches – gab es vorher auch noch nie. Vor allem aber bietet die neue Serie sehr heutige Menschlichkeit: Es wird geliebt, getrauert, gezweifelt, gelacht. Die Charaktere sind längst nicht mehr so hölzern wie etwa in den 90ern (unserer Zeit) auf der erfolgreichen „Next Generation“-Enterprise von Captain Jean-Luc Picard. Sogar den feindlichen Klingonen – nie waren sie maskenbildnerisch so eindrucksvoll – werden nun ihre eigenen Intrigen und Machtkämpfe zugestanden. Ein Hauch von „Game of Thrones“ weht durchs All.

Vom alten Fortschrittsoptimismus allerdings, der die Star-Trek-Welt stets prägte, ist auf der Discovery nicht mehr viel zu spüren: Ungeschickt stolpert die Sternenflotte in den großen Krieg mit den Klingonen. Ein interkultureller Fauxpas aus Unwissenheit steht an seinem Anfang. Der so revolutionäre wie kriegswichtige neue Antrieb der Discovery bestätigt sich indes sogleich als gefährliche Risikotechnologie.

Doch eigentlich zeigt „Star Trek“ damit nur erneut, dass es in starken Momenten – wie auch Shatner sagte – eben nicht nur über die ferne Zukunft, sondern auch über unsere Gegenwart erzählt. Und immerhin: Dass im Jahr 2256 Menschen unterschiedlicher Heimatländer und -planeten friedlich gemeinsam ins All aufbrechen – allein schon diese Zukunftsvision spricht für einen Optimismus, den die irdische Großwetterlage heute kaum noch wecken kann.


Info: Die erste Staffel von „Star Trek: Discovery“ und die Talkshow zur Sendung („After Trek“) laufen auf Netflix. Jeden Montag eine neue Folge.



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