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Warum Skifahren das Beste ist, was einem passieren kann

Des Leiwandste

Die Benson & Hedges steckt in der Kerbe des gläsernen Aschenbechers und qualmt gemächlich in einem ganz leicht bläulichen Weiß vor sich hin, im Schummer des diffusen Gegenlichts malt die Kippe irgendetwas zwischen Bier und Schnaps in den rauchigen Kneipenhimmel. „Hör’ ma’“, sacht Uwe, „dat is’ bares Geld, wennste dat so einfach verqualmen lässt …“

veröffentlicht am 24.11.2018 um 09:05 Uhr

Illustration: cn
Thomas Thimm

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Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

„Nee, nee, mein Lieber, das ist kein bares Geld, das bare Geld habe ich für die Kippen doch schon lange ausgegeben, für das Geld habe ich die Schachtel Zigaretten bekommen – und die rauche ich jetzt. Also, das Geld ist schon länger weg.“ „Sach’ ich doch, wenn ma’ schon ein paar Euros fürs Qualmen ausgibt, dann soll ma’ dat auch genießen.“ Sagt es – und zieht an seiner selbstgedrehten Zichte, als wenn wie zum Beweis nun aber ein halber Kubikmeter Zigarettenqualm inhaliert werden müsste. Um dann quasi in einem Nikotinschwall das zweite Laster zu bestellen: „Machste noch ma’ zwei Bier?“

Auf dem hölzernen Tresen stehen bereits diverse Gläser, so was kommt dabei heraus, wenn man sich einmal kreuz und einmal quer durch die Karten trinkt. Angefangen hat alles bei Marina in der Markthalle in Hannover, dann zapfte Schorse im Broyhan für uns – dann gab es noch die eine und andere Stippvisite in Hamelns Kneipen. Und nun sind wir eben wieder hier.

„Zwei Bier, bitteschön …“

„Danke, schreib bei mir auf.“

„Prost.“

„Ja, Du auch.“


Kommt ja nur alle Jubeljahre vor, dass mein Freund Uwe und ich, dass wir uns so gehen lassen. Und wir wissen oder besser gesagt, ich weiß: Das wird morgen dann mal wieder so ein Tag, den man möglicherweise verfluchen wird, an dem man sich fragt, ob das denn sein musste letzte Nacht, und an dem man nicht weiß, wie und in welcher Haltung man den Tag überstehen soll. Ein Tag, an dem es in der Wohnung natürlich viel zu sehr aufgeheizt ist, als dass man es aushalten könnte – man aber eigentlich auch so gar keine Kraft und Möge hat, draußen einen Spaziergang zu machen. Ein Tag, an dem es im Hals kratzt und du dir fluchend schwörst, dass du nie wieder, also wirklich nie wieder rauchen wollen wirst. Ein Tag, von dem du dir wünschst, dass er doch bitte schneller vergehen mag als alle anderen Tage sonst.

Aber was soll’s. Man muss die Feste auch feiern, wie sie nun mal fallen. Weihnachten mit der Familie genießen. Silvester mit Freunden jubeln. Auf Geburtstage anstoßen. Im Sommer mit ’nem Weißbier in der Hand Live-Mucke draußen hören. Und im Winter mit den besten Freunden ever auf dem berühmt-berüchtigtsten Balkon der Alpen Rock ’n’ Roll feiern und das Jahr zwischen Flying Hirsch an „Michis Bar“ und Ruinart in „Davids Eck“ ausklingen lassen.

„Das Beste“, hole ich aus, damit Uwe das auch endlich mal versteht, „das wirklich Allerbeste ist es, wenn du in den Bergen bist, mitten im Schnee, wenn dazu die Sonne scheint, und wenn du dann die Gipfel mit ein paar Freunden runtergefahren bist und dich dann einfach mal in eine kleine oder auch große Party fallen lässt. Dann ist es wahrlich perfekt. Besser geht es nicht.“

„Ach“, sagt Uwe, „dann geht dat bei Euch, wennste wegfährst, ja auch nur ums Feiern.“ Nein, geht es nicht. „Erstens fahren wir tagsüber Ski und trinken erst ein Gläschen, wenn wir wieder unten sind. Und zweitens verstehst du gar nicht, worum es beim Skifahren geht, mein lieber Uwe.“ „Na, dann erklär’ et mir doch …“

Nun ja, wie soll ich sagen, es ist einfach alles anders – und vor allem besser. Die Luft ist anders, wenn du in den Bergen stehst, das kann man mit gar nix vergleichen, nicht mit der frischen Luft an einem schönen Sommermorgen und auch nicht mit der „steifen Brise“ an der See. Wenn du in den Bergen bist, dann atmest du ganz anders. Und du siehst und hörst ganz anders. Du bist dem Himmel nicht nur einfach näher, sondern du spürst diese gewaltige Natur um dich herum, du spürst, wie klein du selbst doch bist, es wird dir bewusst, dass alles um dich herum schon lange vor dir da war und auch lange nach dir da sein wird. Und wenn du durch den Schnee läufst und dann auf deinen Skiern fährst, dieses Geräusch ist einfach unbeschreiblich, es knirscht sich in dein Ohr, in deine Erinnerungen, in deine Gefühle hinein, das lässt dich nie mehr los. Wenn du durch einen Wald skigefahren bist, wenn du über eine Eisplatte geschossen bist, wenn du dich so in den Hang stemmst, dass du die Eiskristalle hast fliegen sehen … das alles sind Dinge, die kannst du an keinem anderen Ort und bei keiner anderen Sache auf der Welt so erleben. Dazu brauchst du ein paar Skier – oder eben auch ein Snowboard – ein paar coole Freunde und ab geht’s in die Berge. Nur dort und nur so kannst du Tage erleben, die dir das Gefühl von Unendlichkeit geben können. Oder anders gesagt: „Schifoan is‘ des Leiwandste, wos ma si nur vurstöll’n ko.“



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