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1964: Der Bürgerrechtler Martin Luther King erhält den Friedensnobelpreis

Der Traum von einer anderen Welt

Er hatte einen Traum: „Dass eines Tages auf den roten Hügeln von Georgia die Söhne früherer Sklaven und die Söhne früherer Sklavenhalter miteinander am Tisch der Brüderlichkeit sitzen können.“ 250 000 Zuhörer, die friedlich in Washington DC gegen Rassismus und Armut demonstrierten, lauschen 1963 den Worten von Martin Luther King. Armut, Krieg und Rassismus – all das müsse überwunden werden, erklärt der Bürgerrechtler, denn eine Alternative habe der Mensch nicht: „Wenn wir nicht lernen, miteinander als Brüder zu leben, werden wir als Narren miteinander untergehen.“

veröffentlicht am 13.10.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 12.01.2017 um 21:53 Uhr

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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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Ein Jahr später, 1964, ist King auf dem Höhepunkt seines Ruhms angekommen: Die Rassentrennung wird per Gesetz aufgehoben, er selbst erhält den Friedensnobelpreis, und in einem Jahr wird ein neues Wahlrecht in Kraft treten, durch das alle schwarzen Amerikaner zur Urne schreiten können.

King wird am 15. Januar 1929 in Atlanta, Georgia, geboren. Er ist ein Mittelstandskind, aber dem Rassismus begegnet er Tag für Tag, denn in Amerika werden Schwarze und Weiße strikt getrennt. Schwarze dürfen weder dieselbe Toilette benutzen noch vom selben Wasserspender trinken wie die Weißen. Farbige Kinder durften nicht in dieselben Schulen gehen wie weiße.

Zehn Monate nach seinem Amtsantritt als Prediger in der Südstaaten-Stadt Montgomery umweht ihn der Hauch der Geschichte, und King greift zu: Die Afroamerikanerin Rosa Parks weigert sich, in einem Bus von einem für Weiße reservierten Sitz aufzustehen, und wird verhaftet. Die Folge ist der „Montgomery Bus Boycott“: Die Schwarzen weigern sich, mit dem Bus zu fahren. King, zu der Zeit politisch noch ein unbeschriebenes Blatt, wird zum Anführer des Boykotts gewählt. 381 Tage dauert dieser, in Montgomery besteigt kein Schwarzer mehr einen Bus. Schließlich bestätigt der Oberste Gerichtshof, dass Rassentrennung verfassungswidrig und in Bussen aufzuheben ist. Nach Montgomery folgten andere Städte, in denen Schwarze für ihre Rechte kämpften, King entwickelt sich zum charismatischen Anführer der Bürgerrechtsbewegung, er glaubt an Gerechtigkeit und an die Macht der Moral. Gewaltfreie Aktionen wie Märsche sind seine Waffen im Kampf gegen Rassismus. „Ich bin der Gewalt müde, die ich zu oft gesehen habe“, sagt er. King träumt von einer Welt, in der alle Menschen dieselben Rechte haben, unabhängig von ihrer Hautfarbe oder Religion.

In seiner Nobelpreis-Rede formuliert er es so: „Ich besitze die Kühnheit, daran zu glauben, dass alle Menschen drei Mahlzeiten täglich für ihren Körper haben können, Bildung und Kultur für ihren Geist und Würde, Gleichheit und Freiheit für ihre Seele.“ Für King sind Rassismus, Armut und Krieg untrennbar miteinander verbunden; Ungerechtigkeit ist in seinen Augen kein nationales, sondern ein internationales Problem: „Man beginnt, die Frage zu stellen: Wer besitzt das Öl? Wer besitzt das Eisenerz?“

Doch die Stimmung kippt: Im Weißen Haus wird der einst umworbene Nobelpreisträger zur unerwünschten Person erklärt. Das FBI bringt Tonbänder in Umlauf, auf denen der verheiratete Baptistenpfarrer mit seinen Geliebten zu hören ist. Und die Schwarzen werden radikaler, sie verhöhnen King und seine Gewaltfreiheit.

Am 4. April 1968 stirbt Martin Luther King in Memphis, wo er an der Seite schwarzer Müllarbeiter für besseren Lohn kämpft. Als er den Balkon seines Hotels betritt, fallen zwei Schüsse. King, in Hals und Nacken getroffen, stirbt, er ist gerade einmal 39 Jahre alt.

Er hat Spuren hinterlassen, die weit über seinen Tod hinaus wirkten: Kings Engagement inspirierte die Bürgerrechts- und Friedensbewegung der DDR und spielte so eine maßgebende Rolle bei der Wiedervereinigung beider deutschen Staaten.

Martin Luther King ist bis heute der einzige Farbige, der in den Vereinigten Staaten mit einem Nationalfeiertag geehrt wird: Jährlich feiern die Amerikaner am dritten Montag im Januar den „Martin Luther King Day“.

Martin Luther King erhielt vor 50 Jahren den Friedensnobelpreis. Vier Jahre nach der Auszeichnung wurde er auf einem Hotelbalkon erschossen. dpa



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