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Fußball-Hits damals und heute

Der Soundtrack zur WM: Fußball zum Mitsingen

„Fußball ist unser Leben“ schmetterte die Nationalelf vor 44 Jahren. Die Zeiten, in denen Spieler selbst zum Mikro griffen, sind zwar vorbei. Doch auch diesen Sommer gibt es Anwärter auf den WM-Hit: Von Will Smith über Adel Tawil bis zu den „Fantastischen Fünf“.

veröffentlicht am 11.06.2018 um 10:03 Uhr

„Auf uns“: Nach ihrem WM-Sieg 2014 wurde die deutsche Mannschaft von Andreas Bourani musikalisch begrüßt. Foto: Jens Wolf/dpa

Autor:

Jenny Tobien

Inzwischen gehören sie zur Fußball-Weltmeisterschaft wie Panini-Bilder und Maskottchen: die WM-Songs. Viele geraten direkt in Vergessenheit, manche haben das Potenzial zum Turnier-Hit und einige werden noch später am Ballermann oder auf dem Oktoberfest gegrölt. Zur letzten WM in Brasilien lieferten beispielsweise Mr. Santos, Stefan Raab sowie Pitbull und Jennifer Lopez potenzielle Hits ab. Für den Soundtrack der WM – und des gesamten Sommers 2014 – sorgte aber ein Lied, das gar nicht als Fußball-Song angedacht war: „Auf uns“ von Andreas Bourani.

Auch dieses Jahr gibt es diverse Anwärter auf den Turnier-Hit. Die offizielle FIFA-Hymne kommt von Hollywoodstar Will Smith. Gemeinsam mit US-Musiker Nicky Jam und der kosovarischen Sängerin Era Istrefi hat der Rapper die Nummer „Live It Up“ eingespielt. Hm, weder die USA noch der Kosovo sind für das Turnier qualifiziert. Ein Bezug zum Austragungsort Russland? Fehlanzeige. Und Sie haben Smith bislang nicht mit Fußball in Verbindung gebracht? All das scheint keine Rolle zu spielen. Ansonsten ist „Live It Up“ ein überproduziertes Stück mit viel „Oh-oh, oh-oh-oh-oh“, das international funktionieren soll.

Als Hit für den hiesigen WM-Sommer könnte wohl eher Jason Derulos Multi-Nationen-Hymne „Colors“ taugen. Oder auch „Zusammen“ von den Fantastischen Vier und Sänger Clueso. Das Stück beschwört die Freundschaft und kommt mit einem eingängigen Sound daher. Witzig ist das Video, in dem die vier Stuttgarter zur Rettung der Karriere gezwungenermaßen mit Clueso „Die Fantastischen Fünf“ gründen.

Die ARD hat „Zusammen“ bereits zu ihrem offiziellen Turnier-Lied gekürt, das die WM-Übertragungen begleiten wird. Das ZDF setzt dagegen auf „The Bravest“ von Sir Rosevelt. Und mit Kitsch und Pathos kommt der Song „Flutlicht“ von Adel Tawil daher. „Wenn ihr da rausgeht, wenn der Puls steigt, wenn wir bereit sind, spür’n wir das Feuer, das uns mit euch verbindet“, heißt es darin.

Was nicht verwundert: Den umstrittenen Austragungsort Russland macht in diesem Jahr kaum ein Künstler zum Thema. Eine Ausnahme ist Schlager-Urgestein Ralph Siegel (72): Der Songwriter ist sich nicht zu schade, seinen Gassenhauer „Moskau“ von Dschingis Khan wieder aufleben zu lassen – und das in gleich vier Sprachen. „Russland ist ein schönes Land, wir spielen alle an die Wand“, singt Popstar Jay Khan in der deutschen Neuauflage. Und: „Deutschland hey, Deutschland ho, Jogi go!“, lautet die Botschaft an die Nationalmannschaft.

1974 begann die Zeit, in der die deutsche Fußball-Nationalmannschaft selbst ans Mikro getreten ist. 20 Jahre später hatte es sich dann ausmusiziert für die Nationalmannschaft. Die musikalische Begleitung wurde fortan ausschließlich jenen überlassen, die sich damit auskennen – mal mehr und mal weniger. Für die WM 1998 in Frankreich sang Latino-Popsänger Ricky Martin sein „La Copa de la Vida“. 2002 in Japan und Südkorea durfte dann Anastacia („Boom“) ran.

Für Deutschlands „Sommermärchen“ 2006 hatte die FIFA eigentlich „The Time of Our Lives“ vom Klassik-Pop-Quartett Il Divo ausgesucht. Kaum jemand dürfte sich jedoch daran erinnern. Viele Menschen haben eher die ebenfalls von der FIFA in Auftrag gegebene WM-Hymne „Zeit, dass sich was dreht“ von Herbert Grönemeyer im Ohr. Das Nationalteam dagegen setzte vor jedem Spiel auf „Dieser Weg“ von Xavier Naidoo.

Der ganz große Coup gelang jedoch den Sportfreunden Stiller 2006 mit „‘54, ‚74, ‚90, 2006“, das vier Jahre später zur WM in Südafrika zu „‘54, ‚74, ‚90, 2010“ umgedichtet wurde. Es dauerte aber noch weitere vier Jahre, bis Deutschland 2014 in Brasilien dann tatsächlich Weltmeister wurde.



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