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29. Januar 1956: Toni Sailer gewinnt seine erste Olympia-Goldmedaille

Der schwarze Blitz aus Kitz

Das Talent wird ihm in die Wiege gelegt. Anton Engelbert „Toni“ Sailer bekommt kurz vor seinem zweiten Geburtstag die ersten Skier und beginnt sehr früh mit dem Skisport. Bereits sein Vater Anton war ein begeisterter Skiläufer, seine ältere Schwester Rosi und sein jüngerer Bruder Rudi werden ebenfalls Skirennläufer. Die Gesellenprüfung als Spengler und Glaser besteht er als Bester, und obwohl sein sportliches Talent schon in jungen Jahren erkennbar ist, liegt der Schwerpunkt auf der beruflichen Ausbildung. Trotzdem wird Sailer in die Mannschaft für die Olympischen Spiele in Cortina d´Ampezzo berufen. Nach diesen Spielen kennt ihn die ganze Welt, denn der damals 20-jährige Tiroler schreibt Skisportgeschichte und gewinnt als erster Sportler alle alpinen Wettbewerbe bei Olympischen Spielen. Elf Tage im Winter des Jahres 1956 genügen dem Ski-Genie, sich in die Herzen von Millionen Menschen zu wedeln – buchstäblich, in seinen schwarzen, flatternden Hosen, die heute im Zeitalter des Hightech belacht worden wären.

veröffentlicht am 25.01.2016 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:53 Uhr

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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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Am Beginn der alpinen Wettbewerbe steht der Riesenslalom. Mit sechs Sekunden Vorsprung gewinnt Toni Sailer vor Anderl Molterer und Walter Schuster. Im Slalom, übrigens im ersten Durchgang mit 80 und im zweiten Durchgang mit 92 Toren ausgeflaggt, gewinnt Sailer abermals.

Den endgültigen Triumph setzt Sailer im Abfahrtslauf von der Tofana. Bei minus 25 Grad am Start und bei einer Streckenlänge von 3460 Metern gewinnt er abermals. Und zugleich ist er Weltmeister, denn der Internationale Skiverband (FIS) wertet die alpinen Wettbewerbe plus Kombination gleichzeitig als Weltmeisterschaften. Somit gehörten neben den drei olympischen Goldmedaillen auch noch vier Weltmeisterschafts-Goldmedaillen zu Sailers Ausbeute.

Nach der triumphalen Rückkehr nach Kitzbühel erhält Sailer zehn Filmangebote und soll nach Amerika gehen. Sein Vater ist dagegen, weil dadurch der Amateurstatus in Gefahr wäre. Dennoch lässt es den sportlichen Superstar vom Film nicht los. 1957 wirkt er im Streifen „Ein Stück vom Himmel“ mit. Weil es in diesem Film nicht um den Skisport geht, ist es keine Verletzung des Amateurstatus. Sailer kann anschließend an den Ski-Weltmeisterschaften in Bad Gastein teilnehmen, dort gewinnt er Gold in der Abfahrt, im Riesenslalom, in der Kombination und Silber im Slalom.

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Sein zweiter Film, „Der schwarze Blitz“, beendet seine Skikarriere. Nach endlosen Diskussionen mit der FIS zieht Sailer 1959 selbst die Konsequenz und erklärte offiziell seinen Rücktritt vom alpinen Skirennsport, im Alter von gerade 23 Jahren.

„Der schwarze Blitz von Kitz“ zählt mit seinen drei olympischen Goldmedaillen und sieben Weltmeistertiteln zu den erfolgreichsten Skirennläufern. Mehr WM-Siege als Sailer hat keiner geholt: Nicht der Franzose Jean-Claude Killy (sechs) und auch nicht Kjetil Andre Aamodt (Norwegen), Gustav Thöni (Italien) und Ingemar Stenmark (Schweden), die es auf jeweils fünf Titel brachten.

Mit Hauptrollen in mehr als 20 Filmen, vorwiegend aus dem Genre Sport und Berge, eroberte der fesche Tiroler weltweit Frauenherzen. Streifen wie „Der Schwarze Blitz“ oder „Ginrei No Ohja“ (Der König der silbernen Berge), aber auch seine Schnulzen schlugen vor allem in Japan ein, wovon auch der Hit „Am Fujiyama blüht kein Edelweiß“ zeugt. Dass er in Berlin die Schauspielschule besuchte und in ernsthaften Theaterstücken zu sehen war, ist weitgehend in Vergessenheit geraten.

Als er am 24. August 2009 stirbt, hat die Welt noch immer seine jugendliche Erscheinung vor Augen, dabei war er inzwischen doch schon 73 Jahre alt geworden, das einst schöne, entspannte Gesicht hinfällig und aufgedunsen von der Krebsbehandlung. Ein Jahrhundertsportler-Leben ist an einem Ende, wie man sich das nie hatte vorstellen wollen.

Ski-As Toni Sailer in seinem Element.dpa



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