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15. Dezember 1961: Adolf Eichmann wird zum Tode verurteilt

Der Schreibtisch-Mörder

Über den genauen Ablauf der Entführung gibt es unterschiedliche Versionen. Der Zugriff auf Adolf Eichmann erfolgt am 11. Mai 1960 in San Fernando, einem Stadtteil von Buenos Aires. Am 23. Mai 1960 erlässt der Distriktrichter in Haifa den Haftbefehl gegen ihn.
Die Sicherungsmaßnahmen im Gefängnis sind extrem, da die israelische Regierung fürchtet, Eichmann könne Suizid begehen.

veröffentlicht am 12.12.2016 um 08:35 Uhr

Der Angeklagte Adolf Eichmann während seiner Vernehmung am ersten Prozesstag in Jerusalem. Foto: dpa
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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite

Ein Wachmann sitzt rund um die Uhr in seiner Zelle, hinter der Zellentür ein Zweiter, der durch ein Guckloch seinen Kollegen beobachtet. Ein weiterer Wachposten steht hinter der Tür zum Ausgang. Tag und Nacht brennt das Licht, zweimal täglich wird Eichmann ärztlich untersucht. Im Prozess werden Eichmann „Verbrechen gegen das jüdische Volk“, „Verbrechen gegen die Menschheit“, „Kriegsverbrechen“ und die „Mitgliedschaft in einer verbrecherischen Organisation“ angelastet.

Eichmann war für die gesamte Organisation der Deportation der Juden aus Deutschland und den besetzten europäischen Ländern zuständig. Ihm unterstand die Koordination sämtlicher Transporte, er sorgte für die Einhaltung der Fahrpläne und die Zusammenstellung und Auslastung der Eisenbahnzüge, die die Menschen in die Ghettos und Konzentrationslager transportierten. Er war direkt mitverantwortlich für die Enteignung, Deportation und Ermordung von rund sechs Millionen Juden.

Es war ein langer Weg nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches bis in die israelische Gefängniszelle. Im Frühjahr 1945 geriet er in US-Kriegsgefangenschaft, floh Monate später und tauchte in der kleinen Ortschaft Altensalzkoth in der Lüneburger Heide unter. Als Otto Heninger nahm er in der Revierförsterei Kohlenbach Arbeit als Holzfäller und Waldarbeiter an, später kaufte er etwa hundert Hühner und lebte vom Verkauf von Eiern und Geflügel. 1950 hatte er genug Ersparnisse zusammen, um über Italien entlang der sogenannten Rattenlinien nach Argentinien auszuwandern.

Der Rotkreuz-Ausweis, mit dem Eichmann 1950 unter falschem Namen nach Argentinien einreiste. Foto: wikipedia
  • Der Rotkreuz-Ausweis, mit dem Eichmann 1950 unter falschem Namen nach Argentinien einreiste. Foto: wikipedia

Im Verlauf des Verfahrens werden mehr als einhundert Zeugen aufgerufen und Tausende von Dokumenten als Beweismaterial vorgelegt. Die Zeugenaussagen der Überlebenden der Konzentrationslager rufen die Schrecken der Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden einer breiten Öffentlichkeit ins Gedächtnis. Erstmals wird die planmäßige Tötung der europäischen Juden in das öffentliche Bewusstsein gebracht. Internationale Medien berichten ausführlich über diesen Prozess und Adolf Eichmann wird rasch zum Stereotyp eines NS-Schreibtischtäters, Hannah Arendt wird später von der „Banalität des Bösen“ schreiben.

Eichmann beharrt, dass er im juristischen Sinne unschuldig ist, er habe nur die Befehle der Vorgesetzten befolgt: „Mein Wille war nicht, Menschen umzubringen. Der Massenmord ist allein die Schuld der politischen Führer“, sagt er in seinem Schlusswort. Die Richter sprechen ihn schuldig und verurteilen ihn am 15. Dezember 1961 zum Tode: „Jeder Eisenbahnzug mit tausend Menschen, den der Angeklagte nach Auschwitz oder eine andere Stätte der Vernichtung geschickt hat, bedeutet, dass der Angeklagte unmittelbar an tausend vorsätzlich überlegten Mordtaten teilgenommen hat. Seine rechtliche und moralische Verantwortung für diese Mordtaten ist um nichts geringer als die Verantwortung dessen, der die Menschen eigenhändig in die Gaskammern geworfen hat.“

In der Nacht zum 1. Juni 1962 wird er hingerichtet, sein Leichnam wird verbrannt und die Asche ins Meer gestreut, um zu verhindern, dass sein Grab zur Gedenkstätte würde.

Eichmann ist der bislang einzige Mensch, der nach einem Gerichtsverfahren der israelischen Justiz zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde.



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