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21. November 1987: Die Spieleshow „Einer wird gewinnen“ mit Kulenkampff endet

Der Quotenkönig dankt ab

Am 13. Oktober 1984 ist dem Moderator die Freude sichtlich anzusehen: Zum zweiten Mal in 31 Jahren kann er seine Samstagabend-Sendung pünktlich beenden. Feixend fordert er ARD auf: „Und jetzt überlegt Euch mal, Kinder, was Ihr die neun Minuten machen wollt“. Da die ARD auf diesen Fall überhaupt nicht vorbereitet ist, wird minutenlang das ARD-Logo ausgestrahlt.

veröffentlicht am 18.11.2017 um 12:51 Uhr

Hans-Joachim Kulenkampff (li.) spricht am 21. November.1987 in der letzten Ausgabe seiner Fernseh-Quizsendung „Einer wird gewinnen“ mit dem Kandidaten Ivan Martin. foto: dpa
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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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Die Überlänge, das war ein Merkmal von Hans-Joachim Kulenkampff, wenigsten um eine halbe Stunde verschiebt sich das nachfolfgende Programm fast immer, weil der Dampfplauderer sich keine deutn um die Sendelänge schert.

„Einer wird gewinnen“, EWG, flimmert seit Januar 1964 über die damals noch schwarz-weißen Bildschirme und mit der Sendung soll der europäische Gedanken beworben und unterstützt werdem, nicht ohne Grund wird der Titel mit Blick auf seine Abkürzung EWG gewählt, die auch für die damalige Europäische Wirtschaftsgemeinschaft steht.

Acht Kandidaten aus (meistens) acht verschiedenen europäischen Ländern treten gegeneinander an, und bei Gelichstand entscheidet das Glück, dann rollt ein ziemlich großer Würfel.

Doch EWG, das ist kein Quiz, sondern eine einzige große Bühne, auf der ein kulturell gebildeter Dampfplauderer mit Charme und Hirn und Menschenliebe sein Publikum verzaubert und mitreißt. Sein Witz, seine „Frechheit“ und die ungemeine Schlagfertigkeit gefallen, er bedient gekonnt das Bedürfnis einer Nachkriegsgesellschaft nach Zerstreuung und Vergessen. Kulenkampff ist der unbestrittene König der TV-Abendunterhaltung, drei Jahrzehnte lang ist er die unangefochtene Nummer eins. Kulenkampff ist einzigartig und unerreicht. Erereicht traumhafte Einschaltquoten, vor allem mit EWG. Wenn die Sendung „nur“ 82 Prozent hat, pflegt er zu sagen: „Wenn uns die Leute nicht mehr sehen wollen, dann hören wir eben auf.“

Kulenkampff ist Sohn eines Bremer Kaufmanns und studiert nach dem Abitur an der Schauspielschule des Deutschen Theaters Berlin. In der Wehrmacht dient er ab 1941, er amputiert sich eigenhändig mehrere erfrorene Zehen und erlebt traumatische Erfahrungen, über den Krieg will er später nicht mehr sprechen. 1950 beginnt Kulenkampff zudem als Ansager beim Hessischen Rundfunk zu arbeiten, am 29. August 1953 startet seine erste Show Wer gegen wen?, mit der „Kuli“ wegen seines Charmes und seiner Schlagfertigkeit zu einem Liebling des Fernsehpublikums wird. Er dreht Kinofilme, macht Werbung für die Pfeifen- und Tabakfirma Stanwell („Drei Dinge braucht der Mann: Feuer, Pfeife, Stanwell.“) 1961 stellt er einen Rekord auf: Die Sendung“ Kleine Stadt – ganz groß“ schließt 75 Minuten über der regulären Sendezeit. Erst Stefan Raab überholt ihn in „Schlag den Raab“ 2007 mit 103 Minuten.

Ab 1964 moderiert „Kuli“ 43 mal die Quizsendung Einer wird gewinnen, kurz EWG genannt. Fünf Jahre später ist Schluss, ungeachtet des außerordentlichen Erfolgs. „Guten Abend, Nachbarn“ und „Acht nach 8“ oder die Talkshow „Feuerabend“: Kulenkampff probiert neue Formate aus, ist aber seiner Zeit voraus, es finden sich nicht genug Zuschauer. 1979 feiert EWG ein Comeback, mit erneut großem Erfolg. Die Sendereihe findet schließlich 1987 ihr endgültiges Ende, als Kulenkampff angeblich aus Altersgründen aufhört. Ab 1985 gab es noch fünf Jahre in der ARD mit der Sendung „Nachtgedanken“ späte Einsichten, im August 1998 starb der Schauspieler und Fernsehmoderator.



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