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Flick-Affäre: Otto Graf Lambsdorff verliert seine Immunität als Bundesminister

Der Makel bleibt

Ein letztes Mal meldete er sich wenige Wochen vor seinem Tod noch einmal zu Wort und warnte die schwarz-gelbe Bundesregierung vor neuen Schulden und vor Geschenken an die Bürger: „Schuldenrausch statt Konsolidierung? So sieht es momentan aus.“ An klaren Worten hatte es der frühere FDP-Chef Otto Friedrich Wilhelm Freiherr von der Wenge Graf von Lambsdorff, wie er mit vollständigem Namen hieß, nie mangeln lassen. Vielleicht war es die Erfahrung des Krieges, die ihn die Welt nie sentimental oder verklärt sehen ließ: Mit 19 Jahren wurde er Ostern 1945 in Thüringen bei einem Tieffliegerangriff schwer verwundet. Infolge der Verwundung musste ihm das linke Bein oberhalb des Knies amputiert werden.

veröffentlicht am 02.12.2013 um 00:00 Uhr

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In der Politik machte der „Marktgraf“, wie er gern genannt wurde, schnell Karriere. 1951 trat er in die FDP ein, am 7. Oktober 1977 wurde er als Bundesminister für Wirtschaft in die von Bundeskanzler Helmut Schmidt geführte Bundesregierung berufen.

Sein Fall war tief, es muss ihn persönlich geschmerzt haben, als der Bundestag im Zuge der sogenannten Flick-Affäre am 2. Dezember 1983 auf Ersuchen der ermittelnden Bonner Staatsanwaltschaft die Immunität des amtierenden Bundeswirtschaftsministers Lambsdorff aufhob.

Als die Anklage zugelassen wurde, trat Lambsdorff am 27. Juni 1984 zurück.

Der Prozess vor dem Bonner Landgericht zog sich rund anderthalb Jahre hin. Am 16. Februar 1987 wurde Otto Graf Lambsdorff gemeinsam mit dem Flick-Manager Eberhard von Brauchitsch („Pflege der politischen Landschaft“) sowie dem vormaligen Bundeswirtschaftsminister Hans Friderichs wegen Steuerhinterziehung rechtskräftig verurteilt. Lambsdorff erhielt eine Geldstrafe in Höhe von 180 000 DM. Vom Vorwurf der Bestechung und der Bestechlichkeit sprach das Gericht die Angeklagten mangels Beweisen frei. Doch der Makel blieb.

Und die Folgen der Flick-Affäre waren gravierend, sie führte in der Bevölkerung zu einem deutlichen Vertrauensverlust gegenüber den beteiligten Parteien. Ein Bundestagsausschuss wurde ebenfalls eingesetzt, seine Arbeit zog sich über zwei Jahre, 66 Sitzungen zur Beweisaufnahme und 321 Stunden Vernehmung hin und produzierte 11 500 Seiten Sitzungsprotokolle.

Die Gunst der Stunde und das Podium des Bonner Untersuchungsausschusses nutzte ein Mann, um sich einen Namen zu machen: Otto Schily, dessen Grüne als einzige Partei nicht von der Affäre betroffen sein konnten, holte zu deutlicher Kritik an den „Altparteien“ aus. Und Lambsdorff? Er wurde 1988 als Nachfolger von Martin Bangemann FDP-Parteivorsitzender. Am 5. Dezember 2009 starb er in Bonn. Er habe über Jahrzehnte die Politik der Freidemokraten mitgeprägt, hieß es in nahezu jedem Nachruf.rnk



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