weather-image
22°
Am 18. März 1892 stiftet Baron Stanley einen Pokal an Kanadas bestes Amateurteam

Der Heilige Gral des Eishockeys

Er war Kolonialminister und Generalgouverneur von Kanada sowie der erste Präsident der Universität Liverpool, doch der Name von Frederik Arthur Stanley, Baron Stanley of Preston wäre heute nur noch Historikern ein Begriff, hätte er nicht vor 125 Jahren, am 18. März 1892, einen Pokal gestiftet. Der „Dominion Hockey Challenge-Cup“ sollte als Trophäe für das beste Amateur-Eishockeyteam Kanadas verliehen werden. Heute heißt der Pokal kurz und knapp „Stanley Cup“ und ist die begehrteste Trophäe im professionellen Eishockey, eine Art Heiliger Gral der Kufenflitzer und aus Sicht der meisten Spieler deutlich wertvoller als eine olympische Goldmedaille.

veröffentlicht am 14.03.2016 um 00:00 Uhr

270_008_7808851_Logo_Vergi.jpg

Autor:

von frank westermann
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Momentan, so hatte Baron Stanley 1882 moniert, gäbe es kein äußerliches Symbol des Sieges für den Gewinner der Meisterschaft, und er habe in Erwägung gezogen, etwas Passendes zu vergeben: „Ich bin bereit, einen Pokal zu stiften, welcher jedes Jahr an die Siegermannschaft übergeben wird.“

Der Stanley Cup wird jährlich dem Play-off-Gewinner der National Hockey League verliehen, die seit 1947 die exklusiven Rechte am Stanley Cup besitzt. Aber schon seit 1910 treten professionelle Mannschaften an, um ihn zu gewinnen und seit der Spielzeit 1926/27 wird der Gewinner des Cups ausschließlich unter den Teams der NHL ermittelt, da die Western Canada Hockey League als einzig verbliebene Konkurrenzliga den Spielbetrieb einstellte. Zweimal wurde der Stanley Cup nicht vergeben, 1919 wegen einer spanischen Grippe-Epidemie und 2005 wegen des sogenannten Lockouts, dem die komplette Spielzeit zum Opfer fiel.

Die Namen der Spieler, die nach den Ligaregularien an mindestens 41 Vorrundenspielen oder an einem Spiel der Finalserie teilgenommen haben müssen, sowie weiterer Verantwortlicher der siegreichen Mannschaft werden auf die Trophäe eingraviert. Jacques Plante gewann den Cup mit seinem Team fünfmal in Folge, sein Vorname ist jedes Mal anders geschrieben oder abgekürzt: J., Jacques, Jac, Jacq und Jaques. Und Hal Winkler wurde beim Cupsieg auf der Trophäe verewigt, obwohl er in dieser Spielzeit nicht ein Spiel für sein Team bestritt.

270_008_7846254_rue101_1403_Hockey_Club.jpg

Eine der ältesten Traditionen ist das Trinken von Champagner aus der Schale am Kopfende des Pokals. Als erste Mannschaft taten dies die Winnipeg Victorias 1896. Eine weitere Tradition ist die Übergabe des Cups an den Mannschaftskapitän der Siegermannschaft. Diese Praxis besteht seit den 1950er Jahren, da zuvor der Pokal nicht immer direkt nach dem Spiel überreicht wurde. Auch die Siegerpose mit dem Cup über dem Kopf ist ein gewohntes Ritual, welches von den Cupsiegern zelebriert wird – damit die Fans die Trophäe besser sehen können. Es ist eine durchaus fordernde Aufgabe: Der Stanley Cup wiegt rund 20 Kilogramm und ist 90 Zentimeter hoch.

Eine weitverbreitete Tradition, die allerdings mehr auf Aberglaube beruht, ist die Tatsache, dass kein Spieler den Cup berühren soll, bevor er ihn mit seinem Team gewonnen hat, da ein vorzeitiges Berühren Unglück bringt.

Außerdem hat sich rund um den Cup ein unermesslicher Anekdoten-Fundus gesammelt, denn die Siegermannschaft darf den Stanley Cup 100 Tage lang behalten, um ihn auf der Siegesparade zu präsentieren oder bei Sponsoring-Terminen zu verwenden. Und seit 1994 gibt es außerdem die Tradition, bei der jeder einzelne Spieler der Siegermannschaft den Pokal für einen Tag für private Zwecke behalten darf. Zwei Ausnahmen müssen beachtet werden: Der Cup darf nicht in Spielkasinos oder in Striplokale mitgenommen werden.

Alles andere ist erlaubt: Zwei Spieler ließen ihre Hunde aus dem Cup essen, Spieler der New York Rangers ließen ein Pferd aus ihm fressen. In Finnland wurde er mit in eine Sauna genommen. Kinder der Spieler durften daraus Popcorn essen oder Schokomilch trinken. Spieler Sylvain Lefebvre verwendete den Cup 1996 als Taufbecken für seine Tochter, Ruslan Fedotenko fuhr mit ihm Gokart, und er lag schon mehrmals auf dem Grund von Schwimmbädern, weil der Stanley Cup entgegen der Annahme des einen oder anderen Spielers doch nicht schwimmen kann.

Nachdem die Ottawa Silver Seven den Pokal 1905 gewannen, schossen sie ihn nach einer durchzechten Nacht auf den zugefrorenen Rideau Canal und gingen fröhlich nach Hause. Erst am nächsten Morgen bargen sie ihn in nüchternem Kopf aus dem Kanal.

Die Montreal Wanderers hatten die Trophäe 1907 in der Wohnung eines Fotografen vergessen. Seine Mutter nutzte den Cup daraufhin einige Monate als Blumentopf für ihre Geranien.

1924 haben die Montréal Canadiens den Stanley Cup versehentlich auf einer Schneebank am Straßenrand stehen gelassen, als sie auf dem Weg zu einer Siegesfeier eine Reifenpanne erlitten. Die Trophäe befand sich im Kofferraum des Fahrzeuges und musste ausgeräumt werden, um an den Reservereifen zu kommen. Erst als die Mannschaft den Siegerchampagner aus dem Cup trinken wollte, bemerkten sie, dass sie ihn beim Reifenwechsel vergessen hatten. Sie fanden ihn unversehrt wieder.

Und den Toronto Maple

Leafs fiel der Pokal 1962 bei ihrer Siegesparty in ein Lagerfeuer, wobei er schwer beschädigt wurde und auf Kosten des Teams repariert werden musste.

Der „Montréal Hockey Club“ war der erste Champion, der den Stanley Cup gewann.

red



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare