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Vor 100 Jahren: Komponist Erich Wolfgang Korngold (18) feiert zwei Operntriumphe

Der frühe Ruhm des Wunderkinds

Es ist der 28. März 1916: Die beiden Opern „Der Ring des Polykrates“ und „Violanta“ von Erich Wolfgang Korngold werden an der Hofoper in München uraufgeführt. Sie haben einen derartigen Erfolg, dass Korngold in den nächsten Jahren zu einem der meistgespielten Opernkomponisten Deutschlands und Österreichs wird.

veröffentlicht am 21.03.2016 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:47 Uhr

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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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Zwei Monate nach der Uraufführung feiert Korngold Geburtstag: Er wird 19. Erich Wolfgang Korngold ist das, was man umgangssprachlich ein Wunderkind nennt. Mit elf Jahren erregt er in Wien durch die Komposition des pantomimischen Balletts „Der Schneemann“ Aufsehen, mit dreizehn Jahren schreibt er Klaviersonaten. Es folgen eine Schauspiel-Ouvertüre und eine Sinfonietta. Korngold sieht sich als Vertreter der modernen Klassik. Im Jahre 1934 folgt der Jude Korngold der Einladung des Regisseurs Max Reinhardt nach Hollywood, um für dessen Film „Ein Sommernachtstraum“ die Filmmusik anhand Mendelssohn-Bartholdys Schauspielmusik zu arrangieren. Korngold setzt neue Maßstäbe in der noch jungen Geschichte der Filmmusik: Er vergrößert das Orchester von Tanzband- auf Symphonieorchester-Stärke; er greift in die Regie ein, um die Sprache der Schauspieler an den Rhythmus der Musik anzupassen, und wenn es sein muss, schreibt er Dialoge selbst. In den nächsten Jahren verbringt er die Winter in Kalifornien als Filmkomponist der Warner Brothers. Für den 1936 entstandenen Film „Ein rastloses Leben“ erhält er im Folgejahr den Oscar.

Dann erhält er den Auftrag, die Filmmusik für ein Prestige-Objekt zu schreiben: „Robin Hood, König der Vagabunden“. Das Filmstudio Warner Brothers plante Mitte der 1930er-Jahre aus seinem Image, fast nur gesellschaftskritische und zugleich kostengünstige Gangsterfilme oder Melodramen zu drehen, herauszukommen.

Doch die Produzenten sind nervös: Die geplanten Kosten fallen mit 1,5 Millionen US-Dollar außergewöhnlich hoch aus, die Autoren kommen zunächst mit dem Drehbuch nur langsam voran; bei Beginn der Dreharbeiten ist es noch nicht vollständig. Ursprünglich soll der Film als Starvehikel für James Cagney als Robin Hood dienen, dem damals größten Star von Warner Brothers. Es kommt zum Streit zwischen Cagney und Warner Brothers, der Star steigt aus. Die Rolle geht an einen aufsteigenden Schauspieler aus Tasmanien: Errol Flynn. Sein Co-Star wird Olivia de Havilland, ein Traumpaar ist geboren.

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Die Musik zum Film steuert Korngold bei, im ein Jahr zuvor gedrehten Spielfilm „Der Prinz und der Bettelknabe“ spielten Errol Flynn und Claude Rains zusammen und Korngold war auch dort schon für die Musik verantwortlich. Korngolds Filmmusik gilt heute als eine der besten aller Zeiten, sie hat die Zeit überstanden und wirkt noch heute frisch, klar und heiter. Korngold darf seinen zweiten Oscar entgegennehmen. Die Musik zu „Robin Hood, König der Vagabunden“ erreicht später den elften Platz in der Liste der 25 besten Filmmusiken aus 100 Jahren, welche vom American Film Institute zusammengestellt wurde.

Ach ja, eine Fußnote noch: Der Kunstschütze Howard Hill spaltete tatsächlich (ohne Trickaufnahme) als Double für Errol Flynn den Pfeil mit einem Schuss.

Korngolds Kontakte zu Warner Brothers ermöglichten es ihm, seine Familie und seine Eltern in die USA zu holen und vor den Nazis zu retten. 1946 beendete er weitgehend die Arbeit an Filmmusiken und wandte sich wieder der klassischen Orchestermusik zu.

Doch der Versuch, nach 1946 zur absoluten Musik zurückzufinden, bleibt weitgehend ohne Erfolg. Sein Spätwerk wird von der zeitgenössischen Rezeption in den USA und Europa mit starker Kritik und vielfach mit Nichtbeachtung begleitet. 1949 und 1954 unternimmt Korngold zwei Europareisen.

In seiner österreichischen Heimat muss er allerdings erleben, dass er nicht mehr erwünscht ist. Korngolds Musik gerät in der Folge zunehmend in Vergessenheit. Nach einer Neuauflage seiner Werke in den USA ab 1972 erlebten Korngolds Kompositionen international eine Renaissance.

Er stirbt am 29. November 1957 nach einer Herzattacke und wird in Los Angeles beerdigt. Die schlichte Grabplatte ziert das Notenzitat „Glück, das mir verblieb“ aus seiner berühmten Oper „Die tote Stadt“.

Seit 1995 wird der Erich-Wolfgang-Korngold-Preis verliehen, für ein „künstlerisches Lebenswerk“. Preisträger sind unter anderem Martin Böttcher André Previn, Ennio Morricone, Ravi Shankar und Mikis Theodorakis.



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