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Die Sache mit den guten und den schlechten Nachrichten

Der coolste Job der Welt

Hinterm Bierglas verschwimmt’s, da kannste machen, was Du willst. Nichts zu trinken hilft auch nichts. Dieses schwummerante Licht, diese leicht gebogenen Bilder, und alles so, als ob man durch einen sanften milchigen Filter schauen würde, das gehört einfach dazu, wenn man sich mal den Spaß macht, nicht ins, sondern durchs Glas zu schauen.

veröffentlicht am 23.02.2019 um 09:32 Uhr

Illustration: cn
Thomas Thimm

Autor

Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

Irgendwie zur Kunst wird es sogar, wenn Zigarettenqualm durchs Bild zieht. So wie an diesem Abend, als die Gläser gut gefüllt auf unserem Tresen stehen, die Kippen in den Ritzen der Aschenbecher dampfen, der Qualm über den Tresen wabert und die Jukebox ihre Lieder spielt. „Hör’ ma’“, nuschelt Uwe in das hinein, was wohl mal ein ordentlicher Bart werden soll, „Du hast aber auch ’nen Scheißjob, wa’?“ Nun, mein lieber Uwe, lass mich kurz überlegen … – Du spinnst Dir da wohl irgendeinen Blödsinn zusammen, und: Es stimmt schlicht und einfach nicht. „Was soll der Quatsch, wie kommst Du denn darauf?“, frage ich erstaunt zurück und überlege zugleich, warum mein zotteliger Kumpel heute so übel drauf ist. Ich meine, wir sind nun nicht gerade bei der Sprechprobe am Deutschen Theater, aber ein bisschen könnte er sich ja schon zusammenreißen mit seiner Ausdrucksweise. Und dass der immer so undeutlich sprechen muss, tz …

„Na ja,“ sagt Uwe, „is’ doch so, entweder ihr habt schlechte Nachrichten, also meistens sind’s ja schlechte, gute Nachrichten komm’n ja wohl echt selten vor. Oder ihr tretet irgend jemandem ordentlich auf die Füße. Dat is’ doch auch hart, oder?“

Da hat man einen echt langen Redaktionstag hinter sich, und dann so etwas: Nicht mal abschalten können beim Feierabendbierchen, nein, da trifft man auf Uwe, und der muss einem auch noch so kommen. „Ja, leider sind es sehr häufig schlechte Nachrichten, aber Du darfst eines nicht vergessen: Wir machen die Nachrichten nicht, wir verbreiten sie nur. Wir transportieren Nachrichten von A, also ihrer Quelle, nach B, zu unseren Lesern. Und die Nachrichten sind nun mal so, wie sie sind.“

Die Wirtin stellt zwei neue Gläser Bier auf den Tresen. „Was ist das?“, frage ich. „Frag nich’ so blöd“, antwortet Uwe, „dat is’ Bier. Hab’ ich bestellt. Trink!“

„Okay … Prost.“

„Prost.“

„Ja, aber ihr sucht die Nachrichten doch aus dem großen Sammelsurium aus. Da könnt ihr auch ma’ gute raussuchen …“, legt der zottelige Uwe nach. „Gegenfrage: Liest Du uns?“ „Ja, klar.“ „Und warum?“ „Na, weil’s mich interessiert und ich’s wiss’n will.“ „Siehste“, sage ich, „dann kann unsere Auswahl ja wohl doch gar nicht so schlecht sein.“

„Ey, aber wer sacht mir denne, dass die Nachrichten, die ihr nicht druckt, nicht besser gewesen wär’n als die, die ihr rausgesucht habt?“ Er lässt einfach nicht locker. Da hilft nur noch Loriot: „Kennst Du die Geschichte vom Kosakenzipfel? Da streiten sich zwei Freunde darüber, ob die bereits aufgegessene Hälfte der gemeinsamen Nachspeise größer war als die übrig gebliebene Hälfte … Das ist doch alles hypothetisch …“

„Hypo …was?“

„Ach, egal. Vertraue doch bitte einfach darauf, dass Menschen ihren Job sehr gut beherrschen und wissen, was sie tun. Ich vertraue doch auch darauf, dass Du in deinem Job gut bist.“

„Haste recht. Aber eine Frage hab’ ich noch: Kommt doch bestimmt och ma’ vor, dass Du nich’ nur Beifall kriegst. Dat gefällt doch och nich’ immer jedem, was Du da schreibst, oder?“ „Ja, natürlich kommt das auch vor, wir bekommen nicht nur Blumen und Dankesschreiben, das kannst Du mir glauben. Aber das gehört zu unserem Job eben dazu, und Kritik halten wir dann auch ganz gut aus. Wir sind ja schon groß.“

„Und ganz schön cool … irgendwie“, fällt mir Uwe ins Wort. Unser Zeitungsjob ist cool, da hat Uwe recht. Cool ist sogar noch untertrieben. Es ist der tollste Job der Welt. Für mich jedenfalls. Um Uwes erste Frage zu beantworten.

„Machste noch ma’ zwei Bier“, nicke ich der Wirtin zu.



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