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Den Zeitdruck im Visier

Weiterhin Abitur nach zwölf Jahren – oder wird zurückgerudert?

veröffentlicht am 05.02.2014 um 00:00 Uhr

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Autor:

kirsten elschner

Bleibt es beim Abitur nach zwölf Jahren oder rudert man wieder zum 13-jährigen Modell zurück? Diese Diskussion ist im Sommer 2013 neu entfacht. Während die Landesregierung eine Expertenrunde einberufen hat, haben sich auf Einladung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Schaumburg Lehrer, Schulleiter und Eltern in der „Alten Polizei“ getroffen, um kritisch über das Thema zu diskutieren.

Zunächst berichtete Andreas Stein vom niedersächsischen Kultusministerium über die Arbeit der Expertenrunde. Ende März soll der Abschlussbericht vorliegen, dann mische sich die Politik in die Diskussion ein. „Ich rechne mit einer Entscheidung bis zum Sommer“, sagte Stein. Es gehe darum zu prüfen, welche Form die beste ist, um die Schüler zu entlasten und zugleich die Qualität der Ausbildung zu sichern.

Die Experten befassten sich mit Fragen, wie „Welche Konsequenzen hätte eine Rückkehr zu G9“, „Was müsste passieren, damit G8 unter anderen Rahmenbedingungen funktioniert?“ und „Sind Mischformen wie das ,Abi im eigenen Takt‘ ein denkbares Modell?“ Diskutiert werde unter anderem die Reduzierung der Prüfungsfächer von fünf auf vier. So viel könne Stein verraten: Die Tendenz gehe dahin, bei fünf Fächern zu bleiben. Diese Variante sei den Naturwissenschaften und den musischen Fächern bislang zugute gekommen. Außerdem sei sich die Runde schnell einig gewesen, die Zahl von 50 Klausuren in der Oberstufe um sechs oder sieben zu reduzieren, ohne dabei an Qualität einzubüßen.

Knifflig sei die Frage der Wochenstunden. Der Wunsch, die Stundenzahl zu senken, um die Schüler zu entlasten, beiße sich teilweise mit den festen Vorgaben der KMK (Kultusministerkonferenz). Klar sei jedenfalls, dass eine Verringerung der Stundenzahl bei G9 einfacher umzusetzen wäre, dann wäre auch wieder Zeit für freiwillige Angebote wie AGs. Schwierig dagegen sei die Frage, wann der richtige Zeitpunkt für eine Umstellung auf G9 wäre. Realistisch sei es, im Jahrgang 7 einzusteigen, die sauberste Lösung allerdings im Jahrgang 5. Alles darüber hinaus sei nicht machbar, weil die Schüler sich bereits auf das Turbo-Abi eingestellt hätten. Ein Argument, dass nicht alle Anwesenden teilten. Ebenfalls zu bedenken: Bei einer Rückkehr würde es im nächsten Jahrzehnt ein Jahr komplett ohne Abiturienten geben. Auch die Kosten behalten die Experten im Auge. Bedenke man den Mehraufwand der Lehrkräfte, wäre die Beibehaltung von G8 unter anderen Rahmenbedingungen kostenneutral. Der Rückgang zu G9 würde ebenso ohne großen Mehraufwand auskommen. Mischformen, die parallel das Abi nach zwölf sowie nach 13 Jahren ermöglichten, seien am teuersten, weil einmalig rund 400 bis 700 neue Lehrer eingestellt werden müssten.

Werner Fink aus Hannover stellte anschließend die Sicht der GEW dar und ging dabei vor allem auf die Lernkultur ein, die unabhängig von G8 oder G9 stark verbesserungswürdig sei. Das System müsse offener werden. Fink kritisierte unter anderem die vom KMK festgesetzte Stundenzahl und den starren Stundenplan, der es gar nicht ermögliche, fächerübergreifend und inhaltlich tief gehender zu unterrichten.

In der Diskussion erwähnten Eltern, Lehrer und Schulleiter wiederholt den Zeitdruck, unter dem viele Schüler – auch Lehrer – stünden, weshalb kaum noch Zeit für die Entwicklung der Persönlichkeit bleibe.

Lehrer, Schulleiter und Eltern setzten sich in der „Alten Polizei“ in Stadthagen zusammen, um über die Zukunft des Abiturs zu diskutieren.kil



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