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Die Samstagskolumne

Den Kopf in den Sternen: Lernen von Star Wars und Star Trek

Sie haben den neuen „Star Wars“ gesehen? Nein? Und was ist mit „Picard“, der neuen Star-Trek-Reihe – was sagen Sie dazu? Nie von gehört? Puh, dann wird’s jetzt schwierig. Ich bin mir einfach nicht sicher, ob wir eine gemeinsame Basis finden. Thematisch und vor allem: philosophisch. Aber ich kann’s ja mal versuchen.

veröffentlicht am 01.02.2020 um 10:00 Uhr

Frank Henke

Autor

Reporter zur Autorenseite

Dieser Tage hat Donald Trump ein Logo seiner „Space Force“, Amerikas neue (hui, wie das klingt) Weltraumarmee, vorgestellt. Der Witz an der Sache: Es plagiiert ziemlich frech das Emblem der Sternenflotte, in deren Auftrag das Raumschiff Enterprise durch unendliche Film- und Fernsehweiten düst. Das Traurige an der Sache: In der realen Welt könnte ein Präsident der Vereinigten Staaten den Idealen, welche im Star-Trek-Universum hochgehalten und nur zur Not mit Phaserfeuer verteidigt werden, kaum ferner sein.

Beamen wir zurück in die 90er Jahre: In meinen Oberstufen- und Unijahren waren wir an Zeit reich und an Fernsehprogrammen arm. Eins war deshalb nachmittags gesetzt: „Star Trek – The Next Generation“. Spannende Geschichten, klar. Aber vor allem auch: der Blick in eine wunderbare Zukunft. Nicht nur die Welt, nein ganze Welten, vereint in der Föderation der Planeten, einer durchaus passabel funktionierenden Weltraum-Uno. Getragen von Vernunft und geteilten edlen Werten. Nationen- und Rassenkonflikte sind längst vergessen, Frauen (naja, bestimmt demnächst) gleichberechtigt. Der alte Zoff mit den Klingonen – den „bösen Russen“ der ersten Enterprise-Generation – ist beigelegt. Als kluge, kultivierte Führungskraft weist Captain Jean-Luc Picard, gleichsam ein Weltraum-Kofi-Annan, elegant den Weg durch All und diplomatische Wirrungen. Geschossen wird nur, wenn es wirklich nicht mehr anders geht.

Noch heute lege ich regelmäßig meinen persönlichen Star-Trek-Index an die echte Welt an. Wie nah sind wir dem Ziel: der großen aufgeklärten, friedlichen Weltgemeinschaft? Seit einigen Jahren – so scheint’s mir – entfernen wir uns von ihr in Warp-Geschwindigkeit. Das liegt natürlich nicht nur an Donald Trump. Kein Wunder, dass die Star-Trek-Weisen Picard gerade in einer Fernsehserie zurückkehren lassen. Er wird dringend gebraucht.

Wechseln wir das Universum: Star Wars, Krieg der Sterne. Mindestens genauso toll, klar. Allein schon die Laserschwertkämpfe. Und ärgerlicherweise fällt mir auch dazu wieder Trump-Unsinn ein: Präsidententochter Ivanka postete im Herbst mal ein Familienfoto mit einem Kind im Kostüm eines Star-Wars-Stormtroopers (das deutsche Wort „Sturmtruppler“ klingt mir immer ein bisschen zu sehr nach Opas Wehrmacht). Dieses Bild twitterte die – äh, welche Funktion hat sie im Weißen Haus doch gleich – reiche Tochter mit dem Satz: „Die Macht ist stark in meiner Familie.“ Das ist ein für Trump-Verhältnisse filigranes Wortspiel – aber leider auch ein eher abstoßendes. Denn „Macht“ steht für uns Star-Wars-Fans natürlich für eine Art spirituelle Urkraft, deren Gleichgewicht oder Ungleichgewicht über Wohl und Wehe des Universums entscheidet. Im Weißen Haus hingegen geht es beim Stichwort Macht eher um Wahlkampfspenden und laxerere Umweltauflagen für die Jungs aus dem Golfclub.

Ich bin mir nicht sicher, ob die Trump-Kinder – jetzt komme ich von dieser Familie nicht mehr los – die Star-Wars-Filme wirklich anschauen durften. Schließlich lehren auch die uns so einiges. Im zweiten Teil etwa bekommen wir vorgeführt, wie finstere Gestalten eine parlamentarische Demokratie raffiniert untergraben und vollständig vernichten. Jetzt, da ich’s recht bedenke: Vielleicht wäre es mir doch lieber, wenn Familie Trump diesen Film nicht kennen würde.



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