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Deutscher Online-Marktplatz für Selbstgemachtes wird in US-Konkurrenten Etsy integriert

DaWanda macht dicht

Die Nachricht erschütterte eine ganze Community: Der Online-Shop für Handgemachtes DaWanda schließt überraschend nach fast zwölf Jahren. DaWanda hatte das Thema DIY (Abkürzung für das englische Wort Do-it-yourself) sozusagen für den deutschen Markt erschlossen. Modedesigner, Goldschmiede, Vintagehändler und Hobbykünstler: Tausende Kreative müssen sich nun einen neuen Onlinemarktplatz für ihre Waren suchen. Für viele hängt daran ihre Existenz, denn Selbstgemachtes ist längst zu einem ernsthaften Wirtschaftszweig geworden.

veröffentlicht am 11.07.2018 um 13:04 Uhr

Der Online-Marktplatz für Selbstgemachtes DaWanda schließt zum 30. August seine Pforten. Foto: Sieben Sachen/DaWanda/dpa
Tomas Krause

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Tomas Krause Onlineredakteur zur Autorenseite
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Auf der Website von Dawanda ist die Gesamtanzahl der Hersteller seit der Gründung angegeben: 360.000. Viele von ihnen sind selbstständig und verdienen mit den Verkäufen über Dawanda ihren Lebensunterhalt.

70.000 aktive Verkäufer sollen zuletzt über die Plattform ihre Produkte angeboten haben, heißt es von DaWanda. Der Online-Marktplatz ist führend in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Doch damit soll am 30. August Schluss sein. Der Markenname verschwindet, die Seite geht offline, das Unternehmen wird abgewickelt.

Der Schritt kommt deshalb überraschend, weil DaWanda keineswegs schlecht da steht. Seine Geschäftszahlen hatte der Shop im vergangenen Jahr verbessert, nachdem im Sommer 60 Mitarbeiter gehen mussten. Das Unternehmen wirtschaftete im Herbst 2017 erstmals profitabel. Einen Gewinn im gesamten Jahr machte es zwar nicht, dafür stieg der Umsatz 2017 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aber um 21,4 Prozent auf 16,4 Millionen Euro. Der Vorsteuerverlust (Ebitda) reduzierte sich im gleichen Zeitraum von vier Millionen auf eine Million Euro.

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Warum also zieht Claudia Helming, Gründerin und Geschäftsführerin von DaWanda, derart abrupt die Reißleine? Das Unternehmen habe handgemachte Produkte als neue Kategorie im Onlinehandel etabliert, erklärte Helming in einer Mitteilung. „Dennoch mussten wir uns in den letzten Jahren zunehmend eingestehen, dass es uns alleine nicht gelingen wird, das Wachstum weiter voran zu treiben.“

Den Käufern und Verkäufern auf der Plattform empfahl das Unternehmen einen Wechsel zum US-Shopping-Portal Etsy. Tatsächlich unterscheidet sich das amerikanische Pendant kaum vom deutschen Anbieter. Beide Unternehmen teilten mit, sie hätten eine entsprechende Vereinbarung getroffen. Ein Umzugs-Tool werde den Dawanda-Verkäufern Anfang nächster Woche zur Verfügung stehen. Mit Schließung der Plattform würden Besucher der Dawanda-Webseite zu Etsy umgeleitet.

Schlechter sieht es für die 150 Beschäftigen in Berlin aus, auch wenn es für die Mitarbeiter nach Unternehmensangaben ein Abfindungspaket geben soll. Ein Großteil von ihnen sei bereits freigestellt.

Auch wenn der Wechsel zu Etsy einfach erscheint, viele deutsche Händler machen sich Sorgen, dass ihre Produkte auf der US-Plattform untergehen. Etsy zählt 1,9 Millionen aktive Verkäufer mit etwa 50 Millionen Produkten, die aus der ganzen Welt kommen.

Vielleicht profitieren die kleineren und größeren Konkurrenten von dieser Situation. Amazon Handmade rollt seit 2016 den deutschen Markt für selbstgemachte Produkte auf. Eine weitere Option ist Palundu, der Marktplatz für handgemachte Unikate. Offiziell am 1. Januar 2017 an den Start gegangen, hebt sich die Online-Community für Handarbeitskünstler nach eigenen Angaben durch ein einzigartiges Prüfverfahren ab.

Letztlich bleibt auch die Möglichkeit einen eigenen Webshop im Internet anzubieten. Doch das kostet Geld, Zeit und Nerven.

Information

DaWanda und Etsy in Zahlen

DaWanda

  • Gegründet 2006
  • Sitz in Berlin
  • Mitarbeiter 150
  • Aktive Verkäufer 70 000
  • Aktive Käufer 2 Millionen
  • Umsatz 16,4 Millionen Euro
  • Produkte 4 Millionen
  • Operativ (EBITDA) 1 Millionen Euro Verlust
  • Verfügbar in sieben Sprachen

Etsy

  • Gegründet 2005
  • Sitz in New York
  • Mitarbeiter 744
  • Aktive Verkäufer 1,9 Millionen
  • Aktive Käufer 33,4 Millionen
  • Produkte 50 Millionen
  • Umsatz 441 Millionen Dollar
  • Operativ (EBITDA) 80 Millionen Dollar Gewinn
  • Verfügbar in elf Sprachen


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