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10°
Diese Hitze!

Das Wichtigste an diesem Sommer: „Mach mal Pause!“

Das lau-laue Lüftchen raschelt leise in den Blättern der Bäume über uns, ganz leicht zwar nur, aber jeder noch so kleine Luftzug ist ja schließlich so herzlich willkommen wie die Erbtante zum Kindergeburtstag. Das Hemd ist abgestreift, im hohen Bogen geflogen und liegt nun irgendwo, wirklich völlig egal wo; die Hose gekrempelt, sehen wir zu, dass wir nur irgendwie, bitte, Luft oder wenigstens einen Hauch von einem Lüftchen an die Haut bekommen.

veröffentlicht am 04.08.2018 um 08:30 Uhr

Illustration: cn
Thomas Thimm

Autor

Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

Die Füße baumeln plump in der Weser, das Wasser schmeichelt den geschundenen Mauken, umspielt und erfrischt die Zehen, die Waden und – natürlich – vor allem das Gemüt. Dicke und dichte Bäume geben ihr wirklich Bestes, spannen einen grünen Schirm auf, um diese Affenhitze wenigstens ein kleines bisschen abzuhalten.

Die dicken Humpen mit dem kalten Getränk schön in den Schatten gestellt, zur Hälfte in den Sand gedrückt, damit das beste Getränk der Welt sich bloß nicht zu sehr erwärmt, schließlich macht es ja nur kalt wirklich Sinn – wer mag schon eine warme Brühe trinken, wenn‘s auch kalte gibt. Die spritzigen Bläschen sprudeln nach oben, mitten durchs kühle Nass, die Minerale tanzen auf dem Wasser, springen in die Höhe – puuh, diese Hitze macht uns doch alle fertig. Es sei denn, man macht mal ’ne Pause, erfrischt sich, erholt sich, schnauft mal durch. Verrückte Welt, nicht wahr?

Seien wir mal ehrlich, im Grunde gibt es doch nur dieses eine Thema, diese Hitze, der fehlende Regen, das Arbeiten in solchen Sommern, das Schwitzen, das nach Luft japsen, dieses matte Gefühl, wenn man mal wieder nicht gut geschlafen hat, weil es zu warm war im Schlafzimmer unterm Dachjuchhe.

Ach, war das schön, als die Sommer und die Ferien noch verregnet waren, die Kinder ständig quengelten, wann sie denn mal wieder raus dürften. Als Rasenflächen so quatschenass waren, dass sich die Rasenmäher in einer Art Vorruhestand befanden. Als Bäche und Flüsse Straßen und Felder überschwemmten und man voller Neid morgens im Wetterbericht der Zeitung den roten Wärmestreifen am Mittelmeer bewunderte und sich gleichzeitig fragte, was zum Teufel man falsch gemacht habe, dass man im Norden so arg mit kühlem Regen bestraft werde. Als Grills im Garten unbenutzt verrosteten, man im August mit Jacke zur Arbeit ging und beim Autofahren auch im Sommer die Scheibenwischer quietschten. Das waren noch super Sommer …

Hey, super ist, dass dieser Sommer Rudi Carrells unsägliches Geträller endlich in die ewigen Jagdgründe schickt; super ist, dass die Freibäder voll und die Eisregale leer sind; super ist, dass wir endlich einen Sommer haben, der diesen Namen auch wirklich verdient. Und man bedenke, bei kluger Planung wird es auch noch günstiger: Urlaub an der Nordsee statt in Nordafrika, Pfalz statt Portugal, St. Peter Ording statt Side, Müritz statt Malle. Hey Leute, lasst uns froh sein, dass es ist wie es ist, lasst es uns genießen. Wir dürfen einfach nur nicht vergessen, auch mal eine Pause einzulegen, den Feierabend ein bisschen vorzuziehen, einmal mehr in den erfrischenden Badeteich zu springen, die Seele baumeln zu lassen. Dann ist’s super so mit dem Sommer …

Epilog: Das Telefon klingelt. „Hey, wat machste denn so? Is‘ alles jut bei dir?“ – „Hi, Uwe, hier ist alles prima, Arbeit ist getan, Zeitung ist completo, jetzt sitze ich an der Weser und genieße den Sommer.“ – „Aber ohne Bierchen, will ich wohl hoffen. Dat käm‘ bei der Hitze nich‘ so jut.“ – „Nee, Mineralwasser, prickelt sogar.“ – „Dat is‘ jut. Mach‘ ich auch beim Rumlungern. Hör‘ ma‘, seh‘n uns später, will den Summer of 69 genießen.“ Mein Reden, Uwe, mein Reden.



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