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Das Epitaph der „jungfräulichen“ Sara le Bachellé / Ihre Grabplatte hängt an der Heiliggeiststraße

Das Rätsel um den Stein wurde erst 2005 gelöst

Hameln. Tagein, tagaus gehen Menschen, die in Hameln auf der Heiliggeiststraße unterwegs sind, an einer Grabplatte vorbei, die an der Stirnwand der ehemaligen Garnisonkirche hängt. Was es damit auf sich hat, was darauf geschrieben steht, das wissen die wenigsten. Kein Wunder: Die Schrift ist in lateinischer Sprache – und das Rätsel um die Herkunft einer bis dato unbekannten „Jungfrau“ wurde erst im Jahr 2005 von der Historikerin Elke Herrenbrück, die Mitglied der evangelisch–reformierten Kirchengemeinde Hameln ist, gelöst.

veröffentlicht am 15.02.2013 um 06:00 Uhr

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Das Epitaph (lat. epitaphium, zum Grab gehörig, von griechisch taphos, das Grab) von Sara le Bachellé befand sich einst (zusammen mit vier weiteren Grabsteinen) im Innern des Gebäudes. Es wurde erst in den 1920er Jahren entdeckt. Auf dem barocken Grabstein steht:

„HIC

CUBANT OSSA NOBILIS VIRGINIS

SARAE LE BACHELLE

DAVIDIS LE BACHELLE

REGISM. BRIT.

ETELECT:

QUONDAM

DUCIS COMORTIS ET

SUANNAE MEDUVIGIS DE GAUVAIN

FILAE

PIE DEFUNCTAE XI FEBR: MDCCXL

AETATIS

XXXIV ANNORUM“

Im Zeitalter des Barock (1600-1720) nahmen die Inschriften auf Grabsteinen explosionsartig zu und es war typisch, dass auf dem Epitaph der herausragende und fromme Lebenswandel des Verstorbenen gewürdigt wurde. So lautet die Übersetzung der Grabplatte:

„Hier liegen die

Gebeine der hoch angesehenen

jungfräulichen

Sara Le Bachellé,

Davids Le Bachellé Ehemaliger Offizier,

Kommandeur

und Susanne

Meduvigis de Gauvain Tochter, fromm

verstorben am

9. Februar 1740 im Alter von 34 Jahren.“

Auf einer kleinen Tafel links neben dem Epitaph wird erklärt, dass die Familie von Sara Le Bachellé zu den französischen Protestanten (Hugenotten) gehörte. Die Hugenotten waren wegen ihres Glaubens aus Frankreich geflohen. Ihr Vater David war seinerzeit Oberst und Kommandeur im Diensten des Kurfürsten von Hannover und Königs von Großbritannien. „Man muss annehmen, dass Sara Le Bachellé als Gouvernante, also als Erzieherin, gearbeitet hat.“ Vermutlich wählte Sara Le Bachellé die lateinische Sprache, um damit auf ihre höhere Bildung hinzuweisen. Ihre Familie sei zwar Mitglied der Hugenotten-Gemeinde, allerdings nicht der Hugenotten-Gemeinschaft gewesen, hat Elke Herrenbrück herausgefunden.

Die Hamelner Hugenottengemeinde bestand von 1690 bis 1854 und besaß eine eigene Kirche, ein eigenes Pfarrhaus am „Mühlentor“ (heute Bäckerstraße 30) und einen eigenen Friedhof.



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