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Da fährt man einmal mit der Bahn – und dann geht das mal so richtig daneben

Das ist nicht lustig

Na, wat macht denn deine Schreibblockade“, fragt Uwe mit einem breiten Grinsen über den halb vollen, hier und dort verklebten und ziemlich verrauchten Tresen. Und während der Zapfer Bier in die Gläser fließen lässt und die Musik aus der Jukebox dröhnt, kommt Uwe dann doch auch noch zum Wesentlichen: „Machste ma‘ zwei für uns“, raunt er über den Tresen hinweg, noch immer auf eine Antwort von mir wartend.

veröffentlicht am 16.06.2018 um 09:17 Uhr

Illustration: cn
Thomas Thimm

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Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

„Nun, sagen wir mal so, geschrieben habe ich ja, wie empfohlen über die Schreibblockade. Hat übrigens auch wunderbar funktioniert … nur mit dem anschließenden Urlaub hat es nicht geklappt.“ „Ha, warum soll‘s dir auch besser geh‘n als mir“, springt Uwe die Schadenfreude regelrecht aus dem Gesicht. Sehr witzig … „Die Erlebnisse, die ich stattdessen hatte, waren aber gar nicht lustig, ich konnte jedenfalls nicht darüber lachen“, erzähle ich. „Och, du Armer, wat war denn so Fürchterliches?“ „Bin mit der Bahn gefahren.“ „Ach du großer Mist“, prustet Uwe, und dabei kommt sogar fast ein großer Schluck Bier wieder aus ihm heraus – aber eben nur fast – „okay, dann hast du wirklich ins Klo gegriffen.“ „Ja, das kannst du laut sagen …“ „Man oh man, da warste dann aber bestimmt immer voll pünktlich, nä?“ Ich lache dann später, da kann ich nämlich eine Geschichte erzählen, eine fast nicht enden wollende … „Ich hatte ein Seminar in Düsseldorf, dachte mir, mit dem Auto Montagfrüh ins Ruhrgebiet, das lässt du besser mal, fährst mit der Bahn, dann weißt du, wann du in Düsseldorf bist.“ Uwe starrt mich mit großen Augen an und schüttelt den Kopf: „Seit wann bist du so ein Träumer?“ „Ja richtig, jetzt weiß ich das auch, pass mal auf: Der Zug in Hameln fährt schon mal glatte zehn Minuten zu spät ab, der Anschlusszug in Paderborn ist natürlich weg, wollte auch nicht warten, das Ende vom Lied war: 40 Minuten zu spät in Düsseldorf. Super!“ Mein, oder sagen wir besser, unser Uwe fällt mir ins Wort und witzelt: „Ey, da bin ich ja zu Fuß schneller …“ Um dann noch mal weiter auszuholen: „Hör‘ ma‘, dat hab‘ ich doch erst neulich bei euch inner Zeitung gelesen, da hat der Chef von dem ganzen Bahnhaufen, der hat doch versprochen, dass die Züge bald nich‘ mehr als Bimmelbahn unterwegens sein sollen und nu‘ pünktlich werden. Dat hat ja wohl schon ma‘ nich‘ geklappt.“ Nein, hat es nicht, aber wenn man denkt, es kann nicht mehr schlimmer werden, dann hat man das Wort ‚eigentlich‘ vergessen. Denn auf der Rückfahrt kam es dann viel schlimmer – „wat denn, noch so ‘ne Katastrophentour?“ „Pass auf: Ich komme in den Hauptbahnhof Düsseldorf, die Anzeigetafel rotiert schon fast, so viele Hinweise sind dort zu lesen. Ein Zug 120 Minuten zu spät, ein anderer 80 Minuten, noch andere 70, 50, 45, 25 Minuten. Da fuhr kein Zug so, wie er sollte. Ich zur Info, die suchen mir fünf Alternativen raus, von denen drei komplett ausfallen, zwei eine gute Stunde Verspätung haben. Nach sechs Stunden war ich dann endlich mal in Hameln.“ „Ach weeste,“ sagt Uwe, „wenn zu spät, dann richtig, da macht die Bahn keene halben Sachen. Ob nu‘ vier, fünf oder sechs Stunden, das macht den Kohl denn doch och nich‘ mehr fett.“ Und dann fällt Uwe noch etwas ganz Wichtiges ein: „Sach‘ ma‘, hattest du denn wenigstens wat Anständiges zu Trinken dabei, dat du jut versorgt warst?“ … Schon verstanden, da war ja noch was: Über den halb vollen, hier und dort verklebten, verrauchten Tresen nicken wir dem Zapfer zu: „Machste noch ma‘ zwei …“



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