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1989 steht Václav Havel wieder vor Gericht – und ist am Jahresende Präsident

Das Gesicht der Machtlosen

Als Václav Havel am 21. Februar 1989 vor Gericht steht, wird gegen das Gesicht des gewaltlosen Widerstands gegen die Kommunisten verhandelt. Was niemand ahnen kann: Am Ende des Jahres wird Havel zum Präsidenten der Republik gewählt. 1989 ist das Jahr des Umbruchs; das Jahr, in dem die „Macht der Machtlosen“, so der Titel eines Essays von Havel aus dem Jahr 1978, siegen wird. Auf dem Wenzelsplatz erschallen am Jahresende die Rufe „Havel auf die Burg“. Das Regime fällt.

veröffentlicht am 17.02.2014 um 00:00 Uhr

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Autor:

Janina Brand und Frank westermann
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Seit dem Prager Frühling 1968 kämpft Václav Havel für eine menschlichere Tschechoslowakei. Aus dem Untergrund fordert er, dass politische Häftlinge freigelassen werden. Er schreibt Texte, Bücher und sitzt mit am Tisch, als die Charta 77 gegründet wird. Immer wieder wird Havel verhaftet, und ihm wird der Prozess gemacht. Fast fünf Jahre muss er hinter Gittern leben.

Havel ist ein Intellektueller, seine Waffen sind Worte und die Sprache. 1936 geboren, schreibt er im Alter von fünfzehn Jahren bereits erste Texte. Da er an mehreren Hochschulen zurückgewiesen wird, beginnt Havel Kritiken zu schreiben. Während seines Militärdienstes in den Jahren 1957 bis 1959 werden seine Werke erstmals literarisch, später arbeitet er als Bühnentechniker und Regieassistent im Theater und auf städtischen Bühnen.

Havel ist Vorsitzender des „Klubs unabhängiger Schriftsteller während des Prager Frühlings 1968, er fordert mehr Demokratie.

Nach der Besetzung seines Landes durch die Truppen des Warschauer Paktes widersetzt er sich der Gleichschaltungspolitik und erhält daraufhin Aufführungs- und Publikationsverbot im gesamten Ostblock, während seine internationale Bekanntheit wächst und seine Stücke auf vielen deutschsprachigen Bühnen aufgeführt werden. Das Thema der Suche eines Intellektuellen nach Wahrheit und die Macht der Sprache sind in seinen Stücken immer wiederkehrende Elemente.

Zwischen 1974 und 1985 wird Václav Havel mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet, 1977 ist er einer der Mitbegründer der Menschen- und Bürgerrechtsbewegung „Charta 77“ und wird deshalb zwei Monate später mit der Begründung subversiver und staatsfeindlicher Aktivitäten zu drei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt, ein Jahr später wegen fortgesetzter Bürgerrechtsaktivität unter Hausarrest gestellt. Eine erneute Verurteilung zu viereinhalb Jahren Haft erfolgt im Jahr 1979, zu der er trotz eines Ausreiseangebots der Regierung antritt.

Proteste im westlichen Ausland und sein angeschlagener Gesundheitszustand haben 1983 eine vorzeitige Entlassung aus der Haft zur Folge. „Wahrheit und Liebe müssen über Lüge und Hass siegen“, heißt einer von Havels berühmten Sätzen.

Nach einer dritten Verhaftung im Januar 1989 und seiner Entlassung im Mai wird Václav Havel am 29. Dezember einstimmig zum Staatspräsidenten der CSSR, der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik, gewählt.

Er ist die moralische Stimme, die auf Fehler und Schwächen in der neuen Republik hinweist. Mehr und mehr wird der Idealist Havel aber vom grauen Politikalltag eingeholt. Nach der Teilung des Landes wird Havel 1993 der erste tschechische Staatspräsident. Bis zuletzt muss er sich der Kritik stellen, das Auseinanderbrechen der Tschechoslowakei nicht entschieden genug verhindert zu haben.

1998 wird er zum Präsidenten wiedergewählt, 2002 der Grundstein für die Eingliederung Tschechiens in die Europäische Union gelegt; Havel ist überzeugter Europäer. 2003 legt er sein Amt zum Ende seiner zweiten Amtszeit nieder.

Am 18. Dezember 2011 stirbt Václav Havel nach schwerer Krankheit in Prag, wird daraufhin im Staatsakt geehrt und auf dem Friedhof in Vinohrady, einem Stadtteil Prags beigesetzt.



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