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Casablanca – erst ein Flop, 70 Jahre später der „beste Liebesfilm aller Zeiten“

Berühmte Blicke ohne Drehbuch

Hätte das Treffen der „Anti-Hitler-Koalition“ von US-Präsident Theodore Roosevelt und dem britischen Premierminister Winston Churchill in Algier stattgefunden, würde heute kein Mensch noch über „Casablanca“ sprechen. Denn bei seiner Premiere 1942 floppte die Liebesgeschichte, der Film ging unter wie ein Stein im Wasser. Erst nach der berühmten Konferenz in Casablanca kam er noch einmal in die Kinos, wurde ein Hit und ist heute ein Klassiker; 2002 wurde der Film vom American Film Institute zum besten Liebesfilm aller Zeiten erklärt.

veröffentlicht am 27.08.2012 um 00:00 Uhr

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Jeder kennt den Film, doch was keiner ahnt: Der Streifen steckt voller Kuriositäten. So war Ronald Reagan für die Hauptrolle im Gespräch, wurde aber abgelehnt. Der Spielfilm wurde mitten im Zweiten Weltkrieg und bis auf eine einzige Szene innerhalb der Filmstudios gedreht, da durch den Krieg keine andere Möglichkeit blieb. Selbst das Flugzeug in der letzten Szene bestand vollständig aus Pappe; mithilfe von Kunstnebel wirkt es wie ein echtes. Auch die Gage der Schauspieler wurde so gering wie möglich gehalten. Als Beispiel: Die Rolle der Ilsa sollte zuerst von der Schauspielerin Michèle Morgan gespielt werden, wurde dann aber mit Ingrid Bergman besetzt. Morgan verlangte eine Gage von rund 55 000 Dollar. Bergman kannte jedoch noch nicht einmal die Handlung des Films, als sie zusagte. So erging es aber nicht nur ihr. Der Klavierspieler Sam, der von Schauspieler Dooley Wilson gespielt wurde, konnte kein Klavier spielen und musste dies erst lernen. Und Humphrey Bogart, der den zynischen Barbesitzer Rick spielt, musste in mehreren Szenen auf Kisten stehen und auf Kissen sitzen, da er fünf Zentimeter kleiner als seine Schauspielkollegin Ingrid Bergman war.

Probleme gab es auch mit dem Drehbuch: Es wurde erst lange Zeit nach dem Drehstart fertiggestellt, weswegen die Schauspieler während des Filmdrehs ständig improvisieren mussten. Viele Szenen oder berühmte Zitate wie „Ich schau Dir in die Augen, Kleines“ entwickelten sich komplett aus Improvisation. Für das Schlussbild, in dem Bogart und Capitain Renault auf dem Flugplatz in den Nebel gehen, wurden beide Schauspieler Monate später zum Nachdrehen gebeten. Und so konnte Bogart den berühmtesten Schlusssatz der Filmgeschichte aufsagen: „Louis, ich glaube, das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.“

In Deutschland erschien zuerst nur die verkürzte Version des Films und wurde zuerst als reiner Liebesfilm präsentiert, bis die ARD im Jahr 1975 das erste Mal die ungekürzte Version ausstrahlte.

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„Casablanca“ entstand zu einer Zeit, als Amerika erkannte, dass die ungeahnten technischen Möglichkeiten auf sozialer und ethischer Ebene ihre Grenzen erreicht hatten. Bogarts zynischer Held war ein Kind seiner Zeit: ohne Illusionen, ein abgebrühter Hund, der seine Lektionen gelernt hatte und seinen Kopf für niemanden mehr hinhalten würde. Es kommt anders, er besinnt sich noch ein letztes Mal auf seine eigenen früheren Werte. So geht es auch anderen: dem wunderbar korrupten Capitain, der Hure mit dem goldenen Herzen, den Kneipenbesuchern, die kurzerhand mit der Marseillaise die Deutschen niedersingen. Und so ist Casablanca 70 Jahre nach seinem Start auch ein Klassiker, der uns zeigt, was wir alles verloren haben. rnk/akp

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