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Woher die Brückenstraße in Lügde ihren Namen hat

Bei Hochwasser nicht zu benutzen

Während Lügde im ausgehenden 12. Jahrhundert von einem Burgort zur Stadt wurde, entstand um 1203 das Brückentor, eines der drei Stadttore. Die Grafen von Pyrmont, damals noch Stadtherren, siedelten dort die Ritter von Kanne an, die mit ihrer kleinen militärischen Mannschaft aus Rittern und Knappen das Tor im Angriffsfall zu verteidigen hatten. Der von Kannesche Burgsitz bestand aus einem Burghaus und drei Scheunen. 1653 verkaufte Friedrich Mordian von Kanne den Burgsitz an den Obristleutnant Johann von Luttersheim. Seine Nachkommen verkauften den Burgsitz um 1680 an den damaligen Lügder Landesherren, den Fürstbischof von Paderborn, der das repräsentative Burghaus vermietete. 1747 finden wir Major Peter Ludwig von Messey und 1755 die Familie von Hiddensen aus Warburg als Mieter erwähnt. Das Land des ehemaligen von Kanneschen Burgsitzes verpachtete der Fürstbischof an verschiedene Lügder Bürger. Zu dem Besitz gehörte auch die Hamborner Mühle und eine eigene Schäferei, die der Fürstbischof ebenfalls verpachtete. Das repräsentative Burghaus und die damals allerdings schon sehr verfallenen Scheunen fielen 1797 dem Stadtbrand zum Opfer, so dass heute fast nichts mehr von dem Burgsitz erhalten ist, außer einem Stück Bruchsteinmauer beim Festungsturm.

veröffentlicht am 05.08.2013 um 06:00 Uhr

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Autor:

Manfred Willeke

Am Brückentor führte ursprünglich wohl eine Fuhrt durch das Flüsschen Emmer, die im Hochwasserfall nicht benutzbar war. Deswegen ist vermutlich im 15. Jahrhundert die erste Brücke, vermutlich aus Holz, erbaut worden. Diese Brücke finden wir erstmals 1453 als „Neygen Brüge“ erwähnt. 1551 wird das Stadttor in einer Urkunde, nach dieser neuen Brücke „Neuwenbruggdohr“ genannt. Die Toranlage bestand damals aus einem Festungsturm mit innerem Tor und einem großen Torhaus direkt an der Emmerbrücke. Im großen Torhaus, das 1886 abgerissen worden ist, wohnten in der Regel ärmere Familien der Stadt, die das Tor morgens zu öffnen beziehungsweise abends zu schließen hatten.

Durch eine Sielanlage wurde am Brückentor früher das Oberflächenwasser aus der Stadt geleitet. 1598/99 nannte sich einer der Bewohner danach „Heinrich auf dem Siele“. Wahrscheinlich hatte er die Aufsicht über die Sielanlage, was nicht immer ganz einfach gewesen sein dürfte. Wenn die Emmer bei starken Regenfällen Hochwasser führte, drückte dieses durch die Sielanlage in die Stadt, so dass dieses geschlossen werden musste. Dadurch blieb das Oberflächenwasser in der Stadt stehen und überflutete die Straßen. Im Mittelalter, als nur die Mittlere Straße – ursprünglich Steinweg genannt – gepflastert war, waren die anderen Straßen schlammig und unpassierbar.

Die Brückenstraße hat noch einen kleinen Abzweig an der Stadtmauer, der im Volksmund noch heute „Die Vosskuhle“ genannt wird. Diese Bezeichnung kommt schon 1747 vor und bezieht sich auf Vosskuhlen vor der Stadtmauer. Das waren Teiche, in denen das Flachs verrotten musste, bevor es verarbeitet werden konnte.

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Neben der Mittleren Straße ist die Brückenstraße eine Durchgangsstraße und dadurch in der Vergangenheit ein belebte Geschäftsstraße. Im Haus Nr. 1 befand sich seit 1802 ein Kaufmannsladen, zu dem im 19. Jahrhundert eine Gaststätte hinzukam. Hier trafen sich die Ratsherren im sog. Honratiorenstübchen, das später zu einer urigen Kneipe umgebaut worden ist und den Namen „Osterbergklause“ erhielt. Ende des vergangenen Jahres ist die Kneipe geschlossen worden ist. Im Haus Nr. 4 führte Ignatz Kruse bereits 1787 ein Gasthaus. Sein Sohn Heinrich, mit Josephiene Gräfin von Ginestous verheiratet, bzw. sein Enkel Anton Prante führten ein Kaufmannsgeschäft im Haus. Im Haus Nr. 10 betrieb der Kaufmann Abraham Gußdorf im 19. Jahrhundert einen Pferdehandel und später die Familie Wiesemeier eine Bäckerei. Das Eckhaus Hintere Straße 28, 1899 auf dem Gelände des ehemaligen Burgsitzes von Kanne erbaut, war viele Jahre hindurch eine bekannte Gaststätte namens „Blaue Schänke“, später eine Stellmacherei.

Heute befindet sich in der Brückenstraße noch das Schuhfachgeschäft Thiele. Nachdem in den vergangenen Jahrzehnten die Siedlung Sonnenhof entstanden ist, ist die Brückenstraße eine wichtige Verkehrsanbindung der dortigen Einwohner an die Stadt. Im Zuge der Stadtsanierung ist die Brückenstraße im Frühjahr dieses Jahres neu gepflastert worden.

Weitere historische Fotos unter zeitreise.dewezet.de

Die Brückenstraße – links eine Abbildung um 1900 – war in der Vergangenheit eine Durchgangsstraße und dadurch auch eine belebte Geschäftsstraße.



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