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Vereine und Unternehmen aus der Region teilweise unzureichend auf Sepa-Umstellung vorbereitet

Banken warnen vor Zahlungsausfall

Hameln. Der Countdown läuft: Auf der Seite der Deutschen Bundesbank zeigt eine Digitaluhr an, wieviele Tage, Stunden, Minuten und Sekunden noch bleiben, bis es ernst wird. Dabei geht es nur im übertragenen Sinn um eine Bombe, die am 1. Februar 2014 platzen wird: die Umstellung zur SEPA-Lastschrift.

veröffentlicht am 13.11.2013 um 06:00 Uhr

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Konkret beutet das für Banken, Unternehmen und Vereine: Wer bisher per Lastschrift etwas von Mitgliedern und Kunden eingezogen hat, und die Umstellung auf das neue Verfahren verschwitzt, wird schnell auf dem Trockenen sitzen. Denn ohne neue Sepa-Nummer wird kein Geld mehr eingezogen und übermittelt. „Gerade bei größeren Vereinen, die auch sozialversicherungspflichtig Beschäftigte haben, kann es kritisch werden“, sagt Manfred Griese, Schatzmeister beim Kreissportbund Hameln-Pyrmont.

Bisher, so scheint es, ist die Umstellung noch nicht in den Köpfen der Menschen angekommen. Das zeigt auch der Umsetzungsstand der Deutschen Bundesbank im Internet. Während die Kreditinstitute selber bereits alles vorbereitet haben, sieht es sowohl bei den Vereinen, aber auch bei der öffentlichen Verwaltung düster aus.

Die Stadt Hameln ist laut Sprecher Thomas Wahmes „gut gerüstet“. Man gehe davon aus, dass die Umstellung zum Stichtag 01.02.2014 keine Probleme bereiten werde. Der Aufwand im Hamelner Rathaus sei immens. Allein für die städtischen Friedhöfe bestünden 2200 Einzugsvorgänge. Vieles muss laut Wahmes manuell nachbearbeitet werden, zudem würden Testläufe gefahren. „Die Tücken stecken im Detail.“

Schlusslicht bei der Sepa-Umstellung sind allerdings die kleinen mittelständischen Unternehmen. Zuletzt hatte die Bundesbank Alarm geschlagen: Deutschland hinkt demnach bei der Umstellung auf das neue Zahlungssystem im Euro-Raum hinterher. Rund drei Monate vor dem Start sei die Nutzung des Systems mit den internationalen Kontonummern IBAN noch besorgniserregend gering, berichtet Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele. Unternehmen drohten Liquiditätsengpässe und Kosten durch falsch abgewickelte Zahlungen.

„Da hat die Bundesbank absolut recht“, bestätigt auch Heinz-Walter Wiedbrauck vom Arbeitgeberverband der Unternehmen im Weserbergland die Einschätzung. Viele Unternehmer schätzten die Situation nicht so ernst ein, wie sie ist. „Ab 1. Februar könnte dann bei manchen Unternehmen das Konto leer sein“, warnt er. Zwar habe man mehrere Informationsveranstaltungen organisiert, doch bei manchen Firmeninhabern stehe der Sepa-Ordner noch immer „oben im Regal“.

Doch auch bei den hiesigen Vereinen scheint noch Nachbesserungsbedarf zu bestehen. „Viele scheinen noch zu denken: ,Der Herrgott wird es richten‘“, so Griese. Dass die Vereine sich darum selber kümmern müssen, sei häufig nicht bekannt. Viele gingen davon aus, dass die Bank selber die Umstellung vornehme.

Sven von Wedemeyer, der die Umstellung für den Deutschen Schützenverein Hameln organisiert, spricht von einem „Verwaltungsaufwand ohne Ende“. Derzeit sei er damit beschäftigt, alle 53 Mitglieder zu informieren. Denn auch das gehört zur Umstellung. Auch die Schützengilde Hameln ist noch mitten in der Vorbereitung, die Turn- und Sportgemeinschaft Emmerthal schon gut gerüstet.

Doch warum dieser ganze Aufwand? Es geht um die Sicherheit. Künftig muss jeder, der Geld einziehen will, bei der Bundesbank eine sogenannte Gläubiger-ID beantragen. Damit soll der Missbrauch beim Einzug von Geld eingedämmt werden. Bisher wurden gut eine Million IDs vergeben – bundesweit gibt es allerdings 3,6 Millionen Unternehmen und knapp 600 000 Vereine. Und viele Bundesbürger sind mit dem System noch nicht vertraut: Zwar kennt die große Mehrheit (84 Prozent) das neue System, doch nur 41 Prozent sehen sich in der Lage, zu erklären, was Sepa ist.

Die größte Hürde für Vereine, so Griese, sei die Umstellung aufs EDV-System. Vereine, die bisher mit Kassenbüchern gearbeitet hätten, müssen, wenn sie aufs Sepa-Verfahren umsteigen wollen, künftig digital arbeiten. Wer „bei null“ anfangen muss, brauche rund vier Wochen für die Umstellung, schätzt Griese.

Auch Anke Kalkau vom Skating Club Hameln hat sich durch die Umstellung gekämpft. „Das war gar nicht so einfach“, sagt sie. Denn auch sie musste zunächst aufs PC-System umsteigen. 70 Familien mit mehreren Mitgliedern hat der Club, die zunächst mit Mitgliedsnummern versehen werden mussten. „Die Bank hilft hier aber gut weiter“, sagt Kalkau. Auf der Homepage der Stadtsparkasse Hameln etwa gibt es einen Sepa-Check: Dort wird erklärt, wie man vorgehen muss, um für den Stichtag gerüstet zu sein. Auch die Volksbank informiert in einem Video über Sepa. Von heute an bleiben noch 79 Tage, dann wird es ernst.

Am 22. August berichtete die Dewezet über die Sepa-Umstellung.Wal



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