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Zwei Sühnemale im Wald an der Holtenser Landstraße erinnern an eine furchtbare Tragödie

Aus Bruderliebe wird Hass

Blätter fallen fast lautlos zu Boden, die Vögel des Waldes zwitschern fröhlich. Ab und zu sind Autos zu hören, die auf der Holtenser Landstraße ihrem Ziel entgegenfahren. Es ist ein friedlicher Ort. Wären da nicht zwei alte Steinkreuze, die an eine Tragödie, die sich an dieser Stelle vor langer Zeit ereignet haben soll, erinnern. Hier, ungefähr 1000 Meter vom Bismarckturm und zwei Kilometer vom Schweineberg entfernt, soll sich einst ein Verbrechen ereignet haben. Ein Brudermord.

veröffentlicht am 29.11.2013 um 06:00 Uhr

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Autor:

von corinna zipplies

Der Sage waren zwei Brüder in dasselbe Mädchen verliebt. Sie sollen sich gegenseitig getötet haben – aus Eifersucht. Aus Bruderliebe, heißt es, sei der Liebe zu einer Frau wegen mörderischer Hass geworden. Hier im Wald unter hohen Buchen sollen die Leichen der beiden Männer vergraben worden sein. Die Geschichte vom Brudermord, an der sicher etwas Wahres dran ist, hat der verstorbene Autor Georg Kollmann in seinem CW-Niemeyer-Buch „Sagen und Erzählungen aus Hameln“ festgehalten: Ein jeder habe geglaubt, ohne das Mädchen nicht leben zu können, heißt es. „Eines Tages, es war im Sommer bei der Erntearbeit, entbrannte zwischen den Brüdern der Streit. Zunächst war es nur ein heftiger Wortwechsel, aus dem ein Handgemenge entstand, und schließlich gingen sie mit ihren Sensen aufeinander los. Dabei haben sie sich dann so schwer verletzt, dass beide ihren Verwundungen erlegen sind.“

Sicher wird damals darüber gestritten worden sein, ob man die beiden Brüder auf dem Friedhof bei der Kirche begraben darf. Schließlich hatten sie ja Unrechtes getan und waren zu Mördern geworden. Vermutlich heißt es deshalb, die Brüder seien „am Orte ihres Streites beerdigt“ worden.

Das Mädchen aber, dessentwegen die Brüder sich gegenseitig umgebracht hatten, soll den jungen Männern seine Liebe bewahrt haben und „alle Jahre hindurch die Gedenksteine mit Kränzen aus Waldblumen geschmückt haben“. Auch später, so heißt es, „geschah das Bekränzen der Steine von unbekannter Hand“.

2 Bilder
In der Mitte des kleinen Steines erkennt man ein lineares Kreuz.

Die Steine stehen immer noch an ihrem Platz. Der eine Stein ist ziemlich genau einen Meter hoch, der andere mit 73 Zentimetern etwas kleiner. Die Steine haben keine Innenschrift oder eine Jahreszahl. Allerdings erkennt man am oberen Rand der Denkmale ein herausgearbeitetes Kreuz. Wahrscheinlich waren die Steine früher kreuzförmig und die Arme wurden nach einer gewissen Zeit abgeschlagen oder gingen kaputt. Bei dem kleinen Stein ist unter dem Kreuzansatz noch ein winziges lineares Kreuz eingearbeitet. Um an die Brüdersteine zu gelangen, muss man zwar etwas tiefer in den Wald hineingehen, aber der Weg zum angeblichen Schauplatz der Tragödie ist ausgeschildert. Man kann sich auch leicht an etwas anderem orientieren – und zwar an der Schutzhütte. Wenn man sie sieht, ist man auf jeden Fall auf dem richtigen Weg. Sie liegt genau gegenüber den Brüdersteinen.

Es ist durchaus anzunehmen, dass an diesem Ort wirklich etwas Schreckliches passiert ist. Kreuzsteine waren nämlich damals teuer und wurden nicht ohne Grund gesetzt. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hat man solche Steinkreuze an Tatorten als Gedenkstein errichtet. Solche Denkmäler werden Sühnemal, Kreuzstein oder auch Mordwange genannt.

Ein Holzschild weist auf die Brüdersteine hin – darauf steht: „Sühne-zeichen für zwei Brüder, die sich im Streit um ein Mädchen erschlugen.“ cz



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