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„Aufwand nimmt stark zu“

Für Banken wird Anlageberatung immer zeitintensiver

veröffentlicht am 12.10.2013 um 00:00 Uhr

Landkreis. Alltag in deutschen Banken: Seit dem Jahr 2010 sind in Deutschland schrittweise immer strengere gesetzliche Regelungen für die Bankberatung beim Wertpapierkauf eingeführt worden. Jeder Beratungsschritt muss minutiös protokolliert werden. Die Banken müssen für jede Aktie, die sie empfehlen, ein detailliertes Produktinformationsblatt vorhalten.

Wenn ein Kunde mit der Bankberatung unzufrieden ist, kann er sich bei der Bankenaufsicht beschweren, und der Berater bekommt so etwas wie Punkte in Flensburg, die ihn schlimmstenfalls den „Berater-Führerschein“ kosten können. Wie bewerten Vertreter von Banken in Schaumburg diesen Trend?

Der Verwaltungsaufwand habe „sehr stark zugenommen“, bestätigt Ulrich Stache, bei der Sparkasse Schaumburg Leiter Private Banking für Rinteln und Bad Nenndorf. Gerade das Anfertigen der Gesprächsprotokolle sei „sehr zeitaufwendig“.

Auch sei der Aktienverkauf aus Gründen der Risikominimierung bei den Sparkassen reglementiert: „Wir dürfen nur noch Aktien verkaufen, die bei der NordLB als verkaufsfähig registriert sind.“ Da müssten die Berater stets aktuell auf dem Laufenden sein. Entscheide sich der Kunde für ein dort nicht registriertes Produkt, „dann geht das, läuft aber außerhalb der Beratung“.

Stache beobachtet „in der großen Fläche der Filialen einen Trend zu einfachen und risikoärmeren Produkten“. Berater wie auch viele Kunden scheuten Risiken. „Aktien waren als Anlagenform in Deutschland eh’ schon unterrepräsentiert, diese EU-Vorgaben verstärken das noch“, meint Stache.

Einen „unvergleichlich höheren Aufwand“ sieht Gaby Hansel, Leiterin Wertpapiergeschäft der Volksbank in Stadthagen. Die Expertin betont, wie wichtig der Bank die alle Themen umfassende und auf die persönlichen Ziele und Wünsche des Kunden zugeschnittene ganzheitliche Beratung sei.

Natürlich seien im Rahmen der sich daraus ergebenden Wertpapierberatungen umfangreiche Dokumentationen erforderlich. Das stoße nicht immer auf Begeisterung und für die Dokumentierung eines Kundengesprächs benötige der Berater in der Regel so viel Zeit wie für das Gespräch selber. Aber für beide Partner, Kunde und Bank, sei die Dokumentation von Vorteil.

Einen Trend zur risikoscheueren Beratung sieht Hansel allerdings nicht. Die Kunden seien den im Rahmen ihrer persönlichen Vermögensstruktur unterbreiteten Alternativangeboten gegenüber durchaus offen und entschieden auf dieser Basis über ihre Geldanlagen.

Genauso sieht das Petra Kallwaß, Leiterin Vertriebsmanagement der Volksbank in Schaumburg. Das Geschäft der Anlagenberatung müsse, was den Ertrag der Bank angehe, als Mischkalkulation gesehen werden. „Die Vorgaben sind mehr geworden“, weiß Kallwaß, „aber eine umfängliche ganzheitliche Beratung haben wir schon immer durchgeführt.“

Zwar gebe es in jüngerer Zeit einen Trend zu risikoärmeren Produkten, doch das sei nicht Folge einer dahin gehenden Beratung, „sondern das ist Kundenwunsch“.

Gelassen sieht Uwe Schreiber, Leiter der Stadthäger Commerzbank-Filiale, den Aufwand: „Wenn wir länger mit einem Kunden reden, halte ich es für richtig, das Ergebnis festzuhalten. Das ist keine verlorene Zeit.“ Zudem sieht er sein Institut in einer guten Lage: „Es ist für uns ein Wettbewerbsvorteil, dass wir als Großbank regulatorische Vorgaben effizient umsetzen können“, betont der Leiter der Commerzbank-Filiale.ssr



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