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In südlichen Ländern eine beliebte Vorspeise, eignen sich aber auch als Hauptgericht

Artischocken: Stachliges Köpfchen, leckeres „Herz“

HAMELN. Mit ihren schuppenartig angeordneten Hüllblättern erinnert sie auf den ersten Blick an einen großen Tannenzapfen, der allerdings nicht braun, sondern grün oder violett ist. Frische Exemplare sehen fest und knackig aus, und es macht Spaß, ihnen über ihr leicht stachliges Köpfchen zu streichen. Artischocken sind nicht nur lecker, sondern auch sehr gesund.

veröffentlicht am 02.05.2017 um 18:26 Uhr

Am Stand von Ralf Schreeck sind Artischocken aus Frankreich erhältlich, wie sie André Schreeck präsentiert. Foto: sto
Stolte Christiane

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Christiane Stolte Reporterin

Artischocken nämlich sind verwandt mit Disteln. In den südlichen Ländern kommen sie so häufig auf den Tisch wie bei uns die Kartoffeln. Sie sind dort eine beliebte Vorspeise, eignen sich aber auch hervorragend als Hauptgericht. Obwohl sie voller Vitamine und Mineralstoffe stecken und außerdem lecker schmecken, finden sie auf dem hiesigen Wochenmarkt nur wenig Beachtung. Weil sie „einfach kein Verkaufsschlager“ sind, werden sie meist nur an wenigen Obst- und Gemüseständen angeboten. Beispielsweise am Stand von Ralf Schreeck, wo Artischocken aus Frankreich erhältlich sind.

„Der Renner sind Artischocken hier auf dem Wochenmarkt leider nicht“, bedauert André Schreeck. Es gebe aber Kunden, die sich regelmäßig mit dem gesunden Gemüse eindecken. Beispielsweise Christa Kritidis. „Artischocken sind eine Delikatesse“, schwärmt die Kennerin. Viele Leute scheuen sich aber vor der Zubereitung und greifen lieber auf die eingelegte Variante zurück. Das sei schade, denn so schwer sei es nicht, die Artischocke zu kochen, um dann mit Genuss die essbaren Teile zu genießen. Wie das geht, ist dem Rezept unten zu entnehmen.

Artischocken gehören zur Familie der Korbblütler und sind somit ein Gemüse. Ein italienisches Sprichwort allerdings sagt: „Die Artischocke ist weder eine Frucht noch ein Gemüse. Sie ist eine Blume – und was für eine.“ Sie enthält nämlich Vitamin C, E, B und das Provitamin A und reichlich Kalium, Calcium, Magnesium, viel Eisen, und etwas Kupfer und Mangan. Der herb-milde bis leicht bittere Geschmack wird durch den Bitterstoff Cyarin verursacht, der sich positiv auf die Leber- und Gallentätigkeit und überhaupt auf die Verdauung auswirkt. Schon die alten Ägypter, Römer und Griechen sollen den Saft der Artischocke, die auch als Heilpflanze gilt, getrunken haben. Die „Essdistel“ hat ihre Heimat im vorderen Orient. Sie war schon um 500 vor Christus in Ägypten und später in Rom als Spezialität bekannt. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts waren ihre Blüten als Speise vorwiegend dem französischen Adel vorbehalten. Wer etwas auf sich hielt, aß reichlich Artischocken, galten sie doch als Zeichen von Reichtum und gehobener Lebensart.

Die Artischocke ist sehr gesund. Sie enthält nämlich Vitamin C, E, B und das Provitamin A. Foto: Pixabay
  • Die Artischocke ist sehr gesund. Sie enthält nämlich Vitamin C, E, B und das Provitamin A. Foto: Pixabay

Vieles spricht also dafür, die Artischocke auch in hiesiger Region aus ihrem „Stiefkind-Dasein“ zu befreien. Als Einstieg eignet sich am besten die Zubereitung einer Vorspeise.

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Artischocke als Vorspeise

Und so geht es: Zuerst sollten Handschuhe angezogen werden, da der in Artischocken enthaltene Farbstoff Cyarin auf die Haut abfärbt. Dann die oberen Spitzen des Kopfes mit einer Haushaltsschere abschneiden. Und nun den Stiel abdrehen. Das geht einfacher, wenn er über einer Tischkante abgebrochen und ein wenig um seine Achse gedreht wird. Beim Abdrehen wird das sogenannte, ungenießbare „Heu“ mit herausgezogen. Wenn das nicht klappt, wird der Stiel kurz hinter dem Blütenansatz abgeschnitten und das Heu später entfernt. Nun das Gemüse in stehendem Wasser mit einem guten Schuss Essig mit Handbewegungen spülen, wie sie zum Reinigen von Gläsern üblich sind. Anschließend kurz im Wasser liegen lassen und dann unter laufendem Wasser kräftig abbrausen. Nun in einen Topf mit kochendem (kann ein Edelstahltopf, sollte aber kein Alutopf sein, da sich das Gemüse sonst dunkel verfärbt) geben, reichlich Salz hinein und etwas Zitronensaft oder pro Artischocke eine halbe Zitrone ins Wasser geben, um eine Braunfärbung zu verhindern. Das Gemüse sollte gut mit Wasser bedeckt sein und im geschlossenen Topf gekocht werden. Nach 30 bis 45 Minuten (hängt von der Kopfgröße ab) ist die Artischocke gar. Garprobe: ein Blatt herausziehen, geht das nicht, die Garzeit etwas verlängern. Die Artischocke nun aus dem Topf nehmen, dekorativ auf einem Teller anrichten und ran ans Werk. Jeder Esser bekommt seine eigene Artischocke serviert, von der er dann mit den Fingern die Blätter von außen nach innen abzupft. Wichtig: Aber nur der untere, fleischige Teil des Blattes kann gegessen werden, der Rest ist Abfall. Kenner ziehen das Fruchtfleisch mit den Zähnen heraus und saugen es aus. Vorher in eine Dippsoße nach eigenem Gusto getaucht, ist der Genuss noch größer. Sind die Blätter abgegessen, ist der Weg zu dem leckeren Boden, dem Herzen, nicht mehr weit. Nun muss nur noch das „Heu“ entfernt werden. Das geht einfach, wenn es mit einem Teelöffel leicht nach innen gedrückt und dann herausgehoben wird. Ist es entfernt, kommt das „Herz“ zum Vorschein. Es wird stilecht gegessen mit Messer und Gabel.



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