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Ansteckend - Humor in Zeiten von Corona

Wenn immer alle nur meckern, dann können wir sowas wie Corona eben nicht mehr machen.“ Der aktuelle Lieblingswitz von Carolin Kebekus ist auch meiner. Wie, Sie können da gar nicht drüber lachen? Dann sicherlich über etwas anderes. Das Worüber ist nicht so entscheidend – Hauptsache, es wird gelacht. Bitte gerne aus vollem Halse.

veröffentlicht am 18.07.2020 um 09:00 Uhr

Kerstin Hasewinkel

Autor

Redaktionsleiterin zur Autorenseite

Mal abgesehen davon, dass Menschen mit Lachfalten mir auf Anhieb sympathisch sind, soll es ja einen direkten Einfluss auf die Gesundheit haben, wenn man irgendwas saukomisch findet und dann seinen Gefühlen freien Lauf lässt. So weiß „Wunderweib“ im www: Wer zwei Minuten am Stück lacht, tut seinem Körper in etwa so gut, als wenn er 20 Minuten joggen würde. Da lach ich mich doch kaputt über die, die sich mit verkniffenem Gesicht und hängender Zunge bei uns den Berg hochquälen. Wer lacht, verbrennt Kalorien.

Witz ist dabei nicht immer komisch, wenn man mal einen Blick auf die unterschiedlichen Erzähltypen wirft:

  • Der Feingeist: Mir eigentlich der liebste, versteht er es doch auf hintergründige Art, mich zum Schmunzeln zu bringen. Ich weiß allerdings nicht, ob die Rechnung mit den Kalorien in diesem Fall, bei dem einem das Lachen auch mal im Halse stecken bleiben kann, auch aufgeht.
  • Der zum Lachen in den Keller geht: Mir recht – Hauptsache, er lacht dort auch wirklich.
  • Der Schenkelklopfer: Sollte längst ausgestorben sein – meist hat er doch nur Blondinenwitze und sexistische Dreizeiler aus dem Schmierblatt drauf. Klopft aber wenigstens meist nur auf seine eigenen Schenkel, dürfte also als harmlos gelten.
  • Der mit den alten Hüten: Man lacht aus Höflichkeit. Merkt meist nicht, dass er dieselben ollen Kalauer in derselben Runde zum hundertsten Mal reißt. Oder macht es trotzdem.
  • Der Alleinunterhalter: Lacht selbst am lautesten. Leider hat jeder so jemanden in der Familie – er kann gemeinsames Schweigen nicht ertragen und füllt entstehende Gesprächspausen ohne Rücksicht auf Verluste mit Witzchen.
  • Der Unvollendete: Er würde gerne – weiß aber ziemlich schnell nicht mehr, wie der Witz eigentlich ging.

Nicht jeder beherrscht eben die Kunst der Komik wie Loriot, Heinz Erhardt, Otto oder Didi Hallervorden – die, auch wenn alle ganz unterschiedlich unterwegs waren und sind, doch eines gemeinsam haben: Lachen als Echo. Manche gehen dafür ja zum eigens erfundenen Lach-Yoga; aber bitte: von mir aus auch das.

Genial finde ich ja auch die Idee der Cartoonisten in Bremen: Eine ganze Ausstellung, die dem Virus die Stirn bietet. Allein der Titel: „Ansteckende Cartoons“. Ansteckender als das Virus muss das Lachen sein, so das Motto. Da empfehle ich mal, meinem sechs Jahre alten Enkel zuzuhören, wenn der losgniggert.

Über Satire hat es ja schon manch hitzige Diskussion gegeben, und wenn Trump meint, ein weiteres seiner Fettnäpfchen mit „ich habe doch nur einen Witz gemacht“ zurechtrücken zu wollen, ist er doch schon ins nächste reingelatscht. Auch der Versuch, die Entgleisung der taz-Kollegin, Polizisten gehörten auf die Müllhalde in den Bereich der Satire zu schieben, ist lachhaft. Und damit ist was ganz anderes gemeint.

Schwarzer Humor darf vieles – ist der Begriff eigentlich mittlerweile auf derselben Streichliste wie das Zigeunerschnitzel und der Negerkuss? Nun ja, der Wortursprung dürfte ein anderer sein, aber man weiß ja nie. Beim Galgenhumor frage ich mich ganz ernsthaft, wo dieser Ausdruck eigentlich herkommt. Ist das echt überliefert, dass jemand beim Gang zum Schafott noch schnell ein kleines Witzchen riss, um das Unausweichliche irgendwie erträglicher zu machen? Grundsätzlich scheinen wir ja Angst zu haben, als humorlos zu gelten. Wie sonst sind diese vielen Emojis zu erklären, die dem Geschriebenen die Schärfe nehmen sollten, mit Lachtränen, Zunge raus und Zwinker-Zwinker. Quasi: Hey, bevor du das in den falschen Hals bekommst: Das war witzig gemeint... Blöde, wenn man das extra dazu sagen muss. Geht übrigens auch ohne die gelben Kullerköppe. „War nicht ernst gemeint“, „war ´n Witz“ ist manchmal sicherheitshalber einem Satz hinterhergeschickt.

Dann lieber echte Lachnummer. Also, bitte – Lieblingswitz Nummer 2: Sagt der Moderator zum Kandidaten: „Sie haben die Wahl: Sie können A) mit Ihrer Frau...“ Kandidat fällt ihm ins Wort: „B), ich nehme B).“ Wenn das nicht ansteckend ist.



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