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Tierärztin: Von der langen Kälteperiode geschwächte Wildvögel können von Zecken getötet werden

Angriff der Blutsauger

Hameln. Das eindrucksvolle Foto, das der Hamelner Frank Neitz (52) im Osterwald gemacht hat, zeigt eine Blaumeise, die von zahlreichen Blutsaugern attackiert wird. Rund um das rechte Auge des nur 13 bis 14 Gramm schweren Vogels haben sich mehr als ein Dutzend Parasiten festgebissen. Zecken bei dieser Kälte? Gibt es die schon? Als das Bild entstand, lag die Temperatur knapp über dem Gefrierpunkt. Als der Naturfotograf das Bild genauer betrachtete, kamen ihm Zweifel. Im Internet fragte er im Forum „birdnet“ nach: „Weiß einer von Euch, was der Meise fehlt?“ Die Antworten, die Neitz erhielt, halfen ihm nicht wirklich weiter. Die Dewezet ging der Sache auf den Grund, befragte Experten. Die heimische Tierärztin Dr. Stefanie Klingeberg behandelt auch Vögel und muss des Öfteren Zecken entfernen – allerdings in der Regel aus der Haut von Hunden und Katzen. Seit Mitte Februar hat sie schon einigen tierischen Patienten helfen müssen. „Es ist nicht ungewöhnlich, dass Zecken im Winter unterwegs sind. Nicht einmal Frost kann ihnen etwas anhaben“, sagt die Veterinärin. Die Parasiten setzen sich auch bei Vögeln fest. Das sei völlig normal. Allerdings habe die außergewöhnlich lange Kälteperiode den Wildvögeln arg zugesetzt. „Viele sind geschwächt und entkräftet. Sie frieren, vermeiden jede unnötige Bewegung, um Energie zu sparen. Deshalb putzen sie sich nur sehr selten. Die Zecken, die Kälte gut überstehen, haben aus diesem Grund ein leichtes Spiel, weil sie seltener weggekratzt werden“, erklärt die Ärztin. Dr. Klingeberg geht davon aus, dass die von Frank Neitz fotografierte Meise den Großangriff der Zecken nicht überleben wird: „Ich denke, das sind einfach zu viele Blutsauger für ein so kleines geschwächtes Tier.“

veröffentlicht am 12.04.2013 um 06:00 Uhr

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Autor:

VON ULRICH BEHMANN

Dr. Norbert Kummerfeld von der Klinik für Heimtiere, Reptilien, Zier- und Wildvögel der Tierärztlichen Hochschule Hannover, bestätigt die Annahme und die Erkenntnisse seiner Kollegin. Ein paar Sonnenstrahlen reichten aus, um Zecken aus dem Winterschlaf aufzuwecken. Wie einige Vögel besiedeln die Parasiten Baumhöhlen und Nistkästen. Zu Hunderten säßen sie manchmal an den Ein- und Ausfluglöchern und warteten dort auf einen Wirt. „Weil sich am Vogelkopf nur wenige Federn befinden, sitzen sie gern an dieser Stelle. Sie saugen sich mit Blut voll und lassen sich dann fallen.“ Das sei ein völlig normaler Vorgang, sagt der Leiter der Abteilung für Zier- und Wildvögel. Dr. Kummerfeld glaubt, dass die im Osterwald fotografierte Blaumeise voll mit Holzböcken sitzt. „Es dürfte sich um Ixodes arboricola, den Baum-Holzbock, handeln.“ Zecken seien Überlebenskünstler. Sie könnten monatelang hungern und würden nicht erfrieren. „Sie haben eine Art Frostschutzmittel im Blut. Man könnte eine Zecke einfrieren und nach einiger Zeit wieder auftauen – sie würde das überleben.“

Im Tierreich sei die Winterzeit die Selektionszeit, erklärt Dr. Kummerfeld. „Tiere, die schwach und krank sind, sterben. Und das muss auch so sein, denn die jungen Vögel, die demnächst schlüpfen werden, brauchen Lebensraum. Das ist schon seit 100 000 Jahren so und absolut nichts Außergewöhnliches.“

Übrigens: Heimische Zecken können auch Menschen gefährlich werden. Jede dritte einem Wirtstier abgenommene Zecke, die im Labor der Tierärztin Dr. Klingeberg untersucht wurde, war Borreliose-Überträger. Die Krankheit wird von einem spiralförmigen Bakterium, dem „Borrelia burgdorferi“, ausgelöst. Eine Borreliose kann viele Symptome haben, man spricht daher von einer multisystemischen Krankheit. Das macht es schwierig, eine Borreliose zu diagnostizieren. Im schlimmsten Fall können starken Schmerzen, Hirnhautentzündung und Herzprobleme auftreten.



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