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Vor 20 Jahren: Wolfgang Schäuble wird von psychisch krankem Mann angeschossen

Anfangs bestand Hoffnung auf Heilung

Landkreis (mld). In wenigen Sekunden ändert sich das Leben eines Mannes gravierend: Am 20. Oktober 1990 wird der heutige Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble von einem psychisch kranken Mann niedergeschossen.

veröffentlicht am 10.10.2010 um 17:19 Uhr

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An dem Freitag, kurz nach 22 Uhr, feuert Dieter Kaufmann in einer Gaststätte in Oppenau im Schwarzwald drei Schüsse aus einem Revolver von hinten auf Schäuble. Eine Kugel trifft den Kiefer, eine Schäubles Rückenmark, eine wird durch den Leibwächter Klaus-Dieter Michalsky abgefangen, der mit einem Bauchstreifschuss und einer Handverletzung überlebt. Michalsky stammt aus Springe.

Schäuble ist an dem Abend in dem Gasthaus, um als baden-württembergischer Spitzenkandidat vor Zuhörern aus seinem Wahlkreis zu sprechen. Er ist von Autogrammjägern umringt, als die Schüsse fallen. Seine damals 19-jährige Tochter Christine begleitete ihn zu dem Termin.

Der Attentäter Dieter Kaufmann aus der Nachbargemeinde Nesselried, zur Zeit der Tat 37 Jahre alt, kann sofort überwältigt werden. Die Waffe stammt aus dem Waffenschrank seines Vaters, berichten wir damals. Er habe der gesamten Wahlkampfveranstaltung beigewohnt, ohne aufzufallen.

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Kaufmann legt ein umfassendes Geständnis ab: Er habe sich vom Staat verfolgt gefühlt und Schäuble als Innenminister dafür verantwortlich gemacht. Wegen seiner psychischen Erkrankung wird er als schuldunfähig befunden und in die forensische Psychiatrie eingewiesen.

Kurz nach dem Attentat fragt unsere Zeitung: „Bleibt Wolfgang Schäuble gelähmt?“ Schäuble wird in der Universitätsklinik Freiburg behandelt, sein Zustand sei „unverändert ernst“, zitieren wir die behandelnden Ärzte, berichten, dass sich Schäubles Zustand verschlechtere.

Am Tag nach dem Attentat wird das Projektil in einer mehrstündigen Operation aus dem Wirbelkanal am Rückenmark entfernt. Drei Tage nach dem Attentat muss Schäuble wieder operiert werden, unsere Zeitung zitiert die „Tagesschau“, die von der Lähmung beider Beine berichtet. Zu einem kleinen Zwischenfall in der Klinik kommt es, als ein geistig verwirrter Mann versucht, Schäuble im Krankenzimmer zu besuchen.

Am 17. Oktober berichtet unsere Zeitung: „Schäuble außer Lebensgefahr“. Die Kieferoperation sei gut verlaufen und der Zustand Schäubles habe sich „wesentlich gebessert“. Am 19. Oktober berichten wir, dass Schäuble ganz ohne Atemhilfe auskomme.

Während Schäubles Krankenhausaufenthaltes häufen sich Sympathiebekundungen; nicht nur von Bundeskanzler Helmut Kohl und den führenden Politikern, auch die Bürger nehmen Anteil an Schäubles Schicksal, schicken Tausende Briefe, Telegramme und Päckchen an die Familie und Blumen in die Klinik.

Nach dem Attentat bleibt Schäuble vom dritten Brustwirbel abwärts gelähmt.

Im November 1991 wird er zum Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag gewählt. Von 2005 bis 2009 war Schäuble ein zweites Mal Bundesinnenminister. Seit 1972 ist er Mitglied des Bundestages und damit der Parlamentarier mit der drittlängsten Amtszeit. Schäuble ist außerdem Kuratoriumsmitglied in der Deutschen Stiftung Querschnittlähmung (DSQ) und Mitglied des Stiftungsrates beim Internationalen Forschungsinstitut für Paraplegiologie (Wissenschaft und Therapeutik des Querschnittssyndroms).

Zum fünften Jahrestag des Attentats entschuldigt sich Kaufmann in einem Brief bei Schäuble sowie öffentlich im Radio. 2004 wird Kaufmann auf Probe entlassen.



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