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Das Hurricane-Festival in Scheeßel feiert 20-Jähriges – gerockt wird dort aber schon viel länger

Als die Heide wackelte

Jedes Jahr im Juni findet auf dem Eichenring in Scheeßel ein großes Open-Air-Festival statt: das Hurricane-Festival. In knapp zwei Wochen werden auf der Motorrad-Sandrennbahn im Landkreis Rotenburg/Wümme über 70 000 Musikfans erwartet, die dort rocken, campen, trinken, feiern. Das Hurricane feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen – doch die Geschichte der Open-Air-Festivals am Eichenring ist eine viel längere. Und sie hat das Zeug zur Legendenbildung.

veröffentlicht am 12.06.2016 um 15:02 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:13 Uhr

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Lars Lindhorst

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Lars Lindhorst Reporter zur Autorenseite

Schon vor 43 Jahren, im September 1973, rockte es zum ersten Mal in der Heide. Die Festivalveranstalter hatten damalige Musikgrößen wie Wishbone, Ash, Chuck Berry, Lou Reed oder Chicago für Konzerte am Eichenring eingekauft. 52 000 Menschen zog es aus diesem Grunde nach Scheeßel. Doch das Wochenende versank im Chaos.

Für zig Tausende Menschen soll es nur acht Toiletten gegeben haben, bei denen nicht einmal die Spülungen richtig funktionierten. Lange Schlangen vor Sanitäranlagen und Marktbuden; wild campende Festivalbesucher, die sich in den Vorgärten, der Scheeßeler Einwohner einquartierten; über 200 Verletzte als Bilanz des Musikwochenendes: Alles deutete darauf hin, dass es so schnell kein Rockfestival mehr geben würde in der Heide.

Vier Jahre lang war Ruhe am Eichenring. Erst im September 1977 wagte man den zweiten Versuch: Das „First Rider Open Air“ sollte ein Neubeginn werden. Doch während das erste Rockfestival in Scheeßel 1973 im Chaos endete, wurde das zweite 1977 sogar ein Fiasko. Was davon hängenblieb: Schlägereien, Plünderungen, ein Bühnenbrand und Schäden in Millionenhöhe. Was war passiert?

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Die Organisatoren hatten sich übernommen. Noch bevor erste Bands zusagten, wurden Festivalkarten in Massen verkauft. Bands, sie dann zusagten, sagten wieder ab. Einige Musiker verlangten darauf ihre Gage im Voraus. Das Geld ging aus: Ordnungskräfte, die noch keinen Lohn erhalten hatten, stellten ihre Arbeit ein. Folge: Tausende Besucher strömten auf das Gelände. Immerhin: Musik gemacht wurde auch. Colosseum und Golden Earing spielten auf der Bühne. Doch danach war Schluss – es gab schlicht und einfach keine weiteren Bands mehr. Die Zuschauer brachte das in Rage. Flaschen flogen auf die Bühne. Plötzlich geriet die Bühne in Brand. Der Feuerwehr wurde der Weg versperrt, Getränkestände geplündert. Die Kommunalverwaltung zog Konsequenzen: Nie wieder werde es ein Rockfestival am Eichenring geben, hieß es damals.

20 Jahre hat es dann gedauert, bis doch ein neuerlicher Versuch gestartet wurde: die Geburt des heute so erfolgreichen Hurricane-Festivals. Es hat sich bis heute gehalten. Jahr für Jahr wurde das Festival aber größer, kamen immer mehr Menschen. Das Drumherum wurde immer weiter perfektioniert, aber auch kommerzialisiert. Seit Monaten ist das Hurricane-Festival ausverkauft, es werden über 70 000 Menschen erwartet. Inzwischen gibt es ein Festivalradio, ausreichende Toiletten, bei denen die Spülung tatsächlich funktioniert und einen eigens errichteten Supermarkt, damit den Besuchern das Bier niemals ausgehen kann. Wenn am letzten Juni-Wochenende nun die Rockband „Rammstein“ mit viel Getöse als Headliner am Eichenring aufspielt, so wird zumindest musikalisch wieder die Heide wackeln.

Schon vor 43 Jahren, im September 1973, rockte es zum ersten Mal in der Heide. Die Festivalveranstalter hatten damalige Musikgrößen wie Wishbone, Ash, Chuck Berry, Lou Reed oder Chicago für Konzerte am Eichenring eingekauft. 52 000 Menschen zog es aus diesem Grunde nach Scheeßel. Doch das Wochenende versank im Chaos.

Für zig Tausende Menschen soll es nur acht Toiletten gegeben haben, bei denen nicht einmal die Spülungen richtig funktionierten. Lange Schlangen vor Sanitäranlagen und Marktbuden; wild campende Festivalbesucher, die sich in den Vorgärten, der Scheeßeler Einwohner einquartierten; über 200 Verletzte als Bilanz des Musikwochenendes: Alles deutete darauf hin, dass es so schnell kein Rockfestival mehr geben würde in der Heide.

Vier Jahre lang war Ruhe am Eichenring. Erst im September 1977 wagte man den zweiten Versuch: Das „First Rider Open Air“ sollte ein Neubeginn werden. Doch während das erste Rockfestival in Scheeßel 1973 im Chaos endete, wurde das zweite 1977 sogar ein Fiasko. Was davon hängen blieb: Schlägereien, Plünderungen, ein Bühnenbrand und Schäden in Millionenhöhe. Was war passiert?

Die Organisatoren hatten sich übernommen. Noch bevor erste Bands zusagten, wurden Festivalkarten in Massen verkauft. Bands, sie dann zusagten, sagten wieder ab. Einige Musiker verlangten daraufhin ihre Gage im Voraus. Das Geld ging aus: Ordnungskräfte, die noch keinen Lohn erhalten hatten, stellten ihre Arbeit ein. Folge: Tausende Besucher strömten auf das Gelände. Immerhin: Musik gemacht wurde auch. Colosseum und Golden Earing spielten auf der Bühne. Doch danach war Schluss – es gab schlicht und einfach keine weiteren Bands mehr. Die Zuschauer brachte das in Rage. Flaschen flogen auf die Bühne. Plötzlich geriet die Bühne in Brand. Der Feuerwehr wurde der Weg versperrt, Getränkestände geplündert. Die Kommunalverwaltung zog Konsequenzen: Nie wieder werde es ein Rockfestival am Eichenring geben, hieß es damals.

20 Jahre hat es dann gedauert, bis doch ein neuerlicher Versuch gestartet wurde: die Geburt des heute so erfolgreichen Hurricane-Festivals. Es hat sich bis heute gehalten. Jahr für Jahr wurde das Festival aber größer, kamen immer mehr Menschen. Das Drumherum wurde immer weiter perfektioniert, aber auch kommerzialisiert. Seit Monaten ist das Hurricane-Festival ausverkauft, es werden über 70 000 Menschen erwartet. Inzwischen gibt es ein Festivalradio, ausreichende Toiletten, bei denen die Spülung tatsächlich funktioniert, und einen eigens errichteten Supermarkt, damit den Besuchern das Bier niemals ausgehen kann. Wenn am letzten Juni-Wochenende nun die Rockband „Rammstein“ mit viel Getöse als Headliner am Eichenring aufspielt, so wird zumindest musikalisch wieder die Heide wackeln.



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