weather-image
Erinnerung an ein außergewöhnliches Projekt und mechanisches Verkehrsmittel

Als die Bergbahn zum Bomberg führte

Die Pyrmonter Bergbahn zählte im späten 19. Jahrhundert bis in die Mitte der Zwanziger Jahre zu einer fortschrittlichen und interessanten „touristischen“ Attraktion des bedeutenden Kur- und Badeortes Pyrmont. Aufgrund der stetig steigenden Kurgastzahlen wurden in Pyrmont in dieser Zeit enorme Anstrengungen unternommen, um bauliche Veränderungen sowie Erneuerungen im Kurzentrum zu realisieren. Dieses war unentbehrlich, da man zum einen den Erwartungen der anspruchsvollen Kur- und Brunnengäste genügen wollte und zum anderen alles daran setzte, im Wettbewerb mit den anderen aufstrebenden Kurorten in Deutschland zu bestehen, um so an die glanzvollen Zeiten der vergangenen Jahrhunderte anzuschließen.

veröffentlicht am 24.06.2013 um 06:00 Uhr

270_008_6405512_rueck101_Bergbahn_am_Bomberg_2406.jpg

Autor:

Wolfgang Warnecke

Ein ganz besonderes Projekt war im Jahr 1895 der Bau der Bergbahn zum Bomberg, das durch das weit über die deutschen Grenzen hinaus bekannte Hannoversche Unternehmen „Georg von Cölln – Eisenwarenhandlung“ ausgeführt wurde. Betreiber der Drahtseilbahn war die Pyrmonter Bergbahngesellschaft, der die Fürstliche Verwaltung unter Fürst Friedrich zu Waldeck-Pyrmont zunächst eine Konzession über 30 Jahre erteilte. Die zweiachsigen Waggons, ähnlich konstruiert wie die Wagen einer Straßenbahn, konnten jeweils 18 Fahrgäste aufnehmen, die in einem regelmäßigen Pendelbetrieb für eine Fahrt 20 Pfennig zu entrichten hatten. Die Fahrzeiten waren im Allgemeinen am Vormittag von 9 bis 13 Uhr und nachmittags von 15 bis 19 Uhr. Die vorerst wohl mit einem Benzolmotor betriebene Bergbahn beförderte vor allem an den Wochenenden zahlreiche Kur- und Tagesgäste von der Talstation in Höhe des Äskulapplatzes (Herkules-Standbild) an der Klosterallee bis zum knapp ein Kilometer „bergauf“ am Waldrand gelegenen Bomberg-Restaurant.

Von hier aus erschloss sich den Besuchern eine gute Fernsicht über das reizende Pyrmonter Tal, zudem hatte man neben den regelmäßig stattfindenden kulturellen Veranstaltungen auch eine hervorragende Anbindung an das weitverzweigte Wanderwegenetz.

Christian Zetzsche schrieb 1973 in seinen Erinnerungen an die Pyrmonter Bergbahn: „Welche Freude, wenn wir Kinder mit der Drahtseilbahn, vorn neben dem Schaffner stehend, von der Talstation am Herkulesplatz aus mit hinauffahren durften. Die vielen Rollen zwischen den Schienen, über die das Drahtseil lief, bewegten sich, in der Mitte des Weges begegnete uns an der Ausweichschleife die Talbahn, an der Endstation neben dem Bomberg-Restaurant bewunderten wir die Maschinen mit dem großen Schwungrad im Maschinenhaus.“

270_008_6405530_rueck103_Bomberg_2406.jpg

Das später von einem 25 PS starken Gasmotor angetriebene, waagerecht liegende große Schwungrad im Maschinenhaus an der Bergstation setzte das Drahtseil in Gang, mit dem beide Bergbahnwagen miteinander verbunden waren und so die eingleisige Schienenstrecke mithilfe der im mittleren Abschnitt befindlichen Ausweichanlage befahren konnten. Die Fahrzeit betrug für eine Etappe etwa fünf Minuten.

Dr. Seebohms „Wegweiser in Bad Pyrmont mit Umgebung“ informierte im Jahre 1921 die Kur- und Tagesgäste in Bad Pyrmont über die Bergbahn folgendermaßen: „Sehr glücklich nahm man den Bomberg als Angriffspunkt für die Bergbahn, welche aus dem Schatten des Aeskulapplatzes unter den Laubgängen einer schönen Lindenallee in reizvoller Auffahrt binnen fünf Minuten die Verbindung des Kurparks mit dem umliegenden Waldgebiet herstellt. Mit ihr schuf sich für die blut-, nerven- und muskelschwache Badewelt mit eins die Möglichkeit, auch dem regelmäßigen Besuch von Berg und Wald mit ihren großen hygienischen Werten, im Kurprogramm eine Stelle zu geben.“

Nachdem die Bergbahngesellschaft trotz des regen Betriebes nach einigen Jahren Verluste einfuhr, übernahm die Stadt Bad Pyrmont 1919 die Pyrmonter Bergbahn und versuchte so den Fahrbetrieb, aber auch eine einzigartige Attraktion des Kurortes aufrecht zu erhalten. Im Jahre 1923 musste die Bergbahn zum Bomberg dann doch in den schwierigen Inflationsjahren aus Kostengründen geschlossen werden. Bad Pyrmont, aber auch das gesamte Weserbergland, waren somit um ein außergewöhnliches Projekt und mechanisches Verkehrsmittel ärmer.

Weitere historische Fotos unter zeitreise.dewezet.de

Die Bergbahn mit Bomberg auf einer alten Postkarte, Verlag F. Pietsch, Pyrmont, um 1900 (Sammlung Museum im Schloss Bad Pyrmont) – und ein aktuelles Foto von heute.uk



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt