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Vor 40 Jahren: Die RAF beginnt Anschlagserie auf Kasernen, Polizei und Justiz

Als Angst und Schrecken spürbar sind

Das Pfingstwochenende steht bevor. Etwa 3000 Menschen arbeiten an diesem 19. Mai 1972 in dem Hamburger Gebäude des Axel-Springer-Verlags. Wieder so ein Spinner, denkt die Telefonistin, als sie an diesem Freitagnachmittag um 15.36 Uhr einen jungen Mann am Apparat hat, der seinen Namen nicht nennt. „In 15 Minuten geht bei Ihnen eine Bombe hoch“, sagt er und legt auf. Die Telefonistin nimmt kopfschüttelnd den nächsten Anruf entgegen, anonyme Beschimpfungen und Drohungen hat sie schon oft gehört. Eine Minute später nimmt die Kollegin einen ähnlichen Anruf an. Ein Mann mit süddeutschem Zungenschlag sagt in rüdem Ton: „In 15 Minuten geht eine Bombe hoch. Räumt sofort das Haus, ihr Schweine.“

veröffentlicht am 21.05.2012 um 00:00 Uhr

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Viele sind mit ihren Gedanken schon beim bevorstehenden Pfingstwochenende, als um 15.41 Uhr das Hochhaus von einer gewaltigen Explosion erschüttert wird. Um 15.45 Uhr kracht es erneut, wieder im selben Gebäudeteil, diesmal im sechsten Stock, wo die Bombe in der Damentoilette versteckt worden war.

Die Bilanz des Anschlags: insgesamt 36 Verletzte und 336 000 Mark Sachschaden. Wäre das Kalkül der RAF aufgegangen und hätten nicht drei der fünf im Springer-Hochhaus versteckten Bomben technisch versagt, hätte es ein bis dahin beispielloses Blutbad gegeben. Drahtzieherin des Anschlags auf das Springer-Haus war Ulrike Meinhof. Bereits in den Tagen zuvor hatte die erste Generation der „Rote Armee Fraktion“ (RAF) um Andreas Baader, Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin Bombenanschläge auf Einrichtungen der US-Armee ausgeführt. Die sogenannte „Mai-Offensive“ begann mit einem Anschlag auf ein US-Hauptquartier in Frankfurt. Ein Soldat stirbt, elf werden verletzt. Aber auch Einrichtungen des deutschen Staats werden zum Ziel des Terrors: Am 12. Mai 1972 detonieren kurz nach 12.15 Uhr zwei Rohrbomben in der Polizeidirektion Augsburg. Fünf Polizisten werden schwer verletzt. Nur zwei Stunden später explodiert auch auf dem Parkplatz des Landeskriminalamtes München ein mit Sprengstoff beladener Wagen. 60 Autos werden beschädigt und in sechs Stockwerken zerbersten die Scheiben. Auch hier gibt es Verletzte. Einige Tage später, am 15. Mai 1972, explodiert der Wagen des Bundesrichters Buddenberg. Am Steuer sitzt seine Frau, die schwer verletzt überlebt.

Ziel der RAF ist es, Angst und Schrecken zu verbreiten, den Staat in seinen Grundfesten zu erschüttern. Doch spätestens mit den Bomben im Hamburger Verlagsgebäude scheint Meinhof zu weit gegangen zu sein. In der Sympathisantenszene, die bis dahin den „Kampf der RAF gegen den Imperialismus“ weitgehend gutgeheißen hatte, wendete sich die Stimmung. Zu viel Risiko, zu viele verletzte Unbeteiligte lautete die Kritik.

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Bereits im Sommer 1972 wird mit Baader, Meinhof, Ensslin und weiteren der größte Teil der ersten RAF-Generation verhaftet. Die zweite Generation setzt das Morden fort. Die Terrorwelle nimmt im „Deutschen Herbst“ 1977 ihren Höhepunkt. ll/dpa



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