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Immer weniger greifen zum Buch – dabei macht Lesen glücklich

Abenteuer im Kopf

Sie können uns fesseln, glücklich machen oder traurig: Bücher. Obwohl es ohne jede Droge auskommt, kann Lesen auch abhängig machen. Es erweitert den Horizont und regt die Fantasie an. Eine spannende Geschichte kann uns alles andere vergessen lassen.

veröffentlicht am 22.12.2018 um 08:00 Uhr

Illustration: cn
Kerstin Hasewinkel

Autor

Kerstin Hasewinkel Stv. Redaktionsleiterin zur Autorenseite

Es sind nur 24 Buchstaben, die mit ihren schier unendlich vielen verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten uns die Welt zu Füßen legen, wenn wir es denn wollen. Da fragt man sich, warum immer weniger Menschen lesen. So vermeldet die Deutsche Presse Agentur dieser Tage: Nur noch jeder zweite Haushalt kauft Bücher. Es gebe Familien, die kaufen das ganze Jahr lang kein einziges Buch.

„Das gruselt mir“ (bitte nicht über die Schreibweise stolpern): Es gehört zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen, dass mein Vater mir – als ich in dem entsprechenden Alter war – jeden Sonntagvormittag aus den Märchen der Brüder Grimm vorlas. „Was gruselt es mir…“ war lange ein geflügeltes Wort nur unter uns beiden – quasi das Happy End des Grimm-Märchens „Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“. Aber auch das „Mädchen mit den Schwefelhölzern“ von Hans Christian Andersen hat mich nachhaltig beeindruckt.

Manchmal muss man auch über seinen eigenen Schatten springen – ganz gegen meine sonstige Gewohnheit habe ich kürzlich bei einer Art Kettenbrief auf Facebook mitgemacht. Aufgabe: Über sieben Tage lang jeweils einen Buchtitel zu posten. Ohne große Erklärung. Und jeweils einen anderen User nominieren, mitzumachen.

Das war spannend. Einmal, weil ich mich selbst noch einmal mit meinen Lieblingsbüchern befasst habe, die mich über die Jahrzehnte, seit ich lesen kann, begleitet haben. Erstaunlich, was ich da wieder vorgeholt habe, was schon längst vergessen schien. Und durch die anderen Nominierten, die wiederum ihre Favoriten nannten, gab es entweder die Erkenntnis der Übereinstimmung mit dem eigenen Geschmack oder aber eben Anregungen für Neues.

Die Auswahl ist schier unendlich, wie bei einem riesigen Büfett. Wer liest, kann Abenteuer im Kopf erleben.

Vor nicht allzulanger Zeit galten die Dimensionen des Bücherregals im Wohnzimmer als Statussymbol der Bildungsbürger. Je länger und höher die Reihen der Werke, desto klüger der Wohnungsbesitzer. Ob er sie denn nun gelesen hat oder nicht. Heute (genauer: 2017), so das Statistische Bundesamt in Wiesbaden, kauft nur noch etwas mehr als die Hälfte der Haushalte in Deutschland Bücher inclusive E-Books. Vor zehn Jahren hatte der Anteil der Haushalte, die Bücher gekauft hatten, noch bei 65 Prozent gelegen.

Nun muss ich wahrlich nicht demonstrieren, wie belesen ich bin. Im Gegenteil: Die Liste der Bücher, die ich noch lesen möchte, ist deutlich länger als die derjenigen, die ich bereits gelesen habe. Milchstraßenlang.

Daher ist für mich unverständlich, dass die Bücherkäufe zurückgehen, wie auch Zahlen vom Börsenverein des deutschen Buchhandels belegen. Der Umsatz der Buchbranche lag 2017 bei 9,13 Milliarden Euro. Das war ein Minus von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Dabei spricht alles für das Lesen: Es kann Alzheimer vorbeugen, Stress reduzieren und übrigens: Lesen macht sexy. Menschen, die in der Öffentlichkeit lesen, wirken laut Umfragen intelligenter. Ein Buch in der Hand mache attraktiver und begehrenswerter. Ein „Leser“ vermittele den Eindruck, dass er ein interessanter Gesprächspartner ist und Empathievermögen mitbringt.

Lesen kann man übrigens im Sitzen, Liegen, Stehen, ja, sogar im Gehen.

Alles in allem: Lesen ist gesund. So ist auf einer Tafel der Büchereien Wien nachzulesen: Bereits ein Buch enthält den Tagesbedarf an A, B, C, D, E und K. Und viele weitere lebenswichtige Buchstaben. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Bibliothekar oder Buchhändler.



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