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Oder ist es ein „gut Wetterbot?“ / Warum sich der Himmel verfärbt – und wie uralte Regeln entstanden sind

„Abendrot macht Seemann tot“

Schau mal, die Engel backen Kekse – seit Generationen wird das Kindern erzählt, immer dann, wenn der Himmel „brennt“ und ein prächtiges Abend- oder Morgenrot zu sehen ist. In der Vorweihnachtszeit stellen sich die lieben Kleinen dann vor, dass im Himmel weiß gekleidete Engelchen mit goldenen Flügeln dem Christkind oder dem Weihnachtsmann zur Hand gehen.

veröffentlicht am 17.01.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 10.10.2017 um 10:50 Uhr

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Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite

Es gibt mehrere Bauernregeln und sogar eine alte Seemannsregel, die auf die Rotfärbung des Himmels Bezug nehmen. Ein schöner Sonnenuntergang fasziniert uns – je intensiver die Farben, desto besser. Er ist ein häufig gewähltes Fotomotiv. Aber warum färbt sich der Himmel morgens und abends rot? Ist die Farbe wirklich ein Zeichen für gutes oder schlechtes Wetter? Die Dewezet hat Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes um Erklärungen und um ihre Meinung gebeten.

Die Rotfärbung des Himmels entsteht durch die Streuung des Lichts in der Erdatmosphäre, zu einem Zeitpunkt, wo die Sonne auf- beziehungsweise untergeht. Das Abendrot kommt durch den sich verlängernden Lichtweg bei sinkender Sonne zustande. Dabei wird in zunehmendem Maße der kurzwellige blaue Anteil der Sonnenstrahlung durch Streuung an Gasmolekülen, Staub- und Dunstteilchen in der Atmosphäre herausgefiltert (Schwächung oder Extinktion des Sonnenlichtes), sodass nur der längerwellige rote Anteil übrig bleibt. „Der Himmel erscheint uns nur deshalb rötlich, weil aus dem Sonnenlicht alle anderen Farben herausgefiltert werden und rote und gelbe Lichtanteile dominieren“, erklärt Diplom-Meteorologe Gerhard Lux. Beim Morgenrot ist es ähnlich, denn: Auch bei Sonnenaufgang ist der Lichtweg verlängert.

„Sonnenlicht, das wir als weißes Licht wahrnehmen, hat ja verschiedenfarbige Anteile“, ergänzt Di-plom-Meteorologin Magdalena Bertelmann – und formuliert es so: „Es handelt sich um Regenbogenfarben. Jede Farbe hat eine andere Wellenlänge. Ein physikalisches Gesetz besagt, dass kurzwellige Strahlung sehr viel stärker gestreut wird als langwellige Strahlung. Der blaue Anteil des Lichts hat eine kleine Wellenlänge, der rote Anteil eine große. Tagsüber müssen die Sonnenstrahlen nur einen kurzen Weg durch die Atmosphäre zurücklegen. Weil blaues Licht am stärksten gestreut wird, erscheint uns der Himmel blau. Bei Sonnenaufgang und -untergang hat das Sonnenlicht allerdings einen weiten Weg zu uns. Dadurch wird ein Großteil des blauen Lichts schon auf dem Weg herausgestreut, und es gelangt nur noch der rote Anteil zum Beobachter.“

Stellt sich die Frage: Warum sind Morgen- und Abendrot nicht täglich wiederkehrende Phänomene? „Es braucht schon weitere Zutaten“, erklärt Gerhard Lux. Wenn die Luft besonders rein sei, könne der Himmel nicht erröten. Feuchtigkeit, Aerosole (zum Beispiel Fettmoleküle aus Abgasen), Silicate (Sand) und Meersalze sind die eigentlichen Filter. „Gerade nach Vulkanausbrüchen kann man ganz besonders schöne Farbspiele beobachten.“ Schweflige Aerosole können sogar einen grünlich-purpurfarbenen Himmel zaubern.

Bauernregeln wie „Morgenrot – Schlechtwetter droht“ und „Abendrot – gut Wetterbot“ stimmen nach Meinung der Meteorologin manchmal, aber nicht immer. „Es ist etwas dran, weil wir in Deutschland oft Westwind haben, denn: Wenn es im Westen klar ist und dort die Sonne untergeht, im Osten aber Wolken hängen, die dann von der Sonne angestrahlt werden, kann es ein schönes Abendrot geben. Die Wolken ziehen über Nacht mit dem Westwind weiter nach Osten ab, und der folgende Tag wird oft schön.“ Wenn bei Morgenrot der Himmel im Osten wolkenlos, im Westen jedoch wolkenverhangen sei, zögen die Wolken im Verlauf des Tages heran und sorgten für bedecktes Wetter. Bei Westwind könne die Regel also wirklich stimmen, meint Magdalena Bertelmann.

Abendrot – gut Wetterbot? Eine alte Seemannsregel lautet: „Abendrot macht Seemann tot.“ Die Expertinnen Vanessa Wehner und Katja Werle haben eine Erklärung für diesen Widerspruch: „Wenn der Himmel nur leicht rötlich gefärbt ist, deutet das auf trockene Luft hin, somit ist die Wahrscheinlichkeit für Niederschlag am nächsten Tag gering. Dagegen bedeutet ein dunkles Rot hohe Luftfeuchtigkeit, die Wolkenbildung und damit die Annäherung eines Niederschlagsgebietes anzeigt. Somit treffen beide

Aussagen, je nach Nuance der Himmelsröte, zu.“

Die alte Regel „Morgenrot, schlecht Wetter droht“ sei entstanden, „weil die Rotfärbung auch in diesem Fall ein Hinweis für hohe Luftfeuchtigkeit in der Atmosphäre ist“ und damit die Regenwahrscheinlichkeit steigt.



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