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Star Dust verschwindet – und taucht 51 Jahre später wieder auf

2. August 1947: Ein Flugzeug wandert talwärts

Am 2. August 1947 verschwindet die Star Dust, ein Flugzeug der British South American Airways, mit elf Insassen in den Anden östlich von Santiago de Chile; es ist eines der bizarrsten Unglücke der Luftfahrtgeschichte.

veröffentlicht am 02.08.2017 um 07:00 Uhr

Eine Avro 691 Lancastrian 3, ein Flugzeug der British South American Airways mit Namen Star Dust. Foto: wikipedia
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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite

Weder Piloten noch Fluggäste dürften viel gespürt haben, vielleicht noch einen letzten Ruck, denn der Tod schlägt plötzlich zu, wie mit einer stahlharten Faust. Denn es herrscht Schneesturm auf diesem Flug, die Sicht ist null. Um 17 Uhr, lässt der Captain morsen, dass er auf etwa 7300 Meter aufsteigt, um eine Wolkenschicht zu überfliegen. Um 17.41 Uhr kündigt der Funker des Fliegers per Morsesignal die Landung für 17.45 Uhr an. Dann ist Stille.

Das Flugzeug wird nicht gefunden. Suchaktionen in den Anden entlang der Flugroute, die dort gut 110 Kilometer breit und teils über 6000 Meter hoch sind, erbringen nichts. Und bald brodelt die Gerüchteküche: Der Flieger sei gesprengt worden, erzählen die einen. Er liege im Gebirge, wussten andere, und die Goldmünzen rollten aus seinem Frachtabteil heraus. Nazis waren im Spiel, munkelt man.

Oder Außerirdische.

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Angefeuert werden Spekulationen dadurch, dass die sechs Passagiere der Star Dust interessante Hintergründe aufweisen: Ein Engländer und ein Schweizer sind befreundete Geschäftsleute. Ein nach Chile ausgewanderter Palästinenser befindet sich auf dem Rückweg von seiner verstorbenen Mutter, angeblich hat er einen Diamanten im Anzug eingenäht. Und ein zweiter Engländer war einst Lehrer des rumänischen Prinzen Michael, der von 1940 bis 1947 als König regierte. Und an Bord ist auch eine Chiledeutsche, die mit ihrem Mann in Europa, als der Krieg ausbrach, festsaß. Jetzt kehrt sie heim, mit der Asche ihres Gatten in einer Urne. Und der sechste Fluggast ist ein diplomatischer Bote mit geheimen Papieren für die britische Botschaft in Chile. Schnell drängt die britische Regierung auf eine Aufklärung des Verbleibs der Star Dust.

Gefunden wird das Flugzeug trotz aller Anstrengungen nicht.

51 Jahre später taucht die Star Dust auf bizarre Weise wieder auf.

1998 finden Bergsteiger auf dem 6570 Meter hohen Vulkan Tupungato an der Grenze Chile/Argentinien etwas: Aus einem Gletscher in rund 4500 Metern Höhe ragen Maschinenteile, darunter ein Block mit der verstümmelten Aufschrift „olls-Royce“.

Im Januar 2000 findet eine Expedition, darunter argentinische Gebirgsjäger, weitere Teile wie Reifen und Propeller, sowie drei skelettierte Torsos, eine Frauenhand und einen Fuß in einem RAF-Stiefel. Ein Expeditionsteam der argentinischen Armee untersucht daraufhin die Gegend und findet weitere Flugzeugüberreste. Auf einem Wrackteil sind die Buchstaben „Star Dust“ zu erkennen. Man geht davon aus, dass ungefähr zehn Prozent der Überreste gefunden wurden.

Wie auch immer: Star Dust war wieder da.

Heute vermutet man, dass sie beim Höhersteigen in ein damals noch unbekanntes Phänomen geraten ist: den Jetstream. Das sind extrem starke, schlauchförmige Höhenwinde in Ostrichtung. Gegenwind also bremste das Flugzeug, ohne dass der Tachometer das damals anzeigt. Auch der Pilot jedenfalls spürt eine solche Verlangsamung durch Gegenwind kaum – und erkennt sie bei schlechter Sicht auch gar nicht. Mit diesem extrem starken Höhenwind, der bis zu 200 km/h erreichen kann, haben die Piloten damals wenig Erfahrung, da nur wenige Flugzeuge überhaupt hoch genug fliegen können, um in den Jetstream zu geraten.

Die Star Dust kann es.

Sie wird also auf seinem Flug vom Jetstream stark gebremst. Die Berge sind unter Wolken und Schneesturm unsichtbar, als die Piloten denken, sie haben sie überquert, gehen sie in den Sinkflug – und sind noch mitten über den Anden. Star Dust bohrt sich in mehr als 5000 Metern Höhe in eine fast senkrechte Schneewand des Tupungato. Eine Lawine verschüttet das Wrack, es verschmilzt mit dem Eis und wandert darin verborgen im Laufe der Jahrzehnte Hunderte Meter talwärts.

Ein entdeckter Propeller ebestätigt mit seinen Beschädigungen und Verformungen diese Vermutung: Denn im Moment des Flugzeugabsturzes müssen die Motoren mit nahezu der Drehzahl der Reisegeschwindigkeit gelaufen sein. Auch das Fahrwerk war noch nicht ausgefahren. Daher schließen Gutachter auf einen kontrollierten Flug mit normal laufenden Motoren direkt in den Berghang. Für einen unkontrollierten Absturz durch Motor-, Propeller- oder Tragflächenschäden oder auch für eine bewusst eingeleitete Notlandung werden keinerlei Hinweise gefunden.

Und was ist mit STENDEC? Das hat der Funker nämlich als letztes durchgegeben, und der zugrunde liegende Morsecode aus Punkten und Strichen erlaubt einige Deutungen, die realistischerweise annehmen, der Funker habe sich vertippt oder eine „unübliche“ Meldung kreiert. Es gibt unzählige Bedeutungsvarianten und Theorien, und bei nicht nur einer kommen dabei die Außerirdischen wieder ins Spiel.



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