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Ernteertrag durchschnittlich / Verschmutzte Straßen

Maishäcksler und Waschbären fressen sich durch Felder

HAMELN-PYRMONT / AERZEN / HESSISCH OLDENDORF. Die Maisernte ist in vollem Gang. „Bis zum Ende der Woche haben wir die Hälfte geerntet, wenn das Wetter so bleibt“, sagt Jörg Pape. Die Fläche von 650 Hektar, die er aberntet, mache den Betrieb mit Sitz in Egge zu einem der größten Maisanbauer im Landkreis Hameln-Pyrmont.

veröffentlicht am 06.10.2021 um 11:00 Uhr

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Reporter

Vor 14 Tagen sind die ersten Häcksler in die Maisreihen gefahren, in einer Woche soll die Ernte für Pape abgeschlossen sein. Dies bedeutet lange Arbeitstage für die Erntegruppen und viele Schleppergespanne auf den Straßen. Diese werden nicht immer sauber bleiben. Egal wie sehr sich Landwirte und Fahrer darum bemühen. Deshalb Vorsicht: Es kann immer zu schmierigen und rutschigen Straßen kommen.

Für Landwirte und Lohnunternehmen ist es die letzte große Arbeitsspitze des Jahres, da der Mais die anbaustärkste Ackerkultur in Niedersachsen ist. Für die Verkehrsteilnehmer bringt gleichzeitig die Zuckerrübenernte und -abfuhr, die ebenfalls seit drei Wochen läuft und noch bis in den Januar gehen wird, weiter verschmutzte Straßen. „Ab 15. Oktober wird begonnen auf Vorrat zu roden und dann auch verstärkt abgefahren“, erklärt Hameln-Pyrmonts Kreislandwirt Karl-Friedrich Meyer, viele Jahre auch im Beirat der Zuckerfabrik von Pfeifer & Langen im lippischen Lage, wohin die meisten süßen Früchte aus dem Weserbergland und aus dem Schaumburgischen geliefert werden. Darüber hinaus rollt auch der Rübentransport ins Werk von Nordzucker in Nordstemmen in den ans Hameln-Pyrmontische angrenzenden Landkreis Hildesheim.

Nachdem in den letzten Jahren niedersachsenweit Mindererträge beim Mais geerntet worden sind, haben die Landwirte den Anbau ausgedehnt, um wieder Futterreserven für ihre Rinderherden zu haben. Auf rund 628 000 Hektar wächst in diesem Jahr Mais in konventionellen und im Bio-Anbau, was gut ein Fünftel der landwirtschaftlichen Fläche in Niedersachsen ausmacht. Davon werden etwa 220 000 Hektar in Biogasanlagen zur Gas-, Strom- und Wärmeerzeugung genutzt, auf rund 330 000 Hektar entfällt Mais, der für die Fütterung für Milchkühe und Bullenmast siliert wird. Auf der verbleibenden Fläche reift Körnermais, der nicht gehäckselt, sondern mit Mähdreschern geerntet und in der Geflügel- und Schweinefütterung eingesetzt wird. Im Landkreis Hameln-Pyrmont werden nur sieben Prozent der insgesamt 40 000 Hektar mit Mais bestellt. „Da die Pflanzen so groß sind, wirkt es auf die Menschen, als ob es eine Unmenge ist“, sagt Kreislandwirt Karl-Friedrich Meyer.

„Die Qualität ist in diesem Jahr durchschnittlich“, bilanziert Pape. „Wir haben mehr Pflanzenmasse und etwas weniger Kolben, was nachteilig für die Milchviehhaltung, bei Biogas aber nicht schlimm ist.“ Erklärend schiebt er nach: „Für die Milchkuhhaltung fehlt bei weniger Kolben die Energiedichte.“ Woran es liegt, dass die Pflanzenmasse groß und die Kolben kleiner sind, dafür hat der Milchviehhalter und Betreiber mehrerer Biogasanlagen sowohl im Flecken Aerzen und am Hemeringer Kreisel, als auch im Hessisch Oldendorfer Südweserbereich, keine genaue Erklärung. „Das Wasser war in diesem Jahr nicht das Problem, vielleicht liegt es an der Sonne. Auch beim Getreide gab es viel Stroh, das Korn blieb kleiner – kann an der starken Sonneneinstrahlung im Juni liegen.“

Wer Mais anbaut, hat auch immer mit Wildschäden zu tun. Die Wildschweine sind erst mit der Milchreife des Getreides aus dem Wald in die Felder gezogen und haben auch den Mais entdeckt, sich dort eingenistet, Kessel geschaffen und sich satt gefressen. Auf den Maisfeldern haben die Schwarzkittel auch schon mal über Nacht mit einer Rotte ein Hektar platt gemacht. Mehr und mehr kommen die Waschbären dazu, die größeren Schaden anrichten, wie auch Pape beklagen muss. „Wenn Waschbären in einem Maisschlag sind, ist dies leicht daran zu erkennen, dass die Pflanzen in etwa einem halben Meter Höhe abgeknickt sind“, führt Jörg Pape aus. Vor allem im Flecken Aerzen und in den Feldern rund um Hessisch Oldendorf, da vor allem südlich der Weser, hat ihr Bestand stark zugenommen, „nachdem vor einigen Jahren die Staupe die Waschbären stark dezimiert hatte“, müssen Pape und seine Berufskollegen alles andere als erfreut feststellen.



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