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Hingucker mit guten Eigenschaften

Durchwachsene Silphie schützt Grundwasser und ist Augen- und Bienenweide

LACHEM. „Umdenken und neue Wege gehen, als Landwirt immer die Nase vorn haben“, etwas machen, bevor viele andere auf den Zug aufspringen, so lautet die Botschaft von Ralf Brodmann. Und der Landwirt aus Baden-Württemberg weiß auch, wie es gehen kann. Mit der Durchwachsenen Silphie, einer mehrjährigen Staudenpflanze mit einer Lebensdauer von bis zu 30 Jahren mit vielen guten Eigenschaften.

veröffentlicht am 26.08.2021 um 09:00 Uhr

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Reporter

Ihre langandauernde Bodendeckung wirkt sich positiv auf Bodenleben, Erosionsschutz, Humusaufbau und Wasserhaltevermögen aus, ist wichtig für den Grundwasserschutz und eine Insektenweide, wie das Brummen und Summen über den gelben Blüten auf dem Feld am Weg zum Modellflugplatz in Lachem beweist.

Groß ist das Interesse der Landwirte, die sich eingefunden haben, um noch mehr über die aus Nordamerika stammende Pflanze zu erfahren und einmal, wie viele Touristen und Naturinteressierte zuvor, von einem Ansitz aus über das attraktive gelbe Blütenmeer von rund 3,50 Meter Höhe ins Weserbergland zu schauen. Die Landwirte sind einer Einladung des Büros Geries für Gewässerschutz in Hessisch Oldendorf gefolgt, um sich über die Alternativpflanze zu Mais zu informieren, die sich auch zur Papierherstellung eignet. Vor drei Jahren hat Brodmann mit seinem Team den Samen auf dem Feld von Falk Rekate in die Erde gebracht. In den nächsten zehn bis 14 Tagen wird erstmals geerntet.

Die Durchwachsene Silphie (Silphium perfoliatum) hat bislang vor allem Imker und Gärtner mit ihren Eigenschaften überzeugt. Als Energiepflanze für Biogasanlagen und somit als mögliche Alternative zu Mais erlangt sie nun breitere Aufmerksamkeit. Es ist nicht nur die lange Lebensdauer, zwei Jahre nach der Aussaat sind auch keine Bodenbearbeitung und Pflanzenschutzmaßnahmen, kein Einsatz von Herbiziden notwendig. Darüber hinaus sorgt die Silphie für eine höhere Wasseraufnahme des Bodens und hält das Wasser länger. „Die Pflanze verringert den Stickstoffgehalt im Boden und ist deshalb gut geeignet für Wasserschutzgebiete“, erklärt Felix Meier-Söffker. Der gebürtige Segelhorster hat erfolgreich seine Masterprüfung abgelegt und gehört zu Geries-Ingenieure in Gleichen-Reinhausen.

Nicole Tappe und Felix Meier-Söffker zeigen das feine Wurzelwerk das dem Boden Halt gibt und diesen gleichzeitig auflockert. Foto: PJ

Zusammen mit Nicole Tappe, der Dienststellenleiterin der Geschäftsstelle von Geries an der Hessisch Oldendorfer Paulstraße, zeigt er das feine Wurzelwerk der Silphie, das bis zu zwei Meter in die Tiefe reicht und aus dem in jedem Jahr neue Pflanzen sprießen, deren Blüten von Ende Juni bis September, in einer Zeit in der sonst wenig anderes blüht, die Landschaft auflockert. Und nicht nur die, wie Brodmann ausführt: „Die Pflanze stellt keine hohen Ansprüche an den Boden, im Gegenteil, sie bildet im Jahr auf dem Hektar zwischen sechs und acht Tonnen Humus. Dadurch wird die Boden-Flora wieder wesentlich verbessert und Regenwürmer und Kleinstlebewesen können wieder wachsen und gedeihen und die Erde auflockern.“

Neben Landwirten sind Vertreter der IG-Weser, des Naturschutzes und Imker nach Lachem gekommen. Die Interessengemeinschaft Wasserversorgungsunternehmen Weser arbeitet mit rund 300 Landwirten zusammen, die Flächen in den Trinkwassergewinnungsgebieten bewirtschaften. Für die Imker ist die Silphie eine ideale Bienenweide, da sie von Fungiziden unbelasteten hohen Pollen- und Nektarertrag liefert und in ihren Blättern, die vom Stiel durchwachsen werden, was ihr den Namen gibt, stets Feuchtigkeit halten. Auch Vögel trinken aus den becherförmigen Blättern. Als Dauerkultur bietet die Silphie bis zum Winter, wenn sie runterfriert, Niederwild besten Schutz.

In seiner Heimat nahe dem Bodensee hat Brodmann mit anderen Landwirten eine Kooperation gegründet, die auch auf die Herstellung von Papier aus Fasern der Silphie setzt. Auf dem Gelände eines Energieparks steht neben einer Biogasanlage eine Anlage zur Gewinnung von Silphie-Fasern, aus denen Papier entsteht. Brodmann weist in Lachem darauf hin, dass heute noch dreieinhalb Millionen Tonnen Faserstoffe vor allem aus Südamerika nach Deutschland importiert werden. „Das Papier aus der Silphie eignet sich besonders für Lebensmittelverpackungen und kann Plastik in den Regalen ersetzen“, betont Brodmann.



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