weather-image
21°

Heute ist die letzte Gelegenheit zum Weihnachtsmarkt-Bummel – doch wie erleben die Mitarbeiter in den Buden den Budenzauber?

Zwischen Knochenjob und Freizeitspaß

Hameln. Es ist erst Mittagszeit, aber das gute Dutzend Mitarbeiter einer Versicherung ist bereits in allerbester Laune. Die lustige Runde hat sich am Weihnachtsmarktstand vor dem Hochzeithaus getroffen. Kaffee, Punsch, Glühwein, ein schnelles Pausenbier. „So was müsste es das ganze Jahr geben“, seufzt ein junger Mann. „Jemand noch n’ Glühwein?“ fragt er in die Runde.

veröffentlicht am 23.12.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 10:21 Uhr

270_008_6814552_hm333_2312_1_.jpg

Autor:

Ernst August Wolf
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Einige Meter weiter greift die blonde Ronja Haupt hinter „Dörte Meyers Grillhus“ erschöpft zur Zigarette. Die 22-jährige Studentin mit dem lustigen Pferdeschwanz arbeitet als Aushilfe täglich auf Abruf fünf bis sechs Stunden zwischen Bergen von Würstchen, Haxen und weihnachtstypischen Fleisch- und Grillspezialitäten. „So ein richtiger Studentenjob“, erklärt die BWL-Studentin aus Lemgo. „Wir sind ein prima Team und es macht echt Spaß, hier mitzumachen.“ Am Standort direkt gegenüber der Stadtgalerie sei sehr viel zu tun. Am liebsten arbeite sie abends. Außer Gegrilltem gehen Kakao, Punsch und vor allem Glühwein über die Theke. „Ronja komm!“, ruft jemand aus dem Wageninneren. „Sorry, muss wieder“ sagt sie, lächelt und drückt ihre halb gerauchte Zigarette aus.

Gleich um die Ecke, mitten auf dem Pferdemarkt, rührt derweil Katharina Knoll in einer riesigen Pfanne Unmengen von dampfendem Grünkohl um. „Lecker, ich mag Grünkohl“, sagt die 27-Jährige. Die ist eigentlich Kinesiologin und Malerin. „Meiner Freundin gehört der Stand, und die hat mich gefragt, ob ich aushelfen will.“ Und das tut Katharina Knoll mit sichtlichem Spaß. Zwischen 12 und 14 Uhr sei der meiste Stress angesagt, erklärt sie. Touristen, Reisebusse. Die meisten Kunden seien sehr freundlich und voll des Lobes für den Weihnachtsmarkt. Bis kurz nach 14 Uhr hilft die schlanke junge Frau am Stand aus. „Ich habe Kinder, kann also abends nicht, aber die kriegen natürlich immer was mitgebracht“, sagt sie lachend und wendet sich wieder der Grünkohlpfanne zu.

Trotz Mittagszeit herrscht vor dem bunt beleuchteten Wagen von Horst Libuda schon dichtes Geschiebe. Der 63-jährige Schausteller ist mit seiner Zuckerwatte, seinen mit „Ich hab Dich lieb“ beschrifteten Lebkuchenherzen und gebrannten Mandeln ein lebendiges Stück Hamelner Weihnachtsmarktgeschichte. „Seit 40 Jahren bin ich hier“, erzählt er. Natürlich sei das anstrengend. „Ein Knochenjob, na klar, was meinen Sie denn? Wir machen das das ganze Jahr. Kirmes, Frühlings-, Sommer-, Herbstfeste – und eben der Weihnachtsmarkt.“ Alles aus eigener Herstellung, erzählt der Mann mit der gelben Schürze stolz. „Hoffentlich kann ich das noch lange machen“, gesteht er. „Wissen Sie, wir sind eben eine Schaustellerfamilie und da ist man reingeboren. Das ist Tradition und Verpflichtung.“

3 Bilder

Weniger zufrieden dagegen ist Giuseppe Lazzaro. Auch seine Familie sei schon seit 30 Jahren auf dem Weihnachtsmarkt dabei. „Es kommt immer auf den Standort an.“ Und mit dem ist der 32-Jährige in diesem Jahr alles andere als zufrieden. „Das haben die Höheren so entschieden, aber es ist viel weniger als sonst“, klagt der Pizzabäcker. Insgesamt vier Mitarbeiter warten in der Osterstraße zwischen zwei Karussells auf die sehr zurückhaltende Kundschaft. „Wenn’s läuft und man viel zu tun hat, dann vergeht die Zeit schneller“, so Lazzaro. In diesem Jahr sei so wenig los wie lange nicht mehr. „Da steht man sich die Beine in den Bauch, dann wird es kalt – nicht schön“, klagt er.

Glühweingeruch

und Gedudel? „Gehört eben dazu“

„Irgendjemand meckert immer“, meint dagegen Karl Lemoine. Der 60-Jährige bietet gleich gegenüber dem Eingang zum Hochzeitshaus ausschließlich Glühwein an. Ihn kann weder das unablässige Weihnachtsliedergedudel noch der alles durchdringende Glühweingeruch aus der Fassung bringen. „Das gehört eben beides dazu, ist schließlich Weihnachten“, sagt der Chef eines kleinen Lemgoer Familienunternehmens.

Wenig geräumig ist die Maroni-Bude von Faiz Minhas. Die 22-jährige, sonst als Promoter tätige Aushilfe steht den ganzen Tag hinter den beiden schwarzen Blechen mit Maronen. Knochenjob? Nein, eher einer, der Konzentration verlange. „Die Maronen müssen nämlich angeschnitten werden ehe sie aufs heiße Blech kommen.“ Gut 40 Minuten brauche er für ein Fünfkilopaket – und wenn man nicht aufpasse … „Schau’n Sie hier“, sagt er, und deutet auf seine zerschnittenen Hände.

Weniger dramatisch geht es am hübsch dekorierten Stand mit den Weihnachtsschnitzereien von Carla Cleve zu. Die 23-jährige, mit Schal und Mantel gegen die Kälte geschützte Emmerthalerin hilft ihren Eltern aus. Die bieten seit vielen Jahren traditionelles Krippenschnitzwerk aus Hämelschenburg an. „Manche Leute kommen deshalb extra immer wieder, kaufen sich jedes Jahr ein Teil, andere suchen ein Mitbringsel“, sagt Carla und lächelt. „Es läuft gut und macht Spaß.“ Von ihrem Stand aus kann sie beobachten, wie die kleine, lautstarke Mittagsgesellschaft der Versicherungsmitarbeiter noch einmal eine neue Runde Flüssiges ordert.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?