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Senioren helfen Senioren in der „PC-Gruppe“ in der Alten Feuerwache

Zwischen Fachsimpeleien und Kaffeeklatsch

HAMELN. Für Dagmar Thoms hat sich der Dienstagvormittag in der Alten Feuerwache schon gelohnt: Gerade hat sie ihre erste WhatsApp-Nachricht mit ihrem Smartphone verschickt. Geholfen hat ihr dabei Elvira Weigelt. Die beiden treffen sich an jedem zweiten Dienstag in der „PC-Gruppe“ in den Räumen der A.R.A. (Alternativen rund ums Alter). Ob Smartphone oder Tablet, ob Skype oder Microsoft Office – gemeinsam wollen die Teilnehmer hier technische Probleme lösen und Erfahrungen austauschen.

veröffentlicht am 27.06.2017 um 15:58 Uhr

Jeden zweiten Dienstag trifft sich die „PC-Gruppe“ in den A.R.A.-Räumen. Auch jüngere Menschen sind zur technischen beratung willkommen. Foto: mz
Michael Zimmermann

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„Learning By Doing“ ist das Motto, und alle seien willkommen, wie Ingrid Stoffregen, die das Organisatorische im Blick hat, erklärt. Irgendwer wisse hier immer Bescheid – egal, um welches Gerät oder welches Betriebssystem es gerade gehe. Auch Jüngere könnten vorbeischauen und Hilfe finden – selbst, wenn das A.R.A. eher ein Ort für Senioren ist.

Hans Tadge findet, die Gruppe stoße in eine Marktlücke, denn der Bedarf nach Unterstützung sei definitiv da. Es werde aber insgesamt viel zu wenig getan, um den Leuten zu helfen, ist er überzeugt. „Und Profis nehmen ja richtig Geld“, sagt der pensionierte Bahnbeamte. Auf der neuen Website der Stadt käme das Angebot zum Beispiel viel zu kurz. Doch obwohl die Gruppe kaum bekannt sei, kämen regelmäßig bis zu 40 Menschen in die Alte Feuerwache. Denn die Probleme, vor allem für ältere Menschen, lägen auf der Hand: „Wenn Sie zum Beispiel Enkel haben, die woanders leben, dann können Sie nur über Skype und WhatsApp Kontakt halten“, erklärt er.

Zwar gebe es zweimal im Jahr Computerkurse an Elisabeth-Selbert-Schule und Eugen-Reintjes-Schule, bei denen die Schüler den Senioren helfen, sagt Ingrid Stoffregen. „Da ist jedes Mal die Bude gerappelt voll.“ Abseits davon gebe es aber kaum Möglichkeiten sich Hilfe zu suchen. Angebote der Volkshochschulen seien immer sehr spezialisiert, sagt Stoffregen. Nach Ende der Vorträge gingen die eigentlichen Fragen erst los. „Zu Hause ist dann alles anders, und das was im Kurs gezeigt wurde, muss man dann irgendwie auf sein System übertragen.“ Eine kleinere Gruppe um Stoffregen fing schließlich im Oktober 2012 im FiZ an der Osterstraße an, sich selbst zu helfen. Schnell wurde der Raum zu klein, und so zog die Gruppe um in die A.R.A.-Räume.

Das Konzept ist denkbar einfach: Jeder Teilnehmer bringt seine eigenen Geräte mit den entsprechenden Programmen mit. „Das kriegen sie bei der Volkshochschule nicht hin“, sagt Stoffregen. Als Hans Tadge dazu stieß, habe er zuerst einmal alle Handbücher aus den Räumen verbannt, berichtet sie. Schließlich könne man noch so tolle schriftliche Anleitungen haben – wenn man ansonsten keine Ahnung habe, brächten diese gar nichts.

Tadge selbst arbeitet seit Ende der 1980er mit Computern und ist inzwischen so etwas wie der technische Berater. Ein zweiter Fachberater ist Heiner de Jong, der hauptsächlich Softwarefragen beantwortet. In der Gruppe habe aber jeder seine eigenen Stärken, sagt Tadge. Einige könnten Excel besonders gut erklären, andere seien Asse in der Bildbearbeitung. Und mit der Zeit lernten sowieso alle dazu und könnten sich gegenseitig die Dinge erklären.

Auch er selbst probiere immer wieder Neues aus. Meist gehe es nur um Kleinigkeiten, an denen die Teilnehmer allein verzweifelten: So müsse zum Beispiel ein Rechner nur so eingestellt werden, dass jemand mit einer Sehbehinderung auch daran arbeiten kann, erklärt Hans Tadge. Einer der Hilfesuchenden habe Probleme gehabt, an seinem Mobiltelefon eine Drittanbietersperre einzurichten. Der Mitarbeiter im Elektromarkt habe nicht helfen dürfen, deshalb der Mann zu Tadge und seiner Gruppe gekommen.

„Gemeinsam haben wir uns durch das Menü telefoniert und waren innerhalb von fünf Minuten durch.“

Ein anderes Mitglied der Gruppe sei 1931 geboren und habe seit erst zwei Jahren einen Rechner, erzählt Tadge. „Das ging von Null auf Hundert.“ Inzwischen suche die Dame sich ihre Reisen im Internet aus, tausche Bilder und Kochrezepte online. zu den regelmäßigen Treffen kämen inzwischen auch Menschen aus Bad Pyrmont und Bad Münder. Einige hätten nur ein Problem und verschwänden wieder wenn es gelöst sei – andere kämen immer wieder und genössen die Plaudereien und Fachsimpeleien bei einer Tasse Kaffee. Auch Dagmar Thoms kommt nicht nur, wenn sie ein konkretes Problem hat: „Es macht einfach Spaß mit der Gruppe und die Stimmung ist immer gut.“



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