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Weihnachtsgeschenke im Jahr 1965 / Probespielen in Hamelner Geschäften

Zwischen Baggern, Blech und Barbies

Hameln. Für einen jungen Hamelner muss es ein vorgezogener Festtag gewesen sein, war der Junge doch vor 50 Jahren für die Dewezet als Spielzeugtester tätig. Auf der Suche nach passenden Weihnachtsgeschenken für Kinder zog er mit seiner Mutter, seinerzeit Berichterstatterin der Lokalzeitung, durch Hamelner Fachgeschäfte. Und die gab es zu der Zeit noch reichlich, hießen Spielwaren- Kater, Spielzeug-Meyer, Dierkes oder Steuber.

veröffentlicht am 11.12.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:12 Uhr

Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Bereits beim Anblick einer elektrischen Autobahn geriet der Steppke aus dem Häuschen, heißt es in der Dewezet-Ausgabe vom 11. Dezember 1965. Auf einer Piste rasten elektrisch gesteuerte Autos um den Sieg. Ein prächtiges Spielzeug für ältere Knaben, stellte die Schreiberin fest. Die Autorin warnte aber: „Für kleine Jungen sind komplizierte, elektrische Anlagen noch nicht geeignet – obwohl der Vati sie sich schon seit seiner Jugend wünscht. Viele Psychologen raten, nicht zu früh technisches Spielzeug zu schenken und der Fantasie des Kindes noch Spielraum zu lassen.“

Daran hat sich nichts verändert: Auch in den 1960er Jahren träumten Mädchen jeden Alters von einer Barbie, ihrem Freund Ken oder ihrer kleinen Schwester Skipper. „Der schicken, langbeinigen Mannequin-Puppe“, wie die Autorin das Mattel-Erfolgsmodell nannte. Waren die Geldbeutel britischer Soldaten in Hameln weniger gefüllt? Dem Artikel nach ist das anzunehmen, heißt es doch im Test-Bericht: „Offenbar hat man hier auch an englische Käufer gedacht. Es gibt noch die Puppe Petra, die der Barbie ähnlich, aber auch billiger ist.“

Hochwertiges Holzspielzeug soll in den Hamelner Geschäften wenige Tage vorm Fest fast ausverkauft gewesen sein, war zu lesen. „Es gibt ganze Baustelleneinrichtungen mit Baggern, Mischmaschinen und Kränen aus Holz. Auf richtigen Puppenherden konnten kleine Mädchen richtig kochen. Das Geschirr ist meist aus hochwertigem Porzellan und Stahl. Und die Einrichtung der Puppenhäuser steht in Stil und Eleganz den Möbeln der Erwachsenen nicht nach“, schrieb die Dewezet.

Können die Kids von heute Filme auf Tablets oder PCs anschauen, wurden in damaligen Kinderzimmern allenfalls Standbilder an Wände projiziert. Mit Bildwerfern aus Plastik, zu denen 112 Dias mit lustigen Figuren gehörten, konnten sich Kinder vor 50 Jahren bei trüben Tagen die Zeit vertreiben. „Mit einem an die Wand gehängten Betttuch ist das Kinderkino perfekt“, las man 1965 in der Zeitung.

Planwagen mit batteriebetriebenen Pferden, Polizeiautos mit telefonierenden Polizisten, Blaulicht und Sirenen oder pfeifende Prärie-Loks ließen in der Wirtschaftswunderzeit Kinder noch „vor Staunen stumm werden“. Als passendes Geschenk sah die Reporterin das beschriebene Blechspielzeug allerdings nicht an: „Die Neugierde, wie das Innere eines solchen Geisterwagens aussieht, ist oft zu groß. Und wenn nicht ein strenges Verbot erfolgt, liegen bald nur noch Einzelteile herum, die nicht mehr pfeifen oder blinken wollen.“

Übrigens, Blechspielzeug, das die Experimentierfreudigkeit ihrer Besitzer überstanden hat, ist stark im Wert gestiegen. Zu kaufen ist es in Hameln immer noch, auch wenn die Anzahl von Fachgeschäften in den letzten fünf Jahrzehnten arg geschrumpft ist. Allerdings greifen eher Erwachsene zu dem nostalgischen Spielzeug aus Metall, ist von Renate Pfisterer vom Eisenbahnladen in der Emmernstraße zu erfahren.

Über Legosteine hat die Reporterin vor 50 Jahren nicht berichtet. Die kleinen Kunststoffklötzchen gehören zu den Rennern des Weihnachtsgeschäfts 2015 im Hamelner Spielzeugladen Timmi. Auch Minions-Figuren, ferngesteuerte Fahrzeuge, Drohnen und große Plüschtiere werden zu Weihnachten gekauft, verraten Tim und Berthold Nabrotzky.

Die angesagtesten Spielzeuge des Jahres kennt der Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels. Mit Kamera-Drohne, Autorennbahn, magischen Zaubermäusen oder einem interaktiven Plüsch-Einhorn sorgt die Spielwarenbranche dieses Jahr für strahlende Kinderaugen. Und – wie soll es anders sein – natürlich mit einer Barbie-Puppe. Nur dass die im Gegensatz zu jener von 1965 nicht nur gekämmt werden kann, sondern auf Knopfdruck reitet. Hightech eben.

Spielzeug im Jahr 1965: „Barbie ist eine international begehrte Dame“, stand in der Dewezet.



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