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Förderung von Deutsch und Muttersprache durch die Kindertagesstätte

Zweisprachig mehr lernen

Hameln. Als Michael zwei Jahre alt war, hat er kaum gesprochen. Nur einzelne Worte. „Vielleicht hat es daran gelegen, dass er ein Junge ist“, vermutet seine Mutter Viktoria Sander. Sicher habe es aber auch damit zu tun, dass er zweisprachig aufwachse. Neben Deutsch spricht Michael zu Hause Russisch mit seiner Mutter. Als Viktoria Sander im März vom Sprachförderprojekt „Rucksack-Kita“ in der städtischen Einrichtung Altstadtmäuse hörte, war ihre Neugierde geweckt. Heute gehört sie zu den ersten zertifizierten Elternbegleiterinnen im Landkreis Hameln-Pyrmont.

veröffentlicht am 19.09.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 03:21 Uhr

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Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Beim „Rucksack-Kita-Projekt“ geht es vereinfacht gesagt darum, dass Kinder Inhalte, mit denen sie sich in der Kita beschäftigen, zu Hause reflektieren können – auch wenn dort kaum Deutsch gesprochen wird oder andere kulturelle Gepflogenheiten herrschen. Möglich machen soll es der mehrsprachige Ansatz des Programms. „Ich selbst kannte nur die russischen Kinderlieder oder Gedichte“, sagt Michaels Mutter. In der Schulung habe sie viele deutsche Lieder kennengelernt, die sie nun mit Michael zu Hause singen kann. Über die Inhalte wird in Viktorias Muttersprache Russisch gesprochen.

Die Sprachfähigkeit der Kinder mit Elternhilfe zu fördern, ist der Ansatz des Programms. Damit hofft man, Eltern in Zuwandererfamilien zu erreichen. Denn dort liegt oft das Problem: Mit Eltern, die kein oder nur wenig Deutsch sprechen, können die Kinder nicht gut über das reden, was sie in der Kita gelernt haben.

Im „Rucksack“ befinden sich Materialien der „Regionalen Arbeitsstellen zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien“, jetzt Kommunale Integrationszentren, die die frühkindliche Bildung anregen sollen. Das Besondere dabei: Das Material gibt es in bisher zehn Übersetzungen für die teilnehmenden Eltern und Elternbegleiter. Letztere sollen das lockere Bindeglied sein zwischen Kita und Eltern.

Insgesamt 30 Stunden wurden die Mütter auf die Förderung in der Muttersprache vorbereitet. Bei den Treffen haben sie den Wert von Literatur, Bilderbüchern, Liedern, Spielen und Malen kennengelernt.

Die Elternbegleiter wiederum stehen in engem Kontakt mit den sogenannten Elternanleiterinnen. Das sind zertifizierte Erzieherinnen, die wie die Elternbegleiterinnen die Basisschulung mitgemacht haben. „Wichtig ist uns ein entspannter Umgang miteinander“, sagt Elternanleiterin Lena Guerrero-Vazquez, die die Schulung für die „Altstadtmäuse“ gemacht hat. Für die katholische Einrichtung St. Augustin haben sich die Mütter Sandra Möller und Hemrin Mohammad qualifiziert. „Wir Mütter lernen, was die Kinder in der Kita machen“, sagt Hemrin, die in ihrer Heimat als Lehrerin gearbeitet hat. Bei einem Elternabend in St. Augustin habe es bereits rege Resonanz gegeben: Neun Mütter hätten Interesse signalisiert. Bald soll nun die heiße Phase beginnen: Mit Gruppen zwischen sieben und zehn Teilnehmern sollen Eltern neun Monate lang begleitet werden.

Finanziert wird das Projekt vom Landkreis Hameln-Pyrmont, geleitet wird es von Anja Eggers von der Fachstelle für frühkindliche Bildung. Bereits vor zwei Jahren hatte man versucht, das Projekt zu starten, war aber an fehlenden Geldern gescheitert. Maßgeblichen Anteil daran, dass es nun geklappt hat, haben Birgit Kamp, Leiterin der Kindertagesstätte St. Augustin, und die ehemalige Jugendamtsleiterin Martina Kurth-Harms, inzwischen Dezernatsleiterin. Ihr Nachfolger Andreas Kopp freut sich, dass sich zwei Kitas gefunden haben, „die sich auf das Abenteuer einlassen. Denn Sprache ist das wichtigste verbindende Element, das wir haben.“

Renate Schenk, regionale Rucksack-Multiplikatorin für Niedersachsen, die das Projekt bereits seit sieben Jahren begleitet, betont, dass das Konzept neben der Sprachförderung und Elternbildung auch die Förderung der allgemeinen kindlichen Entwicklung beinhaltet.

Gestärkt werden sollen neben der Mehrsprachigkeit ganz allgemein die Erziehungskompetenz der Eltern sowie das Selbstwertgefühl zugewanderter Mütter und deren Kinder. „Mitmachen können aber genauso deutsche Mütter“, betont sie. Das Programm sei für alle da. Übrigens auch für Väter. Wenn auch bisher noch nicht allzu viele mitgemacht hätten, würden sich aber viele zu Hause mit dem Material beschäftigen, so Schenk.



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