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Gegner der Fußgängerzonen-Erneuerung trauen Politik und Verwaltung nicht mehr über den Weg

Zweckbündnis feuert geballte Ladung Kritik ab

Hameln (ni). „Man hat uns in dieser Diskussion noch nie ernst genommen, wir sind mit allen Anregungen gegen eine Mauer des Schweigens gestoßen.“ Ralf Hermes, Kreisvorsitzender des BUND Mitinitiator des überparteilichen „Zweckbündnisses für eine bessere Fußgängerzone“ macht keinen Hehl aus seiner Frustration über die „Arroganz“, mit der die Verantwortlichen für die Neugestaltung der Hamelner Fußgängerzone jene vor den Kopf gestoßen hätten, die mit den Entwürfen der Architektin Anke Deeken nicht einverstanden gewesen seien. Vor rund 60 Bürgern, die der Einladung des Bündnisses zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der aktuellen Planung gefolgt sind, fügt Hermes aus vielen kleinen Bausteinen von Ungereimtheiten, Widersprüchen, Fragwürdigkeiten und Versäumnissen ein Mosaik zusammen, aus dem die Zuhörer (fast) nur noch einen Schluss ziehen können: Den Aussagen von Politik und Verwaltung ist nicht zu trauen.

veröffentlicht am 25.03.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 12.11.2016 um 05:21 Uhr

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Grünkonzept wird immer noch vermisst

Misstrauen ist laut Hermes gegenüber der Kostenschätzung der Stadt geboten. Nach einer vom BUND aufgemachten Gegenrechnung könnte die Neugestaltung am Ende schlimmstenfalls auch acht oder neun Millionen Euro teuer werden. Dass die Politik den beschlossene Deckelung auf fünf Millionen Euro tatsächlich einhalte, sei zumindest fragwürdig vor dem Hintergrund, dass eben jene Politik im gleichen Atemzug nicht nur die Ausschreibung für die bescheidene Version (fünf Millionen), sondern auch die für die aufwendige mit Natursteinpflaster (6,13 Millionen) auf den Weg gebracht habe.

Widersprüche findet Hermes auch bei den offiziell formulierten Zielen, die mit einer neuen Fußgängerzone erreicht werden sollen. Zuerst habe es geheißen, die Erneuerung sei nötig, damit Oster- und Bäckerstraße gegen die Konkurrenz der hochglanzpolierten Einkaufscenter-Welt bestehen könne. Jetzt solle als Erstes der Pferdemarkt und damit der „Vorhof der Stadt-Galerie“ herausgeputzt werden. Zuerst sei von einer Eigenbeteiligung der Anlieger in Höhe von einer Million Euro die Rede gewesen, heute spreche niemand mehr davon. Wohl auch deshalb nicht, weil sich etliche Häuser im Besitz von Immobilienfonds befänden, „die nicht bereit sind, sich für diese Stadt zu engagieren, sondern nur Interesse an einer möglichst hohen Rendite haben“. Ihnen mit öffentlichen Geldern das Umfeld zu verschönern, halte er für fragwürdig, zumal „die Hamelner den Bedarf gar nicht sehen und die Touristen die Stadt schön finden, so wie sie ist“.

Eine Fehlentscheidung ist in den Augen von Hermes, dass die Wahl auf die Architektin Anke Deeken fiel. Die müsse sich Zweifel an ihrer fachlichen Qualifikation gefallen lassen, weil sie allen Ernstes hellgelbe Steine wie rund um die Stadt-Galerie als Belag für die gesamte Fußgängerzone vorgeschlagen habe. Der habe sich inzwischen als ungeeignet erwiesen. Und hätte, wenn er den verlegt worden wäre, den Zustand der Innenstadt gegenüber heute nicht verbessert, sondern verschlechtert.

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Die auf der Musterfläche verlegten Steine zeigen schon nach …

Auf den Aufschrei der Hamelner angesichts der Deekenschen „Entgrünung“ hätten sowohl Rat als auch die verantwortlichen Planer im Rathaus bis heute mit äußerster Zurückhaltung reagiert. Der Beteuerung, nach der Neugestaltung werde die Innenstadt genau so grün sein wie vorher, vertraut Hermes nicht. Auch auf den jetzt im Hochzeitshaus plakatierten Entwürfen für die Oster- und Bäckerstraße seien Pflanzbeete nicht zu erkennen. Und bei den hübsch eingezeichneten Bäumen sei zu befürchten, „dass sie die nächsten 20 Jahre brauchen, bis sie tatsächlich so groß sind, wie sie auf dem Bild erscheinen“. Sein Vertrauen in die Verlässlichkeit und Sorgfalt der Planung werde zusätzlich erschüttert, wenn auf diesen Plänen ein Baum als „erhaltenswert“ gekennzeichnet ist, „der schon vor zwei Jahren gefällt wurde“.

„Die Welt rundum bewegt sich auch“

So wie Hermes für seine Kritik, so erntet auch Tobias Matter vom Frischen Wind Beifall für sein Fazit: „Die Fußgängerzone wird schlechter geredet als sie ist“. Und ebenso für ein Plädoyer, beim Bürgerentscheid am 19. April für den Erhalt der Fußgängerzone zu stimmen, um damit den Weg für eine neue Planung freizumachen. Matter: „Mit Ja stimmen kann jeder, der mit dem derzeitigen Konzept nicht einverstanden ist und eine andere Lösung will.“

Dass dadurch die zwei Millionen zugesagter Fördermittel aufs Spiel gesetzt werden, sei für ihn solange eine bloße Behauptung der Stadt, wie er keinen eindeutigen Gegenbeweis in den Händen halte.

Nur zwei Stimmen aus dem Publikum nehmen Partei für die Neugestaltung. Der Vorsitzende des Hamelner Einzelhandelsverbandes, Holger Wellner, gibt den Gegnern zwar recht in ihrer Kritik, „dass vieles in der Verwaltung unglücklich gelaufen ist und die Planung Mängel hat“. Aber er wirbt dafür, „gemeinsam an der Verbesserung der Pläne zu arbeiten und in konstruktiven Gesprächen die noch bestehenden Mängel anzugehen“. Der Hamelner Neubürger Herbert Meistering gibt den Versammelten den Rat mit auf den Weg, sich nicht selbstzufrieden im Gewohnten einzurichten, sondern „die Stadt auf die Höhe der Zeit zu bringen“. Meistering: „Die Welt rundum bewegt sich auch.“



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