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Mehrheitsgruppe im Kreistag stellt dem Verein Bedingungen / FDP hält Projekt für unrealistisch

Zuschuss für Straßenfußball – unter Vorbehalt

Hameln (CK). Nach einer äußerst emotionalen Diskussion hat sich die Mehrheitsgruppe aus CDU, FDP und Grünen im Kreistag über eine Beschlussempfehlung hinweggesetzt, die kurz zuvor der Jugendhilfeausschuss noch einstimmig gefasst hatte: Der Verein „Freunde und Förderer von Straßenfußball für Toleranz in Hameln e.V.“ um Richard Labitzke erhält zwar eine Förderung – die ist aber an Bedingungen geknüpft.

veröffentlicht am 11.03.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 12.11.2016 um 07:41 Uhr

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Autor:

Christa Koch
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Der Fachausschuss hatte sich zwar dafür ausgesprochen, dass der Verein einen Zuschuss von 8000 Euro, verteilt auf je 4000 in zwei Jahren erhält, die vorrangig für ein neues Projekt verwendet werden sollen. Doch nicht wenige schienen im Nachhinein Bauchschmerzen zu haben, allen voran Heinrich Fockenbrock (FDP). Er bezweifelte die Seriosität des Antrags, der erstmals am 29. Oktober letzten Jahres gestellt wurde, sollten doch zunächst monatlich 600 Euro (insgesamt 14 400 Euro) der „Alltagsarbeit“ des Vereins dienen. „Das ist an sich schon zu beanstanden bei ehrenamtlicher Arbeit“, sagte der Liberale.

Vier Mitglieder und kein Büro

Fockenbrock bezweifelt aber auch, dass das Projekt überhaupt zustande kommt. Danach will Labitzke mit acht Schulen aus dem Landkreis und der Stadt Hameln mit je zwei Klassen Kontakt zu acht Schulen aus allen Bundesligastandorten aufnehmen, gegenseitige Besuche mit Übernachtungen und Fußballspielen inklusive. 27 500 Euro hatte Labitzke hierfür veranschlagt, die Hälfte für Personal- und Bürokosten. Der letzte Antrag stammt vom 22. Januar und beinhaltet jetzt einen Zuschusswunsch von 8000 Euro. Fockenbrock: „Der Kreisfußballverband würde sich so ein Projekt in dieser Zeit nicht zutrauen. Und dieser Verein hat nur vier Mitglieder und nicht einmal ein Büro. Wie soll das realisiert werden? Das wichtigste aber war dem Liberalen die Kofinanzierung: Sie soll, so will es die Gruppe, bis zum 30. Juni stehen, ansonsten gibt es keine Kreisförderung. Das unterstrichen auch Otto Deppmeyer (CDU) und Ursula Wehrmann (Grüne). Letztere hatte im Fachausschuss noch für das Projekt gestimmt und betonte, sie sei auch jetzt nicht dagegen.“Was aber fehlt, ist ein Konzept und eine verbindliche Finanzierung. Bisher hat der Antragsteller nicht mehr als eine Wunschliste“, bemängelte sie. Mit der Bedingung – Kofinanzierung verbindlich bis zum 30. Juni – schütze man nicht zuletzt auch ihn vor unüberschaubaren Risiken. Im Übrigen hält sie Labitzke mit dem Projekt ohnehin für überfordert. „Der will quasi von der Kreis- gleich in die Bundesliga“, sagte sie.

Für die SPD ging vor allem deren Fraktionsvorsitzender Ulrich Watermann in die Bütt. „Man sollte nicht Bedingungen stellen, die irrwitzig sind“, äußerte er in Richtung Mehrheitsgruppe. Soll heißen: Nach seiner Meinung sei es unmöglich, bis Ende Juni Zusagen von potenziellen Sponsoren zu bekommen. Die Gruppe solle doch ehrlich sagen, wenn sie gegen das Projekt sei, forderte Watermann, der gleich androhte: „Wenn Sie diesen Weg der FDP mitgehen, dann wird das auch bei uns künftig immer so sein.“ Den Liberalen warf er „Überregulierung“ vor und kritisierte zugleich, dass man bei Banken oder der EWR „nicht so pingelig“ gewesen sei.

Kofinanzierung muss immer gesichert sein

Eigentlich sei man nicht weit auseinander, meinte Hartmut Binder“ (SPD). Watermann zeigte sich am Ende kompromissbereit: „Wenn der Satz ,unter Vorbehalt’ mit in die Förderzusage kommt, haben wir nichts dagegen. Ein Problem haben wir nur mit unrealistischen Rahmenbedingungen.“ Landrat Rüdiger Butte stellte klar, dass die Kofinanzierung immer gesichert sein müsse, wenn der Kreis etwas bezuschusse, auch ohne dass es schriftlich festgehalten werde. Aber Fockenbrock blieb dabei: „Wir müssen Druck auf Labitzke machen.“ – Der war gestern für die Redaktion nicht erreichbar.

Kommentar: Naiv oder gerissen?

Die Worte „Toleranz“ und „Integration“ ziehen eigentlich immer: Sie stimmen in aller Regel jene gnädig, die über Fördergelder zu entscheiden haben. Kein Wunder: Wer mag sich schon nachsagen lassen, er sei gegen Toleranz oder Integration? Insofern hat Richard Labitzke, Vorsitzender des Vereins „Freunde und Förderer von Straßenfußball für Toleranz in Hameln e.V.“, der sich besonders der Migrantenkinder und derer aus sozial benachteiligten Familien annimmt, mit seinem Antrag besonders ins Herz der SPD gezielt, deren ureigenste Klientel damit angesprochen werden soll. Hat allerdings die Rechnung ohne die Wirte CDU, FDP und Grüne gemacht. Sie fordern, völlig zu Recht, eine verbindliche Kofinanzierung in einem überschaubaren Rahmen.

Wer oder was aber ist Richard Labitzke: Einer, der naiv oder aber einer, der genial gerissen ist? Der Mann, der vor rund 20 Jahren gerne mal Benefiz-Fußballturniere zugunsten der CDU veranstaltet hatte, der in Hannover wohnt, der über kein Büro und gerade drei Mitstreiter verfügt, mag sich organisatorisch auch selbst überschätzen. Das immerhin wäre noch entschuldbar.



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