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Lamya Kaddor erklärt, wie Dschihadisten Jugendliche rekrutieren

Zum Töten verführt

Hameln. Ihre Mission ist es, Jugendliche davon abzuhalten, in den Dschihad zu ziehen: Lamya Kaddor ist Islamwissenschaftlerin und möchte, dass junge Muslime ein eigenes Bild von ihrer Religion entwerfen. „Die wichtigste Maßnahme im Kampf gegen den Salafismus ist die Präventionsarbeit“, schreibt sie in ihrem aktuellen Buch „Zum Töten bereit“, das sie am kommenden Montag in Hameln vorstellt. „Es muss uns gelingen, junge Menschen bereits vor ihrem Eintritt in die salafistische Szene zu erreichen.“ Denn die Verführungskünste der radikalisierten Muslime, die den Islam mit dem Terrorismus in Verbindung bringen, sind stark und erfolgreich.

veröffentlicht am 28.10.2015 um 17:11 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 07:21 Uhr

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Autor:

von andrea tiedemann
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Wichtig ist Kaddor aber auch, dass Muslime nicht ausgegrenzt werden. Wer ständig das Bild des stereotypen Terroristen mit dem islamischen Glauben in einen Topf werfe, beschleunige den Radikalisierungsprozess unter Umständen. Denn Respekt und Akzeptanz ist genau das, was die häufig vernachlässigten Jugendlichen vermissen und bei der radikalisierten Szene – zumindest zu Beginn – finden. Deutschland müsse aufhören, den Islam pauschal abzuwerten.

„Bei vielen Jugendlichen, die in die salafistische Szene geraten sind, lassen sich familiäre Bindungsdefizite feststellen“, schreibt Kaddor in ihrem Buch. Insbesondere fehle häufig eine Vaterfigur – weil der Vater gestorben sei oder sich zu wenig um die Erziehung kümmere. Diese Freiheit könne in Orientierungslosigkeit müden – und genau da setzen Dschihadisten an. Ein festes Wertesystem ist genau das, wonach diese Jugendlichen suchen. Da sie selber noch nicht gefestigt sind, was Werte betrifft, beziehungsweise zum Teil selber Gewalt als Kommunikationsmittel kennengelernt haben, lassen sie sich leichter manipulieren als Jugendliche, die schon einen festen Wertekanon im Kopf haben.

Dass Jugendliche in den Dschihad ziehen, ist laut Kaddor „eine bestimmte Form der Rebellion, des Protests gegen das Elternhaus“. Doch warum ist es nicht irgendeine Jugendbewegung, sondern gerade die salafistische Szene? Es sei auch das Gefühl der Überlegenheit, das die Jugendlichen anspreche. Dabei seien die Salafisten an sich noch nicht das Hauptproblem, sagt Kaddor. Denn nach ultraorthodoxen Prinzipien zu leben, möge vielen vielleicht nicht gefallen, sei aber noch nicht verboten – und daher nicht mit Dschihadisten, die in den Kampf ziehen, gleichzusetzen.

Doch wie kommt es dazu, dass manche Jugendliche innerhalb kurzer Zeit zu Mördern werden und sich der Terror-Gruppe Islamischer Staat (IS) anschließen? Salafisten würden Jugendliche speziell danach rekrutieren, wie hoch ihre Gewaltbereitschaft ist, schreibt Kaddor. Dann kommt wieder die Religion ins Spiel: „Die Salafisten beziehen sich hier auf die Suren, missbrauchen Verse zur Rechtfertigung ihres fanatischen und grausamen Vorgehens.“ Dass die Jugendlichen aus Sicht der IS-Anführer in erster Linie als „Kanonenfutter“ taugen, realisieren sie erst später – häufig erst dann, wenn es schon zu spät ist.

Bei alledem ist Kaddor wichtig, genauestens zu differenzieren und sprachlich exakt zu sein: Hier die Deutschen, dort die Muslime? Diese Schere, die in Deutschland immer wieder aufgemacht werde, sei unsinnig, stellt Kaddor klar. Schließlich sei dies kein Widerspruch und nicht umsonst heißt der Untertitel ihres Buches „Warum deutsche Jugendliche in den Dschihad ziehen“. Denn es sind deutsche Jugendliche, die von der Salafistenszene angelockt werden – und deshalb habe auch die gesamte deutsche Gesellschaft eine Verantwortung für die Jugendlichen.

Termin: Ihr Buch „Zum Töten bereit“ stellt Lamya Kaddor am Montag, 2. November, ab 19 Uhr, im Lalu (Hefehof), vor.



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