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Im Schmetterlingshof wohnen Mädchen, um schwierigen Lebenslagen zu entfliehen – wie einst Nina

Zuhause auf Zeit

Flakenholz. „Es ist uns wichtig, den Mädchen ein Zuhause zu geben, in dem sie sich wohlfühlen können.“ Diesen Grundsatz stellt Birgit Grupe nicht nur dem Leitbild ihres Schmetterlingshofes voran. Seit nunmehr zehn Jahren füllen die Leiterin der Mädchenwohngruppe im Aerzener Ortsteil Flakenholz und ihr überwiegend weibliches Team diesen Grundsatz mit Leben.

veröffentlicht am 06.10.2014 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 09:21 Uhr

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Autor:

Sabine Brakhan
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„Im Schmetterlingshof sind drei Dinge ganz besonders: Erstens wohnen hier nur Mädchen und junge Frauen. Zweitens liegt der Schmetterlingshof in einer sehr ländlichen Umgebung. Und drittens spielen Tiere, besonders unsere Pferde, eine wichtige Rolle in unserem Alltag“, beschreibt Birgit Grupe die Einrichtung, in der mittlerweile 19 Mädchen und junge Frauen ein neues Zuhause auf Zeit finden. Und sie kann anfügen, dass die angebotenen Plätze stets ausgelastet sind. Insgesamt 75 Kinder und Jugendliche wurden in den vergangenen zehn Jahren von Grupe und ihren Helfern betreut.

Einige Mädchen blieben nur wenige Monate, andere bis zu sieben Jahre lang. Etwa ein Viertel der jungen Bewohnerinnen, die sich aus ganz unterschiedlichen Gründen in problematischen Lebenssituationen befinden, werden vom Jugendamt des Landkreises Hameln-Pyrmont zum Schmetterlingshof vermittelt, alle anderen Mädchen und jungen Frauen kommen aus den Zuständigkeitsbereichen anderer Jugendämter, beispielsweise aus Goslar, Göttingen oder Berlin.

Zum zehnjährigen Bestehen haben sich zahlreiche ehemalige Bewohner auf den mehr oder weniger langen Weg zurück nach Flakenholz gemacht, um Mitbewohnerinnen und Betreuerinnen wiederzusehen und vor allem Grupe, für viele einfach „Mutti“, einen Besuch abzustatten.

So auch Nina Wosnitza, Schmetterling Nummer eins in Flakenholz überhaupt. Die mittlerweile 24-Jährige kann sich noch gut an den 1. Dezember 2004 erinnern, den Tag, an dem sie in den Schmetterlingshof einzog. Sie habe sich von der eigenen Mutter im Stich gelassen gefühlt, durch die mehrwöchige Kontaktsperre in der Eingewöhnungszeit völlig von der Außenwelt abgeschnitten und als damals erste und einzige Bewohnerin manchmal einsam, berichtet sie. Aber sie sei super aufgenommen worden, habe auch alle Ferien, Feiertage und Urlaube gemeinsam mit der neuen Schmetterlingshof-Familie verbracht und letztlich den richtigen Weg ins Leben gefunden, wie sie erzählt.

In einem der vielen gemeinsamen Urlaube im Südseecamp lernte sie ihren Freund kennen, zog der Liebe wegen nach Hamburg und absolvierte dort eine Lehre zur Zahnarzthelferin. Mittlerweile lebt sie in Lüneburg, arbeitet im Dienstrang eines Stabsunteroffiziers der Bundeswehr in ihrem Beruf und ist in Munster stationiert. Wenn sie von Bekannten gefragt wird, wie es ist, in einem Kinderheim gelebt zu haben, gibt sie stets dieselbe Antwort: „Der Schmetterlingshof war für mich nie ein Kinderheim. Bei ,Mutti‘ fühle ich mich nach wie vor zu Hause, und wir haben bis heute ein ausgesprochen familiäres Verhältnis“, betont Wosnitza. Neben zehn Jahren Schmetterlingshof gab es am Wochenende noch etwas anderes zu feiern: Nach mehrmonatiger Renovierung konnten die neuen Räume in der Außenstelle „Alte Schule“ offiziell eingeweiht werden. Hier entstand betreuter Wohnraum für acht Mädchen. Zwei weitere Gruppen mit fünf beziehungsweise sechs Bewohnerinnen haben ihr Domizil nach wie vor im Haupthaus. Mit der Renovierung der „Alten Schule“ konnten zwei neue Betreuungsplätze geschaffen werden. Eine weitere Vergrößerung der Einrichtung schließt Grupe trotz bestehenden Bedarfes aber aus, denn: „Ich möchte nicht an den Punkt gelangen, an dem ich meine Kinder nicht mehr persönlich kenne.“

Zum zehnjährigen Bestehen des Schmetterlingshofes wurde auch die neue Zweigstelle der Mädchenwohngruppe in der alten Schule offiziell eingeweiht.



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